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Post Event Blues – Stimmungstief nach Veranstaltungen und Sessions

Eine Fetischveranstaltung kann ein sehr befreiendes Erlebnis sein. Man kann seine Vorlieben zum Teil offen ausleben, trifft Freunde und hat vielleicht auch spannende Erlebnisse. Doch nach einer solchen Veranstaltung fallen manche Teilnehmer in ein großes Stimmungstief, dem sogenannten „Post Event Blues“. Wie gelingt einem sanft der Wiedereintritt in den Alltag?

Wenn man an Blues denkt, dann verbindet man damit Musik, Rhythmus und vielleicht auch ein Spielfilm mit John Belushi und Dan Aykroyd („The Blues Brothers“ aus dem Jahr 1980). Der Blues steckt einem im Blut und manchen sogar in den Knochen. Doch es gibt auch eine andere Bedeutung, welche eine eher traurige und nachdenklich stimmende Bedeutung hat.

Begriffserklärung

Als „Post Event Blues“ bzw. „Post Adrenalin Blues“ bezeichnet man ein seelisches Stimmungstief, welches nach einem intensiven Ereignis auftreten kann. Ursachen können sehr unterschiedlich sein. So wurde im vergangenen Jahr (2024) häufiger davon berichtet, dass einige Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Frankreich nach dieser Großveranstaltung am „Post Olympia Blues“ leiden. Teils war auch von einer „Post Olympia Depression“ die Rede (Quelle: ZDF). Doch dieses Phänomen tritt nicht nur bei Spitzensportlern auf, sondern auch bei Privatpersonen. Viele Jahre hat man es ausgeschwiegen, doch jetzt hat man diesem Stimmungstief einen Namen gegeben.

Allgemeine Gründe

Wenn man im „Stress“ ist, dann schüttet der Körper viele Hormone aus. Der abrupte Entzug dieser Stresshormone ist die häufigste Ursache für das Stimmungstief. Laut einigen Suchtforschern kommt es Entzugserscheinungen sehr nahe. Doch wo tritt dies nun auf und wie kann man sich davor schützen?

Häufige Beispiele

  • Urlaubsbeginn nach einer stressigen Arbeitszeit.
  • Eintritt in die Rente, raus aus dem Arbeitsalltag.
  • Alltag nach längerem Urlaub.
  • Alltag nach den Weihnachtsfeiertagen.
  • Alltag nach einem (ggf. mehrtätigen) Fetisch-Event.
  • Ruhephase nach dem sexuellen Höhepunkt.
  • etc.

Das Internet ist voll mit Beispielen dieser Art. Man nehme einen Begriff und stecke ihn zwischen die Worte „Post“ und „Blues“ bzw. „Depression„. Nehmen wir als Beispiel den Begriff Sex, dann wird daraus „Post Sex Blues“ bzw. „Post Sex Depression„. Den Begriff „Sex“ haben wir jetzt nicht willkürlich gewählt, denn „Postkoitale Dysphorie„, also das Stimmungstief nach dem Orgasmus, gibt es wirklich (Quelle: Wikipedia).

Fetisch-Events und Sessions

Wenn ihr schon einmal eine BDSM-Session hattet, dann kam euch mit Sicherheit schon ein Gedanke: Wie schön wäre es, wenn diese Session niemals enden würde? Auch wir hatten während diverser Sessions (sowohl auf der aktiven/dominanten als auch der passiven/devoten Seite) schon einmal diesen Gedanken und nach einer spannenden Session kann man schon schwermütig werden. Schade, dass die Session vorbei ist und man sich wieder dem Alltag und der Arbeit widmen muss. Diese Melancholie kann bei manchen Personen schon der Grundstein für eine Depression sein.

Sanfter Einstieg und Ausklang

Ein Leser hat uns berichtet, dass er mit einer erfahrenen dominanten Partnerin schon mehrfach mehrtätige Sessions hatte. Diese hatten sowohl einen sanften Einstieg, als auch einen sanften Ausklang, was den Wechsel in den Alltag stark vereinfacht hat. Er beschrieb es uns wie folgt:

Holger (34) aus Hamburg: „Seit einiger Zeit planen eine gut befreundete Domina und ich mindestens zweimal jährlich eine mehrtägige Session. Wir haben beide festgestellt, dass wir uns in unseren Rollen besser fallen lassen können, wenn wir in diesen über einen längeren Zeitraum verweilen können. Meist nutzen wir dazu verlängerte Wochenenden. Das Treffen beginnt vornehmlich an einem Donnerstag am Nachmittag und endet Sonntag am Vormittag.

Der Ablauf sieht wie folgt aus, dass wir am Donnerstag viel reden, uns den Alltagsfrust von der Seele reden und dann gegen Abend werde ich gefesselt. Ich verbringe auch die erste Nacht im gefesselten Zustand und Freitag und Samstag bilden somit die Hauptspieltage. An diesen beiden Tagen sind wir fest in unseren Rollen und es sind teils intensive Erfahrungen für uns beide, auf die ich jetzt an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte. Samstag am Abend beginnt der Ausklang und ich werde hier nicht für die Nacht fixiert. Zwar trage ich oft noch ein Halsband (und ggf. einen Keuschheitsgürtel), aber es verwandelt sich dann eher in Kuschelbondage.

