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Morgen jemand anderes

Ist Monogamie noch zeitgemäß? Bei einigen BDSM-Liebhabern kann es vorkommen, dass sie wechselnde Spielpartner haben. Ist dieses Verhalten unüblich oder in gewisser Weise vielleicht sogar nachvollziehbar? Während man selbst vielleicht heute der passende Spielpartner ist, könne man bereits morgen von einer anderen Person abgelöst werden. Ist hier Eifersucht vorprogrammiert?

Selbstfindungsphase

Mehrere Leser haben uns berichtet, dass sie im Laufe ihrer Selbstfindungsphase viele Dinge ausprobiert haben. Sei es das Testen von Spielsachen, Fetischkleidungsstücken oder gar sexuellen Praktiken. Aufgrund der Tatsache, dass es im Bereich Fetisch und BDSM so viele Möglichkeiten gibt, scheint es manchmal so, als ob manche spielfreudige Community-Mitglieder nie aus dieser Selbstfindungsphase entfliehen, sondern sich quasi in einem permanenten experimentierfreudigen Lebenszyklus befinden. So kann es passieren, dass nicht jeder Spielpartner auch alle Bedürfnisse befriedigen kann. Wenn nicht der eigentliche Partner, dann vielleicht jemand anderes?

Unterschiedliche Vorlieben – unterschiedliche Partner

Es ist nicht unüblich, dass man für das gemeinsame Ausleben gewisser Fetische passende Partner mit eben dieser Vorliebe braucht. Möchte man einen Lederfetisch ausleben, so fühlt man sich in Gegenwart anderer Lederfetischisten gut aufgehoben. Möchte man aber als Adult Baby behandelt werden und von einem Partner gewickelt, gefüttert und als Baby umsorgt werden, dann denkt man hier vermutlich nicht unmittelbar an einen Lederfetischisten. Ausgeschlossen ist es nicht, gerade wenn man sich mit Multifetischisten umgibt. Aber die Wahrscheinlichkeit eine Person mit unterschiedlichen (oder gar gegensätzlichen) Fetischen zu finden, ist gering. Ein Leser berichtet:

„Ich habe verschiedene Vorlieben und lebe diese mit drei unterschiedlichen Personen aus. Die jeweiligen Spielpartner wissen auch, dass es andere Personen für mich im sexuellen Sinne gibt, aber sie kennen sich nicht untereinander und das ist auch gut so. Mit einem Spielpartner lebe ich meinen Gummifetisch aus. Wir tragen dazu beide gern einen Gummi-Ganzanzug und machen dann rum. Manchmal endet es in Analverkehr, meistens ist es dann aber eher nur gemeinsames Wichsen und/oder ein gemeinsamer Filmabend in Gummi.
Bei meinem zweiten Spielpartner darf ich meine Vorliebe für Windeln ausleben. Ich werde hier als Baby gehalten und auch gefüttert. Manchmal bekomme ich auch ein Zäpfchen oder es wird Fieber gemessen. Mein Daddy liebt es, wenn wir viel knuddeln, wobei Sex tabu ist und er mir sogar während des Knuddeln einen Keuschheitsgürtel anlegt. Manchmal ganz schön gemein.
Der dritte Spielpartner ist mein Sklave. Wir tragen beide gern Leder und er liebt es, wenn ich ihm den Arsch versohle. So lebe ich hier nicht nur meinen Lederfetisch aus, sondern auch meine dominante Seite.
Für mich ist es in meinem Kopf stimmig, dass ich diese unterschiedlichen Vorlieben und auch komplett unterschiedliche Rollen mit unterschiedlichen Partnern auslebe. Ich könnte diese Vorlieben auch nicht mit einem einzigen Partner ausleben, da es in meinem Kopf nicht funktionieren würde bei einer Person auf einmal den Schalter umzulegen und zum Beispiel vom hilflosen Baby in Windeln zum dominanten Ledermaster zu wechseln. Das würde sich falsch anfühlen. Auch wenn beide Seiten in mir schlummern, brauche ich hier andere Rahmenbedingungen und dies funktioniert bei mir nur mit unterschiedlichen Partnern.“

