Fesselnde Abenteuer können sehr abwechslungsreich sein und beinhalten manchmal diverse Spielsachen und bestimmte Kleidungsstücke. Je nach Aktivität kommen somit bei einer Session eine Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen zum Einsatz. Doch manchen Personen wird das zu viel. Wir stellen euch ein paar Aktivitäten vor, welche ohne Ausrüstung nicht möglich wären und warum man darauf nicht verzichten sollte.
Männern wird nachgesagt, dass im Laufe ihres Lebens das ewige Kind erhalten bleibt, nur die Spielsachen immer teurer werden. Ganz unrecht mag man damit nicht haben, dann viele Männer spielen eben gern. Dazu gehören wir und auch einiger unserer Freunde auch. Egal ob Klemmbausteine, Computer- oder Konsolenspiele oder ein intimes Abenteuer mit spannenden Spielsachen, man kann auf verschiedenen Ebenen spielerische Abenteuer erleben.
Fetischkleidung
Es beginnt schon vor dem Einsatz von Spielsachen beim Einkleiden. Ein Fetischist schmeißt sich gern in Schale und bei einer Session darf die Fetischkleidung nicht fehlen. Manche Fetischkleidungsstücke benötigen mehr Zeit als Alltagskleidung, um diese anzuziehen. Egal ob eine sportliche Lederkombi, wie man sie vom Motorradfahren her kennt, oder ein Ganzkörper-Gummianzug – bis man drin ist, dauert es manchmal mehr als nur eine Minute. Es gibt sogar Kleidungsstücke, die man ohne Unterstützung einer weiteren Person schier gar nicht anziehen geschweige denn ausziehen kann. Ein Leser hat uns von seinem Gummianzug mit Nackeneinstieg (ohne Reißverschluss) erzählt. Diesen kann er nur mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau anziehen. Wenn er ihn dann mal trägt, dann möchte er auch so schnell nicht mehr heraus. Der Aufwand des Ankleidens muss sich schließlich auch lohnen, sonst könnte man gleich darauf verzichten sich anzuziehen.
Ein paar Beispiele für beim Anziehen „zeitintensive“ Kleidungsstücke (egal ob dediziert für den Einsatz im Fetischbereich oder beispielsweise aus dem Sport entliehen) möchten wir euch hier aufführen:
- Gummianzug (enganliegend)
- Korsett oder Mieder (geschnürt)
- Lederkombi (Motorrad)
- Schutzanzug (z.B. ABC-Schutzanzug der Bundeswehr oder Chemikalienschutzanzug der Feuerwehr)
- Lederstiefel zum Schnüren (hoch, z.B. 30-Loch-Springerstiefel)
- Tauchanzug (Nass-, Halbtrocken- oder Trockentauchanzug)
- Zwangsjacke
- etc.
Spielsachen
Was versteht man unter „Spielsachen“? Für manchen mögen es Klemmbausteine, ein Ball (ganz „klassisch“) oder eine Spielekonsole sein. Für andere sind es restriktive Fesseln (z.B. Handschellen oder ein Halsband) oder einführbare Gegenstände (z.B. einen Buttplug oder einen Knebel) oder gar technische Maschinen (z.B. ein Reizstromgerät oder eine „Fickmaschine“).
Beispiel: Humane Fixierung
Gefesselt zu sein ist für viele Personen ein Hochgenuss. Doch nicht alle Fesseln sind auf Dauer bequem. Bondage beginnt bekanntlich dann, wenn man raus möchte. Aber muss der Grund für die Flucht aus der (freiwilligen) Gefangenschaft unbedingt (ungewollter) körperlicher Schmerz sein? Aus diesem Grund finden einige Personen die Möglichkeit Menschen mit speziellen Gurten auf einem Bett zu fixieren nicht nur restriktiv, sondern auch vergleichsweise zu anderen Fesseln relativ bequem. Die meisten werden mit solchen Fixierungen unmittelbar an ein Krankenhaus und/oder eine psychiatrische Einrichtung denken. Dieser Gedankengang ist vollkommen korrekt, dann aus dieser Branche stammen diese Produkte auch. Die BDSM-Welt bedient sich dieser Produkte und nutzt sie für sexuelle Abenteuer.

Wer einmal solche Gurte auf einem Bett angebracht und eine Person darauf fixiert hat weiß, dass man dafür durchaus eine gewisse Zeit braucht. Sind die Gurte auf der richtigen Position (abhängig von der Körpergröße der zu fesselnden Person) und sind die Gurte auch sicher am Bett festgemacht, sodass bei physischer Gegenwehr die gefesselte Person auch sicher gehalten wird? Im Optimalfall hat man ein „Gästebett“ mit diesen Guten bereits dauerhaft damit präpariert. Aber diesen Luxus hat nicht jeder.
