Einen Fetischisten erkennt man meist an seiner Fetischkleidung. Doch nicht immer und überall lässt sich bestimmte Kleidung öffentlich tragen und so gehen immer mehr Fetischfreunde dazu über, herkömmliche Kleidung mit teils sehr offensiven Botschaften und Beschriftungen zu tragen. Aber steht somit auf der Kleidung manchmal mehr, als wirklich drin steckt?
Vergangenheit
Es sind inzwischen fast 20 Jahre her, als ich mit befreundeten BDSM-Liebhabern in einem Freizeitpark war. Die meisten trugen damals Lederjeans und teils auch Motorradlederjacken. Ein Mann hob sich von der Menge etwas ab, da er ein abgeschlossenes Lederhalsband und auch passende abgeschlossene Lederhandfesseln getragen hat. Für ihn war das seine Alltagskleidung, für Außenstehende war es ein eher befremdlicher Anblick. Seine Jacke kaschierte die Fesseln etwas, aber als es warm genug war, befahl ihm sein damaliger dominanter Partner, dass er seine Jacke auszuziehen hatte. Darunter kam ein T-Shirt zum Vorschein, welches in Großbuchstaben „SKLAVE“ auf dem Rücken stehen hatte (siehe Vorschaubild). Ohne die schützende Jacke waren Halsband und Handfesseln dank der offensiven Beschriftung auf dem Rücken der Magnet aller Blicke. Es gehörte viel Mut dazu, in solcher Kleidung in die Öffentlichkeit zu gehen, obgleich er im Schutz der Gruppe war. Für mich war der Anblick damals nicht neu, dennoch waren die Reaktionen aus der Öffentlichkeit spannend zu beobachten.
Gegenwart
Würde man heute mit genau diesem T-Shirt in die Öffentlichkeit gehen, dann wären die Blicke vermutlich mit mehr Gleichgültigkeit erfüllt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Markt inzwischen überschwemmt wird mit den verschiedensten Beschriftungen auf Kleidung. Der Titel „SKLAVE“ fällt hier vermutlich gar nicht mehr auf, da die Passenten es vermutlich nicht lesen würden. Jeder ist auf eine Art mit seinen Alltagssorgen beschäftigt, sodass selbst das Offensichtliche unsichtbar zu sein scheint. Beim Stöbern durch diverse Online-Shops haben wir eine Fülle von T-Shirts mit besonderen Botschaften gefunden, ein paar Beispiele wollen wir euch hier benennen (Auswahl in alphabetischer Reihenfolge):
ALPHA, BASTARD, BDSM, BEAR, BIKER, BITCH, BONDAGE, BÖSE, BOY, DADDY, DOM, DRONE, FAGGOT, FCK ABL, FCK YOU, FISTER, FST ABL, GEAR HEAD, HANDLER, HORNY PIG, HURE, KINK, KINKSTER, KNUDDEL MICH, KÜSS MICH, LEATHER, LOCKED, MASOCHIST, MASTER, OBEY, OWNED, OWNER, PADDED BUTT, PIG, PISS, PUPPY, RABAUKE, RUBBER, SADIST, SCHLAMPE, SKLAVE, SLAVE, SLUT, SNIFFER, SNKR HEAD, SOCKS SNFFR, SUB, SWITCH, TOY, USE ME, WRU INTO, YES SIR
Gründe
Es gibt verschiedene Gründe, warum man solche Kleidung mit einer entsprechenden Aufschrift bzw. Botschaft trägt. Zum einen ist es eine Art Unterstreichung seines eigentlichen Fetischs. Wenn ein Lederfetischist eine Lederhose trägt, dann vermutet man nicht gleich eine sexuelle Vorliebe für Leder. Wenn dann auf einem T-Shirt aber „Biker“ oder „Kinkster“ steht, dann bekennt sich der Träger öffentlich ein Fetischist zu sein. Es ist in gewisser Weise ein öffentliches Fetisch-Outing. Zum anderen kann eine solche Beschriftung auch erniedrigend sein. Gerade devote Personen werden somit der Öffentlichkeit praktisch auf einem Silbertablett serviert. Der Fetisch wird den Mitmenschen aufgedrängt. Menschen, die mit der Fetischwelt nichts zu tun haben und die Fetischkleidung als solche auch nicht identifiziert hätten, werden genötigt diese Botschaften zu konsumieren, ob sie wollen oder nicht. Aber möchte man als Außenstehender unbedingt wissen, ob sein Gegenüber gerade Windel trägt oder gern an getragenen Socken schnüffelt?
