Wer wäre nicht gern wie „Batman“? Jeder kennt ihn und nur wenige wissen, wer hinter der Maske steckt. Er scheint wohlhabend zu sein, wenn man seine Ausrüstung und Spielsachen betrachtet. Auch im Fetischbereich scheint es immer mehr Personen zu geben, die mit ihrer Fetisch-Identität im Rampenlicht stehen und der Mensch dahinter doch ein Mysterium bleibt. Wir stellen euch den „Batman“-Effekt vor.
Der Superheld
Wenn man sich die Comic-Figur Batman anschaut, dann ist er einer der wenigen Superhelden, der keine Superkraft hat. Er wurde nicht vom Blitz getroffen, kommt nicht von einem anderen Planeten und wurde auch nicht von irgendeinem genmanipuliertem Tier gebissen. Er ist nur ein Mensch, mit sehr viel Geld auf dem Sparbuch. So erfreut sich die Figur von Batman bei Fans sehr großer Beliebtheit. Wer wünscht sich denn nicht reich zu sein? Doch auch nach einem Lottogewinn wird man selbst immer noch nicht zum Superhelden. Die Illusion bleibt aber erhalten und mit der passenden Ausrüstung könnte man rein theoretisch zu diesem Symbol für Recht und Ordnung werden.
Erotik in Comics
Auch wenn Comiczeichner oft ihre Werke kindgerecht gestalten, so enthalten einige Comics neben sehr körperbetonten Outfits auch intensive zwischenmenschliche Beziehungen. Spätestens seit dem Jahre 1989 weiß das Kinopublikum, wie geil ein Mann in Gummi aussehen kann, der gegen Bösewichte kämpft, denn da kam „BATMAN“ ins Kino, gespielt von Michael Keaton. Nicht ohne Grund haben wir Batman dann bei unserem ersten Teil von „Fetisch und BDSM in Spielfilmen“ mit aufgeführt, denn der Film prägte mich persönlich stark.

Im Jahre 1992 folge dann die direkte Fortsetzung „BATMANS RÜCKKEHR“ ins Kino und hier wurde auch in puncto Erotik mit der Einführung von „Catwoman“ nochmal eine Scheibe draufgelegt. Wer erinnert sich nicht an den „Kuss“ (siehe Foto), als Catwoman hier wortwörtlich Batman über den Mund schleckt? Das Zielpublikum waren hier definitiv keine Kinder mehr, sondern Erwachsene. Der Grundton war deutlich düsterer und ein dritter Teil unter Regie von Tim Burton wurde kurzerhand gestrichen, weil man das Franchise wieder kindgerechter gestalten wollte.
Nippel und Homoerotik

Was wäre Batman ohne Robin? Und den sollten wir 1995 mit „BATMAN FOREVER“ auch bekommen.
Funfact: „Batman Forever“ war der erste Batman-Film, den ich damals im Alter von zehn Jahren im Kino anschauen durfte.
Nicht nur junge Frauen haben sich in den damals 25 Jahre alten Schauspieler verliebt, sondern auch Männer (und ein kleiner 10-jähriger Junge). Im Internet gibt es zahlreiche Memes, die scherzhaft andeuten, der Film (bzw. die Darstellung von Robin) hätte sie „schwul gemacht“. Im selben Atemzug werden oft auch die Nippel erwähnt, welche den Heldenkostümen spendiert wurden und die Tatsache, dass der Regisseur Joel Schumacher (*1939 – †2020) offen zu seiner eigenen Homosexualität stand. Heutzutage sind wir eines Besseren belehrt und wissen, dass das Konsumieren solcher Medien keine Auswirkungen auf die eigene Sexualität hat. Obwohl die Filme schon über 30 Jahre auf dem Buckel haben, sind sie nach wie vor unter Fetischfreunden beliebt.
Fetisch-Identität
Viele Fetischisten bauen sich im Laufe der Jahre eine eigene Fetisch-Identität auf. Das beginnt mit einem Pseudonym, unter welchem man in den Dating-Plattformen oder den sozialen Netzwerken unterwegs ist. Es ist ein schleichender Prozess, da man auch seine eigene Identität schützt und dennoch in der Fetischwelt präsent sein möchte. So gibt es bei Fetischisten, die in der Öffentlichkeit stehen, oft eindeutige Identifikationsmerkmale. Das können ein markantes Fetischoutfit oder eine Fetischmaske oder auch eine bestimmte Location im Hintergrund sein. Manchmal ist es auch eine Kombination aus mehreren Merkmalen. Wenn man diesen Fetischidolen folgt, dann hat man im Laufe der Jahre das Gefühl, man würde die Person persönlich kennen. Ein ähnliches Phänomen gibt es mit anderen Personen des öffentlichen Lebens wie Schauspieler oder Politiker.