Das größte Abenteuer, zumindest für heute

Wenn man die Dating-Portale beobachtet, dann gibt es dort meistens nur die Frage nach dem nächsten Abenteuer. Wann trifft man sich, wo trifft man sich und wozu trifft man sich? Die Suche nach dem allergrößten Abenteuer, welches man jemals erlebt hat. Und wenn man das Abenteuer gefunden hat, seine Befriedigung erhalten hat, dann ist man oft schon auf der Suche nach dem nächst größeren Abenteuer und der noch intensiveren Befriedigung. Und das kann man voraussichtlich nur mit einer anderen Person erreichen. Das mag jetzt sehr oberflächlich und verallgemeinernd klingen, aber auch so haben wir unsere Dating-Partner erlebt. Sie erscheinen, kommen (im wahrsten Sinne des Wortes) und ziehen weiter. Das muss nicht unbedingt schlimm sein, denn jeder Mensch entwickelt sich weiter und vielleicht haben wir einem Spielpartner dazu geholfen, sich bei einer gemeinsamen Session Erkenntnisse über sich selbst zu erlangen und sich dadurch weiterzuentwickeln.

Eifersucht

Nicht selten kommt es vor, dass Personen, die mit mehreren Spielpartnern im intimen Kontakt sind, gern von Eifersuchtsdramen heimgesucht werden. Ein Leser hat uns das wie folgt erklärt:

„Ich bin dominant und spiele gern mit meinen devoten Spielpartnern in meinem eigens dafür eingerichteten Spielzimmer. Auf den sozialen Netzwerken teile ich dann gern mal ein paar fesselnde Eindrücke, was mir viele Klicks und Follower einbringt. Es melden sich auch mögliche Kandidaten über diese Kanäle. Es kann aber vorkommen, dass so mancher Gast in gewisser Weise enttäuscht wird, da mit ihm nicht genau das gespielt wird, was er möglicherweise vorher auf Bildern in meinen Profilen gesehen hat. Man wird dann mit einer Mischung aus Enttäuschung und Eifersucht konfrontiert. Frei nach dem Motto ‚mit dem hast du das gemacht, aber mit mir nicht…‘. Von daher grenze ich die Sessions hier ab und stelle auch zwischen den Spielpartnern keinen Kontakt her. Zudem ist nicht jeder Sub für jede Praktik geeignet. Es hängt zudem stark von der Tagesverfassung sowohl von meinem Gegenüber als auch von mir selbst ab. Man hat ja nicht jeden Tag auf die selbe sexuelle Praktik Lust. Genau das mag ich ja an meinen Spielpartnern. Jeder bringt seine persönlichen Vorlieben und Wünsche mit und das macht eine Session so abwechslungsreich. Für Eifersuchtsdramen ist dabei kein Platz und wenn sie doch kommen, dann löse ich mich von solchen Spielpartnern sehr schnell.“

Eure Erfahrungen

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr einen festen Spielpartner oder lebt ihr eure Vorlieben möglicherweise mit unterschiedlichen Partnern aus? Oder ist euch Monogamie wichtig und ihr lebt daher möglichst alle Vorlieben mit eurem festen Partner aus und verzichtet vielleicht auf Dinge, welche euer Partner nicht praktizieren möchte? Schreibt uns gern einen Kommentar oder Nachricht. Wir freuen uns auf eure Zusendungen.