Das Ende des Hanky Codes?
War der Hanky Code damals noch eine Art Geheimsprache unter Gleichgesinnten, so ist die direkte Beschriftung auf der Kleidung auch für Außenstehende klar verständlich. Warum also ein rotes Stofftaschentuch in die linke hintere Hosentasche stecken, wenn man doch viel einfacher ein T-Shirt mit der Aufschrift „Fister“ tragen kann? Zugegeben, in einem Darkroom kann das eindeutige Erkennen mancher Farben der Stofftaschentücher schwierig sein, aber man kann auch einfach den offenen Dialog führen und die Mitmenschen fragen, worauf sie denn so stehen. Im Supermarkt würde man diese Frage vermutlich nicht stellen, aber dank der offensiven Beschriftung ist die Fragestellung auch obsolet. Wobei sich manche Personen sicherlich vorstellen könnten, dass ein T-Shirt mit der Aufschrift „Sadist“ für einen Zahnarzt sehr kleidsam wäre. Ob es ihm wohl Spaß macht, seinen Patienten auf den Zahn zu fühlen?
Gelegenheiten
Wenn man solche Kleidungsstücke im Handel findet, dann stellt man sich schnell die Frage, bei welchen Gelegenheiten man solche Kleidung tragen könnte. Zu Hause in den eigenen vier Wänden, beim Einkaufen, in der Arbeit oder in einer Fetisch-Bar? Die Antwort lautet vermutlich: „es kommt darauf an“. Wenn ein Arbeitgeber einen Dresscode vorschreibt, dann ist solch explizite Kleidung eher unangebracht. In Fetisch-Clubs oder auf Fetisch-Veranstaltungen können die Botschaften auf der Kleidung für Gleichgesinnte unter Umständen sogar hilfreich sein. Welche Farbe hatte der Hanky Code für „Daddy“ nochmal? Da ist es doch einfacher, ein T-Shirt mit der Aufschrift Daddy zu tragen.
Aber steckt auch wirklich das drin, was drauf steht? Es ist einfach ein T-Shirt mit der Aufschrift „Master“ zu tragen, aber ist der Träger auch wirklich ein würdiger Master oder suggeriert das T-Shirt mehr als er es in Wirklichkeit eigentlich ist? Trägt eine Person mit der Aufschrift „Locked“ gerade wirklich einen Keuschheitsgürtel oder ist er dem Thema Keuschheit gegenüber nur offen und möchte sein Interesse damit öffentlich bekunden? Könnten somit teils trügerische Botschaften auf uns warten, da die Leute die Kleidung eher als eine lustige Anspielung sehen und weniger als eine ernstgemeinte Botschaft mit einem sexuellen Hintergrund?
Selbstgemacht und andere Produkte
Neben Kleidung gibt es auch eine Vielzahl anderer Produkte, welche den Fetisch in der Öffentlichkeit betiteln. Dazu gehören Tassen, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber und andere Werbeartikel. Neben der offensiven Beschriftung steht dabei die Werbewirkung der jeweiligen Händler im Vordergrund. Da aber nicht jeder Fetischist als wandelnde Litfaßsäule fungieren möchte, gehen einige dazu über, sich ihre Kleidung selbst zu bedrucken oder bedrucken zu lassen. Dies hat den Vorteil, dass man neben des Wunschtitels auch noch den eigenen Namen oder Pseudonym dazu schreiben kann. Manche Paare nutzen die Gelegenheit, um einen entsprechenden Partnerlook zu wählen. Dabei muss es sich nicht immer um T-Shirts aus Baumwolle handeln, sondern kann auch Fetischkleidung aus zum Beispiel Gummi sein. Ein Beispiel haben wir dazu auf den sozialen Netzwerken gefunden (Copyright unbekannt):

Kleider machen beschriften Leute
Würdet ihr mit solchen T-Shirts oder gar beschrifteter Fetischkleidung aus dem Haus gehen? Wie wichtig ist es für euch, euren Fetisch ungehindert in der Öffentlichkeit ausleben zu können? Oder würdet ihr ggf. auf außerhalb von Fetisch-Veranstaltungen solche T-Shirt mit unmissverständlichen Botschaften im Alltag tragen? Welches Wort oder welche Botschaft sind dabei euer Favorit? Schreibt uns gern eine Nachricht oder einen Kommentar. Wir freuen uns auf eure Einsendungen.

