Sehr schnell ist heute mit einem Smartphone ein Schnappschuss erstellt und mit anderen Personen geteilt. Dabei vergessen viele Personen, dass sie mit dieser scheinbaren Sorglosigkeit in Teufels Küche kommen könnten. Somit widmen wir heute einen Beitrag dem Thema „Film- und Fotografierverbot“ und hoffen euch damit etwas sensibilisieren zu können.
Sorglosigkeit
Wenn man heutzutage bei Freunden ist, dann kann es gut sein, dass man während eines solchen Treffens das Smartphone griffbereit hat. Es gibt einen leckeren Kuchen und schnell macht man ein Foto mit dem Smartphone. Dieses Foto noch schnell an ein paar (nicht anwesende) Freunde schicken, damit die vor Neid erblassen oder es gar in den Profilstatus von gängigen Smartphone-Messengern oder sozialer Netzwerke hochladen, damit man auch möglichst viele Personen damit erreicht. Aber habt ihr den Gastgeber und die anderen Anwesenden im Raum vor Erstellung des Bildes und zudem vor dem Versenden des Bildes um deren Einverständnis gefragt? Vermutlich nicht, denn es ist doch „nur ein Foto von einem Stück Kuchen„! Möglicherweise war es heute nur ein Foto eines Kuchens. Morgen ist es dann ein Foto mit bekannten Personen (Freunde oder Familie) und übermorgen ist es dann ein Foto mit wildfremden Personen, welche man überhaupt nicht kennt. Schritt für Schritt begibt man sich sorglos und aus Gewohnheit auf dünnes Eis.
Session-Bilder
Bei vielen BDSM-Sessions werden Bilder gemacht und ein Teil davon landet auch auf den sozialen Netzwerken oder in Profilen auf Datingplattformen. Man möchte ja schließlich auch zeigen, was man zu bieten hat und was einen persönlich erregt. Dieses Zurschaustellen kann unter anderem den Grund haben, dass man auf der Suche nach alternativen oder zusätzlichen Spielpartnern ist. Andere hingegen sind nicht auf der Suche, genießen es aber im Rampenlicht zu stehen. Die Beleuchtung in einer Gefängniszelle entspricht wohl nicht dem Rampenlicht, welches man sich erhofft. Leider könnte das Fotografieren während einer Session dazu führen, dass man danach gesiebte Luft zu atmen hat. Doch soweit möchten wir es bei euch nicht kommen lassen, auch wenn sich so mancher devoter Spielpartner einen Fetisch-Gefängnis-Aufenthalt möglicherweise wünscht.
Strafgesetzbuch
Wenn wir uns den § 201a (STGB) anschauen, dann lautet dieser so wörtlich „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“. Absatz 1 des Paragrafen möchten wir euch hiermit auszugsweise zeigen:
„Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
- von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
- eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
- […]
- […]
- eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 bis 3 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und in den Fällen der Nummern 1 und 2 dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.“
Privatsphäre
Unabhängig von der Gesetzeskeule sollte man sich selbst hinterfragen. Wann macht man Bilder von anderen und wann wird man selbst von anderen abgelichtet? Zudem sollte man sich fragen, ob die Möglichkeit besteht, dass die Bilder an eine dritte Person möglicherweise weitergegeben werden. Wenn diese Gefahr besteht, dann sollte man die Bilder gar nicht erst erstellen. In einigen Fetischlocations gibt es aus gutem Grund ein Fotografierverbot. Die Privatsphäre von jedem einzelnen Gast soll eben respektiert werden. Warum sollte man damit in den eigenen vier Wänden aufhören, wenn man Gäste für ein fesselndes Abenteuer hat.
Auch wir haben schon bei einer Session Bilder (ungefragt) gemacht diese dann im Nachgang zur Session gemeinsam mit unserem Spielpartner gesichtet. Bei einigen Bildern kam der Wunsch, dass man die Bilder löscht. Aber im Normalfall waren unsere Gäste begeistert und wollten die Abzüge auch selbst haben. Was sie dann damit machen, das obliegt einzig der Entscheidung der Person auf dem jeweiligen Foto. Es bildet sich die Ausnahme, dass unsere Spielpartner erst nach der Session darüber informiert werden, dass Bilder gemacht wurden. Im Normalfall wird dies immer vor Beginn der Session besprochen.
