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Multifetischismus

Die meisten Menschen ziehen sich für ein intimes Spiel aus. Ein Fetischist zieht sich meist bewusst etwas an. Doch gerade ein Multifetischist hat hier oft die Qual der Wahl. Wird es heute Leder, Gummi, Neopren oder vielleicht noch etwas ganz anderes…?

Kleider machen Leute, darüber haben wir auch schon mehrere Beiträge veröffentlicht. Doch was ist, wenn eine Person mehrere Fetische hat? Da fällt die Wahl des Fetisch-Outfits teils gar nicht so einfach. Bei manchen Fetisch-Freunden kann sich über die Jahre eine beachtliche Sammlung an Fetisch-Kleidungsstücken ansammeln. Nicht nur die verschiedenen Fetische, sondern auch die Variationen innerhalb eines Fetischs füllen mit der Zeit die Schränke. Doch warum überhaupt diese Flut an Fetischklamotten?

Für jeden Anlass das passende Fetisch-Outfit

Ich muss mich selbst an der Nase packen, denn der eigene Schrank quillt auch über. Etwas davon verkaufen oder hergeben? Nicht daran zu denken! Man könnte es ja vielleicht zu einem besonderen Anlass doch noch brauchen. Es gibt durchaus Fetisch-Kleidung, die man vorrangig in den eigenen vier Wänden anhat und nicht in der Öffentlichkeit präsentiert. Andere Kleidungsstücke sind dann wiederum geeignet, um darin auszugehen.

Zudem ist man ja auch nicht jeden Tag gleich gut gelaunt. Manchmal gibt es Tage, an denen denkt man sich, dass es vielleicht schön und erregend sein könnte Gummi zu tragen. Und am nächsten Tag gelüstet es einem vielleicht eher nach Leder. Und wieder einen Tag darauf zieht man bequeme Sportkleidung an, um einfach nur faul auf dem Sofa zu liegen (und vielleicht schnüffelt währenddessen ein devoter Spielpartner an den Stinkesocken).

Wir erwähnen an dieser Stelle bewusst verschiedene Materialien von Kleidung. Ein Fetischist ist nicht auf einen einzigen Fetisch festgenagelt. Wenn jemand gern in Leder ausgeht, dann bedeutet das nicht, dass er ausschließlich einen Lederfetisch hat. Wir selbst wurden hier ebenfalls schon eines Besseren belehrt. Wir haben einen Fetisch-Freund getroffen, der bei jedem unserer Treffen Leder trug. Doch als wir ihn für ein persönliches Gespräch besucht haben, wurden uns die anderen Fetische offenbart. Die Lederuniform ist für ihn eine praktikable Ausgehkleidung. Ein Anker in der Fetisch-Szene, um optisch zu signalisieren ein Fetischist zu sein.

Ich bin ein Multifetischist!

Doch wie erkennt man einen Multifetischisten? Man redet am besten miteinander. Im Zeitalter von Online-Dating-Plattformen legen die meisten User ihr Fetischportfolio sehr offen dar. Und mit entsprechenden Bildern präsentiert man sein Hab und Gut. Aus dem Angeberspruch „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ wird dann im Bereich BDSM und Fetisch schnell „mein Playroom, meine Fetischkleidung, mein Spielzeug„.

Die Qual der Wahl kommt dann auf, wenn es darum geht sich zu präsentieren. Egal ob in der Öffentlichkeit oder ob man sich für ein gemeinsames Abenteuer mit einem Spielpartner vorbereitet, der erste Eindruck zählt! Wenn man in den eigenen vier Wänden ist, dann tut man sich beim Wechsel des Outfits natürlich leicht. Wenn man unterwegs ist, dann wird man selten verschiedene Kleidungsstücke zum Wechseln dabei haben. Wobei selten nicht nie heißt. Uns sind auch schon auf diversen Fetisch-Events Personen aufgefallen, die kurzzeitig von der Bildfläche verschwanden und dann frisch umgezogen wieder erscheinen und eben eine andere Seite von sich präsentieren.

Das Wettrüsten hat begonnen!

Bei manchen Multifetischisten ähnelt es einem Wettrüsten. Es muss immer mehr sein, immer das Teuerste und immer das Exklusivste. Ist weniger nicht manchmal mehr? Man muss für sich selbst entscheiden, ob man mit vielen Fetischklamotten auch wirklich glücklich ist. Denn unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man nur mit den Fetischklamotten glücklich wird, wenn man diese auch wirklich regelmäßig im Einsatz hat. Und andere Sachen, die man im Schrank hängen hat nur „weil man sie geil findet“ und dennoch nie trägt, verlieren an Bedeutung.

Der große Vorteil ist, dass niemand zum Ausleben seines Fetischs gezwungen wird. Gerade wenn eine Person mehrere Fetische hat, dann kann sich dieser Mensch auf die Fetische fokussieren, die er wirklich aktiv ausleben möchte. Das bedeutet nicht, dass die anderen Fetische nicht mehr vorhanden sind. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, einen Fetisch auszuleben, ohne dafür ein Arsenal an Fetischkleidung erwerben zu müssen.