Das ist ein schwieriges Thema. Einerseits darf jeder jeden Blödsinn auf den Klamotten oder dem Auto spazieren fahren, warum dann nicht auch den Fetisch? Wer sich damit selbst ausdrücken will, das Grundgesetz hat nix dagegen, da steht es mir nicht zu was dagegen zu haben.
Nur muss der Betreffende ggf. mit den Reaktionen klar kommen.
Ein paar Beispiele: Viele Mottoshirts sind eher peinlich als wirklich lustig, manche sind auch Zeichen ‚geheimer‘ Zugehörigkeit und werden von Außenstehenden auch so wahrgenommen. Dann kann die Hemmschwelle, Kontakt zu der Person zu suchen, schon deswegen größer sein. Autoaufkleber desgleichen. Ich las mal: ‚Gas, Ass or Grass. Nobody rides for free!‘ An einem Seat Minivan! Kumpel, glaubst Du ernsthaft, irgendwer will in Deiner Gurke freiwillig und gegen Bezahlung mitfahren? Echt jetzt? Von daher – peinlich bis zum geht-nicht-mehr.
Dann ist da noch die Gruppe der Shirts/Aufkleber, vor denen die Polizei und ähnliche Schutzorganisationen warnen: Niemand muss wissen, dass Dein Hund oder Kind an Bord ist und schon gar nicht wie die heißen! Diese Info kann eines Tages bös missbraucht werden.
Und das ist im Bereich Fetisch genauso. Jeder (!) kann sehen, worauf Ihr steht… Euch ansprechen und je nachdem kann das doof enden.
Ich laufe nicht durch die Gegend, Handschellen in der Tasche und halte nach Leuten mit entsprechender Kleidung Ausschau. Außer im Rahmen von Events, da evtl. schon. Nur – FALLS jemand das nun tut und auf jemanden mit entsprechenden Klamotten trifft, könnte das als Einladung (miss)verstanden werden.
Hi, ich trage auch regelmässig Shirts mit eindeutiger Botschaft. Slave, owned, Sub, CTRL ME, Poperty of Master und der BDSM Triskele. Nun, mein Stand als Sklave ist durch das ständige Tragen von Halseisen, zeitweiliges Tragen von Hand und Fusseisen und Fetischkleidung, Leder/Rubber immer ersichtlich, dafür brauchen wir keine Anonymität in Clubs oder auf Veranstaltungen. Ich weis, wo ich hin gehöre und muss das auch zeigen. Hierfür sorgen meine Master, Die mir jegliche Art vorschreiben, wie ich mich kleiden muss. Sollten in seltenen Fällen Stoffshirts erlaubt sein, haben sie die Beschriftung.
Dann dürfte es für dich eine Ausnahme sein, wenn du in „Zivil“ und ohne sichtbare Zeichen (und Beschriftung) unterwegs bist, oder?
Genau so ist Das. In den letzten 5 Jahren vieleicht zwei Mal. Das waren Familienfeiern im grösseren Kreis. Halseisen sind da aber trotzdem Pflicht. Eine Halskette und Ohrringe mit Triskele trage ich auch ständig. Glatt rasierter Kopf. Ganz ohne Identifikation gibt Es bei mir garnichts mehr.
Und wie bist du sonst so standardmäßig gekleidet und wie viel Überwindung hat es dich gekostet, komplett abhängig zu sein mit dem Outfit und immer aufzufallen?