Beispiel: Reizstrombehandlung
Es gibt mehrere Reizstromgeräte auf dem Markt. Den meisten Personen sind hier sogenannte „TENS-Geräte“ geläuftig. Unter „TENS“ versteht man die transkutane elektrische Nervenstimulation. Kleine Reizstromgeräte senden elektrische Impulse über die Haut an die Nerven. Dies blockiert die Schmerzweiterleitung an das Gehirn und regt die Produktion körpereigener Schmerzmittel (Endorphine) an. Diese elektrische Stimulation kann natürlich auch an erogenen Zonen eingesetzt werden, um eine sexuelle Stimulation hervorzurufen.

Einige BDSM-Liebhaber scheuen diese Praktik aber, da es ihnen zu technisch ist. Angefangen beim Kabelsalat und bis hin zum Erwerb von Einwegprodukten (z.B. Klebepads). Aber der Hauptgrund ist der technische Umgang. Welche Körperregionen sollte man meiden? Mit welcher Intensität (Stärke und Intervall) kann man sein Opfer bearbeiten? Viele Faktoren, auch die Tagesverfassung, spielen hier mit ein. Während der eine Spielpartner mit einer elektrischen Analsonde den Impulsgeber auf Maximum dreht, so kann ein anderer bei zehn Prozent schon das Safeword aussprechen, weil es zu viel wird.
Zu einer Ablehnung von BDSM-Ausrüstungsgegenständen können auch nicht-elektronische Spielsachen führen. Hier ein paar Beispiele, welche ohne Elektrizität funktionieren:
- Andreaskreuz
- Bondage Stuhl (auch bekannt als „Academy Men Chair“ oder entsprechende Nachbauten)
- Käfig (meist aus Metall)
- Metall-Fesselkombinationen (z.B. multifunktionale Metallfesseln)
- Pranger (z.B. Bodenpranger aus Holz oder Metall)
- Seilfesselungen (z.B. Shibari)
- Zwangsjacke (hier nochmals erwähnt, da es sowohl „Kleidungsstück“ als auch Fesselmethode ist)
- etc.
Gründe dagegen
Wir haben innerhalb der Community nachgefragt, warum manche Personen auf Fetischkleidung und/oder fesselnde Abenteuer verzichten. Die Antworten waren sehr vielfältig: zu faul, zu technisch, zu kompliziert, zu umständlich, nicht spontan genug, zu zeitaufwändig und noch andere Antworten gingen bei uns ein. Kann man zu faul für Fetischsex sein? Das ist durchaus möglich, wenn der innere Schweinehund größer ist als die eigentliche Geilheit. Die Scheu vor der Technik wurde in verschiedener Hinsicht genannt. Auf der einen Seite ist es die Elektrotechnik oder gar smarte Elektronik, welche gescheut wird. Auf der anderen Seite war es der technische Umgang auch mit nicht-elektronischen Geräten, z.B. das korrekte Anlegen einer Zwangsjacke. Zitat eines Gesprächspartners: „Bis ich mein Opfer korrekt in der Zwangsjacke fixiert habe, bin ich meist nicht mehr geil. Das ist für mich ein echter Stimmungskiller.“ – Übung macht den Meister?

Ein häufig genannter Hauptgrund, welchen wir bisher noch nicht aufgeführt haben, ist ein fehlendes Spielzimmer. Während man in einem dedizierten Spielzimmer theoretisch alle Fetischkleidungsstücke und Spielsachen unmittelbar griffbereit hat, so muss man ohne ein solches Zimmer die Dinge alle erst herrichten und auch wieder verräumen. Im Extremfall müssen die Sachen sogar wie die Ostereier in der Wohnung versteckt werden und vor unautorisierten Blicken (Kindern, Mitbewohnern oder Gästen) schützen.