Eine Bemerkung noch zum Schluss: Einige BDSM-Liebhaber tun sich schwer damit, einen Spielpartner oder eine Spielpartnerin zu finden. Utopisch überhaupt daran zu denken, gleich mehrere Spielpartner zu finden. Man sollte die Augen offen halten und auf die Mitmenschen innerhalb der Community zugehen. Dennoch hier nochmal der Hinweis, dass wir leider keine Spielpartner vermitteln können. Vielen Dank für euer Verständnis.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

4 Kommentare zu „Morgen jemand anderes“

  1. Leider ist es schwer geworden, eine(n) Spielpartner(in) zu finden, die die eigenen Bedürfnisse halbwegs erfüllt und dessen Bedürfnisse mit den eigenen Kompatibel ist, ohne gleich an Professionelle zu geraten, die einen Ausnehmen!
    Meisst wird es dann eine Partnerschaft…, naja, wenigstens nicht ALLEIN!
    Ständig neue, fremde Spielpartner, vor allem wenn´s Intim werden soll, halte ICH für eine Art Russisch Roulette!
    Gibt viele, die Ihre Geschlechtskrankheiten nicht kennen oder andere davor warnen oder Sadisten die nicht wissen was sie tun!
    Ich bevorzuge daher mehr Temporäre Spielpartnerschaften!
    Da kann man sich langsam an die Grenzen des/der anderen Herrantasten und wenn´ es doch nicht Passt, ohne bleibende Schäden trennen!

  2. Hi.
    Wie schon in anderen Kommentaren erwähnt, passt Alles bei uns Dreien. Wir hatten das Riesenglück uns zu finden und einen gemeinsamen Weg gehen zu können. Man ist jetzt auch in einem Alter in dem man ruiger wird und sich eher nach Geborgenheit sehnt.

    1. So ist das.
      Sage keiner, es gäbe keine Wunder.

      In der Zeit vor Facebook und WhatsApp waren Fetischvereine wie der MSC Rote Erde groß und wichtig.
      Es gab Streit, bösen Klatsch, Vereinsmeierei, aber das renkte sich immer wieder ein. Heute, mit dem schier endlosen Buffet ist das irgendwie anders: Wer im Streit geht, kommt nicht wieder.
      Schade eigentlich.

      Dass jetzt alles passt, war keineswegs offensichtlich damals.

      1. Vereinsmachereien gibt es auch heute noch, sowohl im wahren Leben als auch auf dem virtuellen Schlachtfeld.

        Auch ich war einmal Mitglied in einem örtlichen Fetischverein. Ich habe mich dann in eine andere Richtung entwickelt als der Verein, das war dann der Zeitpunkt diesen zu verlassen. Und auch so kann es in der virtuellen Welt geschehen. Man folgt unzähligen interessanten Personen auf den sozialen Medien und irgendwann ist der Punkt erreich, an denen man sich für die vergangene Zeit bedankt und sich für die Zukunft dann aber doch trennt. Denn auch hier entwickeln sich die Influencer und Jäger nach Followern weiter, nicht immer zum Positiven. Manchmal ist der „Entfolgen“-Knopf eine Erleichterung für die Zukunft, dabei muss man nicht im Bösen auseinander gehen.

        Sollte man sich der „guten alten Zeit“ zurücksehnen, in welcher es noch keine Smartphones und sozialen Netzwerke gab? Die Welt entwickelt sich weiter und auch die Fetischwelt entwickelt sich weiter. Man muss nur für sich selbst entscheiden, ob man der allgemeinen Entwicklung folgt oder sich selbst vielleicht anders entwickelt und auch dafür einsteht. Es gibt immer Wege abseits des Mainstreams, auf dem man nicht allein sein muss.

        Es heißt, dass man sich bekanntlich immer (mindestens) zweimal im Leben begegnet. Das gilt auch für die Fetischwelt, egal ob in der realen oder der virtuellen.
        Wir freuen uns für euch, dass ihr euer Dreier-Glück gefunden habt. Das ist in der Tat keine Selbstverständlichkeit. Haltet einander fest, und wenn es sein muss, dann gern mit schweren Ketten.

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