Sonntag zum Frühstück werden alle Restriktionen aufgehoben (also auch das Halsband abgelegt) und wir essen gemeinsam. Das Frühstück nutzen wir, um die Geschehnisse der vergangenen Tage aufzuarbeiten und uns auch gegenseitig Feedback zu geben. Was war besonders schön oder in welchen Situationen ist man an seine (physischen und/oder) psychischen Grenzen gestoßen. Wir reden auch offen darüber, was bei uns in den darauffolgenden Tagen beruflich und privat ansteht, wobei es hier stark vereinfacht wird, da wir auch gut befreundet sind und uns einander auch privat kennen. Eine Session mit ‚hartem Cut‘ wäre für mich ein emotionaler Super-GAU. So wie wir das seit Jahren betreiben ist es für mich deutlich angenehmer.“

„Post Folsom Blues“

Die „Folsom Street Fair“ in San Francisco ist seit Jahren ein wichtiges internationales Ereignis in der Fetischszene. Auch die Ableger „Folsom Down Under“ und „Folsom Europe“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Nach diesen Veranstaltungen sprechen einige Besucher immer häufiger über ihren „Post Folsom Blues„, wobei umgangssprachlich häufig nur vom „Folsom Blues“ gesprochen wird.

In manchen Fällen wird beim „Folsom Blues“ auch Bezug auf das Lied „Folsom Prison Blues“ von Johnny Cash aus dem Jahre 1955 genommen. In diesem Lied geht es darum, dass ein Mann lebenslang im Gefängnis sitzt und er aus der Ferne einen Zug hört. Er stellt sich vor, wie es ist, mit diesem Zug in die Freiheit zu fahren.

Besucher der Fetischveranstaltung Folsom fühlen sich bei ihrer Rückreise wie auf dem Weg ins Gefängnis. Also ist es in diesem Fall nicht der Zug in die Freiheit, sondern der Reise in den tristen Alltag und die „Gefangenschaft“ im Haushalt und Beruf.

Exkurs:
Cash schrieb den Song während seiner Zeit bei der US Air Force in Landsberg am Lech, nachdem er am 13. Oktober 1951 im „Amerikino“ in der Kaserne den Film Inside the Walls of Folsom Prison (deutscher Filmtitel: Meuterei im Morgengrauen) gesehen hatte.
Quelle: Wikipedia

Eure Erfahrungen

Habt ihr auch schon mal nach einer Fetischveranstaltung oder einem anderen intensiven Erlebnis (z.B. eine BDSM-Session) ein Stimmungstief gehabt? Wie habt ihr dieses überwunden oder wie schafft ihr ist, euch diesem Tief vielleicht ganz zu entziehen? Schreibt uns gern eure Erfahrungen. Wir freuen uns auf eure Zusendungen.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

2 Kommentare zu „Post Event Blues – Stimmungstief nach Veranstaltungen und Sessions“

  1. Ich kenne dieses Phänomen nur zu gut aus eigener Erfahrung. Ich falle häufig nach schönen Ereignissen und Erlebnissen in ein „emotionales Loch“. Der Hauptgrund bei mir ist wahrscheinlich die Tatsache, dass ich alleinstehend bin. Es wartet niemand, wenn ich nach Hause komme. Das trübt die schönen Erinnerungen teilweise schon, bevor ich wieder den Fuss in die heimischen vier Wände gesetzt habe.
    Auch zum Beispiel ein Fetischevent mit dem Partner erleben ist sicher ganz anders, als allein. Man erzählt zwar danach Freunden davon, aber die Erlebnisse können mit niemandem wirklich „geteilt“ werden. Und Partybekanntschaften sind eben meist genau nur das.
    Meist suche ich mir (gerade nach größeren/längeren Ereignissen) eine Ablenkung, um aus dem Gedankenkarussell heraus zu kommen.

  2. Hi Dennis.
    Wir hatten Es ja schon via Mail angesprochen. T., H. , ein weitere guter Freund S. und ich mieten uns einmal im Jahr in BDSM Wohnungen ein und haben dort interessante Sessions mit den dort zur Verfügung stehenden Spielgeräten. Es ist natürlich jedes Mal schade, wenn die Tage zu Ende gehen und man dann wieder in den Alltag muss. T. und Ich leben ja zusammen in Ehe, S. hat ebenfalls einen Ehepartner der jedoch nicht mit BDSM praktiziert. H. lebt alleine und leidet dann mehr daran und sucht sich Beschäftigung in Form von Wanderungen und Reisen, er ist bereits im Ruhestand.
    Der von mir angesprochene Mini-Jetlag nach der Urlaubszeit ergibt sich daraus, das wir im Urlaub dann doch schon etwas später schlafen gehen und auch etwas später aufstehen. Der Körper und der Geist brauchen dann ein paar Tage um wieder in den Alltags-Rhytmus zu kommen. Das habe ich aber auch nach der Zeitumstellung im Frühjahr (eine Stunde vor)., wenn Diese in eine normale Arbeitswoche fällt. Als einen Blues möchte ich Es jetzt jedoch nicht bezeichnen. Wie Andre vor mir ansprach wird das alleine Leben hier eher für dieses, ich nenne es mal Gefühl, sorgen. H. und wir beiden sind ja täglich in Kontakt über Threema, Kamara oder Telefon. Kritisch wird Es bei Personen, die wirklich in Depressionen fallen und es dann hoffentlich erkennen, wenn sie professionelle Hilfe brauchen.

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