Mann mit Halsband und Kette - Copyright 2026, fesselblog.de

Grenzerfahrungen und ihre Konsequenzen

Der Überhang an devoten Spielpartnern sorgt dafür, dass sich manche Subs besonders ins Zeug legen, damit sie in die Gunst eines Tops kommen. Doch manchmal gehen die Praktiken in den Sessions über die persönlichen Grenzen hinaus. Ist es das wert, sich über die eigenen Grenzen hinaus in Gefahr zu bringen, nur um einer anderen Person zu gefallen?

Vorzüge einer Session

Oft ist die Rede von einer Session oder einer BDSM-Session. Innerhalb der BDSM-Community wird der Begriff sehr gern genutzt, um den Fokus mehr auf den Fetisch und den BDSM zu legen und sich möglicherweise (nicht immer) etwas vom sexuellen Kontext zu entfernen. Auch im deutschsprachigen Raum nutzt man das Wort gern, auch wenn man es wörtlich mit „Sitzung“ übersetzen könnte. Doch das klingt dann mehr wie eine Therapie und weniger nach einem fesselnden Abenteuer.

Eine Session kann weit über den eigentlichen sexuellen Akt hinausgehen oder diesen sogar bewusst ausschließen. Viele BDSM-Liebhaber implizieren in eine Session den sexuellen Akt und bestreiten nicht, dass die Handlungen innerhalb einer Session ein Mittel zur Erreichung des sexuellen Höhepunkts sind.

Positives Beispiel

Wir möchten euch an dieser Stelle ein Beispiel geben. Ich (männlich, homosexuell) hatte einen Gast (männlich, heterosexuell) bei mir. Mein Gast hat nach seiner Ankunft einen Voll-KG (Carrara 2.0) angelegt bekommen und wurde dann angewiesen eine einteilige Motorradlederkombi anzuziehen. Dann schlüpfte er in Motocross-Stiefel. Soweit die Kleidung, doch jetzt kam die Fesselung. Bevor es *Klick* gemacht hat, wurde ein Safeword vereinbart!

Gefesselt in Leder - Copyright 2026, fesselblog.de
Gefesselt in Leder – Copyright 2026, fesselblog.de

Mein freiwilliges Opfer hat sich Ohrenstöpsel eingesetzt und bekam dann eine Ledermaske mit Schnürung am Hinterkopf aufgesetzt. Über die Ledermaske wurde ihm ein Halseisen (multifunktionale Metallfesseln) und die dazu passenden Handfesseln angelegt. In diesem Setting durfte er sich auf den Boden legen und ab und zu auch aufsetzen. Die Beine wurden mit Zurrgurten zusammengeschnürt, was über den Motocross-Stiefeln und der Lederkombi kein Problem war. Ich war sogar so freundlich und hab ihm eine Rolle unter die Knie gelegt, damit er es bequemer hat. Bin ich nicht lieb? Ab und zu habe ich meinem Gast über die Ledermaske eine Gasmaske gezogen und den Filter mit der Handfläche immer ein paar Sekunden wechselweise zugehalten. Diese kleinen Atemkontrollspiele erregten mich, da mein Opfer versuchte sich mit seinem Kopf aus meinem festen Griff zu winden. Seine Hände waren wechselweise vor oder hinter dem Körper, mal mit Metallfesseln, mal mit Handschellen. Für das „Wohlfühl-Bondage-Programm“ gab es auch eine kleine „Massage“. Mit einem elektrischen Massagestab berührte ich dabei seine Brust und seinen Intimbereich. An den Nippeln schien er etwas empfindlich zu sein, trotz der schützenden Schicht der Motorradlederkombi. Im Intimbereich sorgte der Massagestab für eine entsprechende Vibration im Keuschheitsgürtel. Bin ich gemein? Möglicherweise! Nach zwei Stunden habe ich meinen Gast befreit und mit ihm gemütlich Kaffee getrunken. Das Gespräch als Teil der Nachsorge war auch sehr wichtig!

Nun ein paar Fragen: Hatte ich mit meinem Gast Sex? Nein! Hatte ich mit meinem Gast eine nicht-sexuelle BDSM-Session? Definitiv! Kann man also eine Session ohne Geschlechtsverkehr haben? Auf jeden Fall! Besteht Wiederholungsgefahr? Aber sowas von…!
Aber warum haben wir das gemacht? Weil es uns beiden Spaß gemacht hat! Mein Gast war glücklich darüber fixiert zu sein und ich hatte für ein paar Stunden eine interessante „Deko“ auf meinem Boden liegen. Beide sind wir also auf unsere Kosten gekommen.

Schattenseiten

Das Beispiel gerade eben ist real so passiert. Es gab vorher klar definierte Grenzen. Doch was wäre gewesen, hätte einer von uns beiden diese Grenzen überschritten? Mir war bewusst, dass mein Gast dieses fesselnde Abenteuer unbedingt erleben wollte. Hätte ich mich nicht einfach auch sexuell an ihm bedienen können? Er war ja nur eingeschränkt bewegungsfähig. Hätte er den sexuellen Übergriff möglicherweise sogar über sich ergehen lassen, nur um das BDSM-Erlebnis nicht zu zerstören? Wir wissen es nicht, da es glücklicherweise nicht dazu kam. Andererseits hat ein Leser, welcher anonym bleiben möchte, von einer solchen Schattenseite berichtet:

„Lange war ich auf der Suche nach einem Top. Ich hatte schon ein paar (wenige) Sessions, aber so richtig fallenlassen konnte ich mich bisher noch nicht. Via Chat auf Romeo habe ich einen geilen Kerl kennengelernt, der mir genau dieses Abenteuer ermöglichen wollte. Allerdings nicht nur ein Abend, sondern ausgedehnt auf ein ganzes Wochenende. Eigentlich wäre mir das für den Einstieg und die erste Session mit einem fremden Kerl zu viel, aber die Neugierde und die Geilheit waren größer und ich habe mich darauf eingelassen. Wir verabredeten uns an einem Freitag. Es gab explizite Instruktionen, wo und wann ich erscheinen sollte und was ich mitzubringen hatte. In seiner Wohnung angekommen musste ich mich vollständig entkleiden. Mein Penis war in meiner Penisschelle eingeschlossen und die Schlüssel musste ich ihm übergeben. Er testete, ob die Schlüssel auch passen und sperrte diese dann in einen Tresor bei sich ein.