Selbstschutz
Zu eurem eigenen Interesse solltet ihr vor Beginn einer Session das Thema Fotos ansprechen. Es ist auch überhaupt nicht verwerflich vor einer Session darum zu bitten, dass keinerlei Bild- und Tonaufnahmen gemacht werden. Alternativ könnt ihr auch euren Spielpartner aktiv danach fragen, ob er oder sie Fotos haben möchte von der gemeinsamen Session. In manchen Fällen kann es sogar passieren, dass auch bewusst die vor Ort befindlichen Smartphones heruntergefahren werden. Ich lasse mein Smartphone meistens an, damit man auch im Notfall den Notruf alarmieren kann. Alternativ wird ein Festnetztelefon bereitgelegt und das Smartphone ausgeschalten. Auch hier gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Eure Meinung
Wie steht ihr zu Fotos und Videos bei gemeinsamen BDSM-Sessions? Macht ihr hier gern Fotos und teilt diese auch mit Freunden oder gar Außenstehenden (zum Beispiel über soziale Netzwerke)? Und habt ihr euren Spielpartner vor Erstellung der Bilder auch um dessen Einverständnis gefragt. Schreibt uns gern eure Meinung zu diesem Thema, wir freuen uns auf eure Zusendungen. Bitte passt aufeinander auf und respektiert immer die Privatsphäre von euren Mitmenschen!

Hi Dennis. Heute ist das ein Thema. Vor sehr vielen Jahren gab es noch Fotoapparate mit Film und man musste die Bilder entwickeln lassen und dann mit der Post verschicken. Lange ist Das her. Wir machen bei unseren Sessions auch Fotos, die aber auf keinen Fall weiter gegeben werden. Auf meinem Romeo-Profil habe ich Bilder die aussagekräftig sind. Die Personen darauf sind verpixelt. Im Moment wären Sie einverstanden wenn sie erkennbar wären aber was wäre wenn man sich aus irgend einem Grund zerstreiten würde und nicht mehr an die Bilder denkt? Könnte eventuell Probleme geben. Was das Netz einmal hat, hat Es! Annähernd unmöglich Bilder vollständig zu löschen wenn sie einmal veröffentlicht wurden! Besser man lässt Es und geht auf Nummer sicher. Alles Gute.
Es ist interessant, was man überall im Internet findet. Und selbst wenn es von einer Plattform gelöscht wurde, heißt es noch nicht, dass sich irgendjemand davon nicht doch eine lokale Sicherung davon gemacht hat. Und was hindert diese dritte Person daran, die Daten in der Zukunft nicht selbst irgendwo zu veröffentlichen? So kommen Bilder plötzlich neu in den Umlauf, die man schon lange zuvor nicht nur von einer Plattform, sondern auch aus dem Gedächtnis gelöscht hat.
Was Privat geschieht sollte Privat bleiben!
Leider gibt es viele, die mehr auf Quantität statt Qualität stehen, für die sind Foto und Videoaufnahmen Bettkerbenersatz und zur Selbstbestätigung lassen sich diese viel besser ins www Posten als Bettkerben…
Wenn ALLE Beteiligten dafür sind, dann ja, aber einmal im www, immer im www!
Das stimmt, das Internet vergisst nichts.
Ach ja, das Thema Fotos…
Im Rahmen einer privaten Session im eigenem Playroom ist die Sache eigentlich ganz einfach, wenn wir uns bewusst machen, dass Fotos genau so zur Absprache einer Session gehören, wie alle anderen Kinks und Limits. Wir sprechen vorher ab, was geht und was ein Tabu ist. Warum sollten wir Fotos anders behandeln als Spanking, Bondage, Pisse, Fisten… You get the picture.
Kniffeliger wird es im (halb-)öffentlichen Bereich. Auf Darklands z.B. besteht ein explizites Fotoverbot nur in den Playbereichen. Jeder Teilnehmer muss also damit rechnen, dass ein Bild möglicherweise in Full-Fetisch-Gear in den sozialen Netzwerken auftaucht.
In Clubs- und Vereinen wird das Thema meiner Erfahrung nach wesentlich umsichtiger gehandhabt. Ich kann direkt nur für den Quälgeist Berlin e.V. sprechen. Bei uns herrscht ein generelles Fotoverbot. Wir wollen ein Safe-Space sein. Niemand soll Angst haben, dass Bilder in den sozialen Netzwerken auftauchen. Allerdings besteht bei vielen auch der Wunsch, Fotos in Gear anzufertigen. Wir haben deswegen unsere Regeln um eine sogenannte Fotobox erweitert, die die Orga-Teams von Veranstaltungen beantragen können. In eine extra abgetrenten Bereich, lassen sich dann Fotos anfertigen.
Aufnahmen stehen definitiv in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch, sich öffentlichen zeigen zu können, aber auch umgehrt diejenigen zu schützen, die das nicht möchten.