Das Alter Ego
Interessanterweise kann sich eine Fetisch-Identität sich charakterlich stark von der Person in zivil unterscheiden. Oft gehen die Personen, sobald sie in ihre „öffentliche Rolle“ schlüpfen anders bzw. offener mit Dingen um. Batman kämpft öffentlich gegen Schurken, das würde Bruce Wayne möglicherweise nicht tun. Ein Fetischist lässt bei einer Session die Sau raus und in zivil ist er vielleicht eher introvertiert und schüchtern. Nicht selten wird hier das Schlagwort Schizophrenie in den Kontext gebracht, wobei wir uns davon distanzieren möchten. Jeder von uns hat mehrere Seiten und nicht jeder unserer Mitmenschen kennt davon die anderen Seiten. Das beginnt schon in der Berufswelt. Viele Menschen präsentieren sich im privaten Umfeld anders, als bei ihrem Arbeitgeber. Der Mensch ist immer der gleiche und dennoch verhält er sich in den jeweiligen Welten in einer angepassten Form. In der privaten Welt meist etwas freizügiger, wobei das nicht unmittelbar auch entblößt heißen muss. Ähnlich verhält es sich dann in der Fetischwelt.
Was würde Batman tun?
Tatsächlich ist das eine berechtige Frage. Der „Batman-Effekt“ ist ein psychologisches Phänomen, welches schon seit vielen Jahren beobachtet, aber nie wirklich erforscht wird. Wenn man vor einer schier unlösbaren Aufgabe steht und sich dann fragt, was würde Batman jetzt tun, so betrachtet man die Aufgabe und sich selbst, der vor dieser steht, von einer Außenperspektive. Betroffene Personen konnten damit ihre Selbstkontrolle, Geduld und Ausdauer bei schwierigen oder langweiligen Aufgaben steigern. Das ist nicht ungewöhnlich, denn man fokussiert sich auf eine bestimmte Aufgabe und blendet die Außenwelt für einen Moment aus. Ein Fetischist, der in seine Fetischkleidung schlüpft, blendet die Außenwelt ebenfalls aus und fokussiert sich auf die für ihn in diesem Moment wesentlichen Dinge: die Freude am Fetisch!
Wissenschaftliche Studie
2017 gab es in den USA eine wissenschaftliche Studie zum „Batman“-Effekt (Quelle: Oxford Academic). Hier wurden zwei Gruppen von Kindern vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Eine Gruppe durften sich als Superhelden verkleiden. Die Studie ergab, dass die Gruppe mit Kindern in Superheldenkostümen deutlich länger durchgehalten haben und sich besser für die Aufgabe motivieren konnten. Dieses psychologische Distanzieren („Was würde Batman tun?“) lässt sich auch auf Erwachsene ableiten. Also wenn ihr mal vor einer schier unlösbaren Aufgabe steht, versucht es doch einfach mal. Was würden eure Eltern machen oder was würde der Chef in der Arbeit machen? Manche Superhelden sind uns näher, als man denkt.
Wenn euer Kind also irgendwann mal keine Lust hat, sein Zimmer aufzuräumen, dann wäre es vielleicht eine gute Idee, das Kostüm des Superhelden bereitzulegen und das Kind zu fragen, was denn dieser Superheld in dieser Situation nun tun würde. Das funktioniert übrigens bei uns Erwachsenen genauso, was wir in dem Beitrag über „Das bisschen Haushalt – BDSM-Edition“ schon gezeigt haben.
Fazit
Superhelden können für uns eine Vorbildfunktion haben. Comics und deren Verfilmungen können erotische Inhalte haben. Öffentlich agierende Fetischisten ähneln in einigen Charakterzügen bekannten Superhelden. Schwierige Aufgaben lassen sich besser bewerten, wenn man sie von Außen betrachtet. Um sich auf bestimmte Dinge fokussieren zu können, kann es von Vorteil sein, die Rolle zu wechseln. Und manchmal kann es einfach Spaß machen, die Identität eines anderen oder eine Fetisch-Identität anzunehmen. Probiert es gern mal aus.