Ein Familienvater schrieb uns: „Ich trage leidenschaftlich gern Gummi und habe mir dazu einen Ganzkörperanzug gekauft. Meine Ehefrau hat daran wenig Gefallen, kennt aber meine Vorliebe und ‚duldet‘ es, ohne sich selbst daran zu beteiligen. Da wir zwei (schulpflichtige) Kinder haben, kann ich diese Vorliebe nur eingeschränkt ausleben. Oft ist es dann nur ein Tag Homeoffice in Gummi, wenn die Kinder ganztags Schule haben. Spätestens Mittag muss ich das Abenteuer beenden, den Gummianzug reinigen und zum Trocknen aufhängen. Kurz bevor die Kids nach Hause kommen, muss der trockene Anzug wieder im Schrank versteckt sein.“
Auch das Reisen mit Fetischkleidung und Ausrüstung kann eine logistische Herausforderung sein. Was nimmt man mit, was lässt man Zuhause? Gerade beim Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Mitnahme von Gepäck beschränkt. Ein Freund von uns ist deshalb schon (mehrfach) mit angezogener Motorradlederkombi in den Flieger gestiegen, da das Leder im Koffer (trotz großzügiger Gewichtsfreigrenze) zu viel Platz weggenommen hätte. Aber nicht jede Fetischkleidung kann man bedenkenlos in öffentlichen Verkehrsmitteln tragen. Mit einem Chemikalienschutzanzug im Flughafen oder Flieger könnten Fragen aufkommen…

Ein weiterer wichtiger Grund, welcher gegen Fetischkleidung und auch gegen BDSM-Spielsachen spricht, ist der Kostenpunkt. Egal ob Fetischkleidung oder restriktive Spielsachen: Es kostet alles einen Haufen Geld. Wenn man dann günstig kauft, dann kauft man oft mehrfach, da die Verarbeitung und Langlebigkeit oft (nicht immer) zu wünschen übrig lässt. Sind hochwertige Fetisch- und BDSM-Produkte nur „wohlhabenden“ Personen vorbehalten? Nein, das können wir so nicht unterschreiben, aber bei Fetischisten haben solche (zusätzlichen) Ausgaben eine andere Priorität als bei Nicht-Fetischisten.
Zusatzinfo: Häufig wird in der BDSM-Welt vom sogenannten „Perversenaufschlag“ gesprochen. So kostet zum Beispiel eine Hundeleine in einem Fetischstore gern ein Vielfaches als vergleichsweise in einem Laden für den Heimtierbedarf.
Gründe dafür
Wir könnten euch jetzt viele Beiträge aus unserem Blog auflisten, welche Aktivitäten man ausleben kann und welchen Reiz sie auf die jeweiligen Spielpartner ausübt. Der wohl größte Hauptgrund, Fetisch- und BDSM-Sex auszuleben, ist die Lebensfreude. Viele bezeichnen es auch als hormonellen Ausgleich zum sonst eher eintönigen Alltag. Während man in der Arbeit und im Haushalt oft nur (mehr oder minder) funktioniert, so bietet BDSM in der Freizeit den Ausgleich, den man sich wünscht. Sich fallen lassen, genießen, Spaß haben und vielleicht sogar zum sexuellen Höhepunkt kommen. Wer möchte darauf verzichten? Viel mehr sollten die positiven Erlebnisse im BDSM überwiegen und den „Aufwand“ rechtfertigen.
Extrembeispiel
Claudi aus Nürnberg: „Ich hatte kürzlich ein Date mit einem Kerl. Im Chat gab er an, dass er Fetisch gegenüber offen sei und neugierig ist, dies zu erleben. Also zog ich für unser erstes (und einziges) Date bei mir meinen Latexanzug und meine High Heels an. Er fand den Anblick geil, selbst wollte er aber keinerlei Gear anziehen, obwohl ich sogar ein paar Kleidungsstücke in seiner Größe griffbereit hatte. Es war eine Mischung aus Scham, Unsicherheit und Faulheit. Als ich ihm zum eigentlichen Akt dann ein Kondom gab und er dies ebenfalls nicht überziehen wollte, brach ich die Beinahe-Session ab. Wer zu faul ist eine Lümmeltüte überzustreifen, dem zeige ich nur die Türe. Zu faul für Gear mag das eine sein, aber zu faul für Verhütung geht gar nicht!“
Eure Erfahrungen
Eure Meinung ist uns wichtig. Hattet ihr schon einmal eine mögliche Session ausgeschlagen, weil ihr „zu faul“ gewesen seid oder gab es andere Gründe auf Fetischkleidung und/oder eine BDSM-Session zu verzichten? Ist BDSM für euch vielleicht zu „unspontan“ und braucht zu viel Vorlauf? Was würde euch dazu bewegen ggf. mehr Fetisch und BDSM auszuleben und wollt ihr überhaupt danach streben? Seid ihr vielleicht froh darüber, dass BDSM für euch möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle in eurem Sexualleben spielt? Oder könnt ihr die Vorbehalte gar nicht verstehen und lebt BDSM und Fetisch so oft es geht aus und habt überhaupt keine Scheu vor dem „Aufwand“? Schreibt uns gern eure Gedanken, wir freuen uns auf eure Zuschriften.