Fetisch-Netzwerk

Im Laufe der Jahre (bzw. Jahrzehnte *hust*) haben wir im privaten Bereich ein gewisses Fetisch-Netzwerk aufgebaut. Freunde mit denen man den einen oder anderen Fetisch gemeinsam ausleben kann. Der eine mag Leder, der andere mag Gummi und wieder einer ist gern mit einer Hundemaske auf allen Vieren. Und man ergänzt sich. So kann ich bei einem Freund in einen Gummianzug schlüpfen und wenn dieser Freund bei mir ist, dann schlüpft er in eine Lederkombi. Die Fetische ergänzen sich, man lebt die Fetische gemeinsam aus und man profitiert davon, dass nicht jeder die gleichen Fetischklamotten zuhause hängen hat.

Vor geraumer Zeit hat mich ein Schutzanzugfreund besucht. Die Auswahl seiner Mitbringsel war sensationell. Der Plan war, dass sich jeder von uns einen Schutzanzug anzieht und wir dann einfach auf dem Sofa abhängen und den Abend genießen. Gesagt getan, doch es kam anders als von mir erwartet. Man muss dazu sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt in der Welt des Schutzanzugfetischs noch nicht lange aktiv war. Er bestand darauf, dass wir nicht seine Anzüge zum Einsatz bringen, sondern mit meinen vorhandenen Schutzanzügen agieren. Er begründete es wie folgt:

„Du hast einen Fetisch für Schutzanzüge und du hast bereits Schutzanzüge. Wenn ich dich jetzt in einem meiner Schutzanzüge steigen lasse, dann gefällt dir das vielleicht und der Wunsch danach einen solchen selbst zu erwerben wird steigen. Wenn du allerdings in einen deiner eigenen Schutzanzüge steigst und erlebst, was man damit machen kann, dann verknüpfst du diesen Anzug mit schönen Erinnerungen. Und diese Erinnerungen sind mehr wert als noch ein teuer Schutzanzug im Schrank.“

Er hatte Recht, denn seit diesem Abend haben die hiesigen Schutzanzüge eine höhere Bedeutung, die sie wohl ohne diese gemeinsame Erfahrung wahrscheinlich nicht haben würden. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich einen seiner Schutzanzüge in Zukunft nicht doch noch ausprobieren möchte.

Der Grundgedanke war mir aber sehr wichtig, denn so habe ich gelernt meine Spielsachen und Fetischklamotten zu teilen. Es war schön zu wissen, dass in einem meiner Schutzanzüge mein befreundeter Gast drin war. Es war keine Abwertung in Form von „meine Spielsachen kaufe ich nur für mich“, sondern es war eine Bereicherung, dass ich meine Spielsachen teilen konnte und wir so gemeinsam viel Spaß hatten.

Kurzum: Ich „brauche“ nicht alle Fetischklamotten. Es reicht manchmal auch aus, wenn man gewisse Dinge bei und mit Freunden erleben kann. Und das beschränkt sich auch nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf Spielsachen. Eine Zwangsjacke, ein Fesselsack, ein Reizstromgerät, Gasmasken, Schutzanzüge, Stiefel, und viele andere Dinge.

Es gibt Grenzen

Doch Vorsicht: Nicht jeder Spielpartner ist gewillt seine Sachen mit anderen zu teilen. Zudem ist gerade bei Fetischklamotten die Frage, ob man da überhaupt reinpasst. Der eine hat Schuhgröße 42, der andere 46. Mit der Kleidergröße verhält es sich ähnlich. Auch Masken können einer Herausforderung darstellen. Frauen haben in der Regel einen kleineren Kopf als Herren, unabhängig vom Dickkopf (*hust*). Der Austausch von Fetischkleidung ist meist bei gleichgeschlechtlichen Spielpartnern einfacher. Es gibt jedoch einiges an Fetischkleidung und Spielsachen, die als „Unisex“ anzusehen sind, wie z.B. ein Schutzanzug oder BDSM-Masken.

Manchmal ist es dann doch ratsam bei einem Date seine eigenen Sachen dabei zu haben. Und gerade ein Multifetischist muss sich dann im Vorfeld Gedanken machen, welchen Fetisch er oder sie präsentiert. Nehmt am besten das, was euch am meisten Spaß macht und orientiert euch am Geschmack eures Spielpartners oder Spielpartnerin. Wenn euer Gegenüber Gummi liebt, dann wäre es vielleicht Zeit mal wieder den eigenen Gummianzug aus dem Schrank zu holen. Wir wünschen euch viel Spaß!

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

2 Gedanken zu „Multifetischismus“

  1. Ich kenne das beschriebene nur zu gut. Es ist ab und zu schon wirklich schwer als Multifetischist (Worker, Camo, Latex, Bodypaint, Bondage). Auch ich kann mich oft nicht entscheiden. Vieles kann ich glücklicherweise recht problemlos im Alltag tragen, anderes ist eher für spezielle Momente. Und die Kombination mehrer Fetische ist nochmal so schön. Nutzlose Käufe gibt es auch bei mir, aber die sind glücklicherweise die Ausnahme.
    Und dann gibt es die Momente, wo es „klick“ macht und plötzlich ein neuer Fetisch da ist. Ein Freund meinte neulich, ich solle doch einmal seine Lederhose und sein Lederhemd ausprobieren, als wir einen Abend fort waren. Na ja, wenn es es unbedingt will, tue ich ihm den Gefallen… Fühlte sich das geil an! Und schon hängt eine Lederhose von Mr. B bei mir im Schrank, von der ich mir sicher bin, dass ich sie viel und gerne tragen werde. 🙂

    1. Fetische können sich entwickeln und manche können in der Zukunft auch wieder an Bedeutung verlieren. Die Hauptsache ist, dass man beim Ausleben des jeweiligen Fetischs seinen Spaß hat und glücklich ist.

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