Sexuelle Handlungen haben wir eigentlich nicht vereinbart, aber beide vorab offen kommuniziert, dass wir darauf nicht aus sind. Ich war fast schon erleichtert, dass ich einen KG tragen durfte. Er fesselte mich und verband mir die Augen. So durfte ich erst einmal ein paar Stunden liegen. Ich war fast am Einnicken, da spürte ich, dass er in meinen Mund eindringen wollte. Ich dachte erst, dass er mich küssen wollte, also wehrte ich mich nicht, aber er schob mir ungefragt seinen Penis in den Mund. Es war zwar kein Tabu, aber ich wollte es eigentlich nicht. Auf der anderen Seite wollte ich die Session nicht zerstören und es versuchen zu genießen. Zum Glück spritzte er nicht in mich ab. Im Laufe des Wochenendes gab es verschiedene Settings und Fesselstellungen, die alle auf ihre Art sehr erregend waren. Wir machten auch kleinere Pausen, wobei ich dabei immer so fixiert war, dass ich mich nicht selbst hätte befreien können. Selbst beim Essen musste ich mindestens Halsband und Handschellen tragen. Als sich unser gemeinsames Wochenende dem Ende entgegen neigte, meinte er nur schnippisch, dass ich noch meine Schlüssel für den KG auslösen müsste.

Ich ahnte Schlimmes. Die Auslöse war, dass ich ihm ‚freiwillig‘ einen bis zum Ende blasen musste. Bei dem Gedanken war ich maximal erregt, aber eigentlich war es mir zu viel. Seine strenge Art während der Session deutete mir jedoch an, dass ich die Schlüssel nicht zurückerhalten würde, würde ich mich seinem Willen nicht beugen. So bekam er seinen Blowjob mit Happy End und ich bekam meine Schlüssel zurück. Im Nachgang war ich erleichtert, dass es vorbei war. Es war zwar in den meisten Situationen sehr schön, aber ein paar einzelne Grenzüberschreitungen hindern mich daran, mich jemals mit ihm wieder auf eine Session einlassen zu können.“

Weitere Leserberichte

Leider haben wir mehrere solcher Berichte erhalten, bei einem war es offensichtlich eine Vergewaltigung und diese wurde im Nachgang auch zur Anzeige gebracht. Eine Leserin hat uns sehr offen berichtet, dass sie sich schon fast genötigt fühlte ihre eigenen Tabus über den Haufen zu werfen, damit sie interessant für mögliche dominante Spielpartner wird. Genau das solltet ihr auf gar keinen Fall machen!

Klare Grenzen

Wenn ihr das Gefühl habt, dass eure Tabus in irgendeiner Form entkräftet werden, dann ist es möglicherweise nicht der richtige Partner oder die richtige Partnerin. Auch wenn eine Session auch noch so verlockend angeboten wird, ihr tut euch selbst damit keinen Gefallen.

Konsequenzen

Es kann unterschiedliche Konsequenzen haben, wenn während einer Session Grenzen überschritten werden. Diese Grenzüberschreitungen müssen dabei nicht unbedingt innerhalb einer BDSM-Session stattgefunden haben. Das kann auch in einer Beziehung ohne BDSM passieren. Bei manchen Opfern solcher Überschreitungen können es zukünftige Bindungsängste sein oder gar diverse Traumata hervorrufen. Manche Personen können daraus resultierend sogar beziehungsunfähig werden, da sie nicht mehr in der Lage sind, einer anderen Person zu vertrauen und Kontrolle abzugeben. Gerade die Kontrollabgabe ist im BDSM ein zentrales Element. Wenn einmal eine Grenze überschritten wurde, dann bleibt die Angst, dass diese oder andere Grenzen in Zukunft ebenfalls überschritten werden.

Ausnahmen

Es gibt allerdings in diesem Zusammenhang eine Ausnahme, welche allerdings zwischen den Spielpartnern einvernehmlich ist. Für Außenstehende mag diese Praktik allerdings nicht einvernehmlich erscheinen. Es handelt sich dabei um „CNC“ (Consensual Non-Consent), was man grob übersetzt mit „einvernehmliche Nichteinwilligung“ übersetzen könnte. Details könnt ihr dem Beitrag über CNC direkt entnehmen. Ansonsten gibt es für uns kein Argument für eine Grenzüberschreitung im Sinne von einvernehmlichem BDSM.

Unser Rat

Wir können euch an dieser Stelle nur raten, dass ihr euch für niemanden verbiegen solltet. Bleibt euch und euren Grenzen treu. Sollte jemand von euch verlangen, dass ihr eure Tabus zu brechen habt, dann ist die Person vermutlich nicht der richtige Umgang für euch. Ihr werdet feststellen, dass ihr im Lauf der Jahre, während ihr BDSM praktiziert eure Grenzen verschoben werden. Dinge, die ihr heute als Tabu erachtet, könnten morgen schon eine Vorliebe sein. Wichtig dabei ist, dass das Verschieben der Grenzen von euch ganz allein erfolgt. Passt auf euch auf!

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

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