Beim ersten gemeinsamen Essen stellt man sich oft die Frage: Wer übernimmt die Rechnung? Sollte man sich den Betrag teilen oder sollte man ein Kavalier der alten Schule sein und sein Objekt der Begierde einladen? Und wie ist es bei einem hierarchischen ersten Date? Zahlt der Dom oder hat der Sub zu zahlen?
Gleichberechtigung
Im Zuge der Gleichberechtigung wird oft auch der Begriff Emanzipation verwendet. Auch wenn heutzutage Emanzipation meist mit der Gleichstellung von Frauen mit Männern gemeint ist, bedeutet es ursprünglich und recht allgemein „die Befreiung von Menschen aus einem Zustand der Abhängigkeit“ (Quelle: Wikipedia). Wenn sich heute eine Frau für Frauenrechte einsetzt, wird sie oft als „Emanze“ bezeichnet, was begrifflich von Emanzipation ableitet. Früher hätte man eine solche Frau als „Suffragette“ bezeichnet, doch dieser Begriff ist heute größtenteils in Vergessenheit geraten, außer man schaut sich Filmklassiker wie Mary Poppins (© 1964, „Mary Poppins„) an.
Wandel der Zeit
„Früher“ gab es eine klare Geschlechterverteilung. Der Mann ging in die Arbeit und brachte das Familiengeld ein und die Frau sorgte sich um Haushalt und Familie. Somit verfügte eine Frau von damals selten über ein eigenes Einkommen bzw. Vermögen. Aus dieser Zeit kommt der Brauch, dass bei einer Verabredung der Mann die Rechnung übernimmt und die Frau eingeladen wird. Doch die Zeiten haben sich geändert. Frauen sind gleichberechtigt und gehen selbst in die Arbeit. Wenn man sich auf Augenhöhe befindet (rechtlich, sozial und finanziell), dann fragt man sich, wer die Zeche nun übernehmen sollte? Würde sich eine „Emanze“ von einem Herren einladen lassen? Und wie sieht es bei gleichgeschlechtlichen Dates aus?
Unabhängigkeit
Wir möchten das Thema in einen anderen Blickwinkel lenken. So gehen wir weg von der Betrachtung der Geschlechter und übertragen die Rollenverteilung (geschlechtsunabhängig) in die BDSM-Welt. Viele Dates beginnen mit einem Dialog über das Internet. Dating-Plattformen, soziale Netzwerke und Messenger sind häufige Kommunikationswege für einen ersten (virtuellen) Kontakt. Viele Personen verabreden sich über das Internet für ein Schäferstündchen oder gar eine BDSM-Session. Immer mehr BDSM-Liebhaber möchten aber vor einer intimen Stunde ihren Datingpartner erst einmal auf „neutralem Boden“ kennenlernen und sehen, ob die Chemie passt. Warum also nicht mit seinem potenziellen neuen Sklaven oder Meister erst einmal gemeinsam zum Essen in ein Restaurant gehen? Befindet sich man bei so einem Essen bereits in einer gewissen Hierarchie?
Abhängigkeit
In einer hierarchischen Beziehung ist der „Zustand der Abhängigkeit“ oft bewusst gewählt und auch gewünscht. So kann es bei einer hierarchischen Beziehung sein, dass es unabhängig der sexuellen Neigung auch eine finanzielle Abhängigkeit gibt. Der Sub gibt dabei sein Vermögen in die Obhut des Doms. Wir waren hier im Dialog mit einer strengen Herrin, die ihren Sub finanziell an der kurzen Leine hält.
Herrin Viktoria: „Mein Mann ist auch mein Sub. Wir leben seit 11 Jahren in einer SM-Beziehung. Seit 5 Jahren hat er keine eigenen Konten mehr. Es gibt Gemeinschaftskonten auf der Bank, auf welche er Zugriff hat, allerdings halte ich seine Bankkarte unter Verschluss. Wenn ich ihn zum Einkaufen schicke, dann bekommt er entweder Bargeld oder seine Bankkarte mit. Wechselgeld bzw. Bankkarte müssen nach dem Einkaufen wieder abgegeben werden. Zudem muss er alle Kaufbelege vorlegen, damit die Ausgaben verifiziert werden können. Sein Gehalt wird auf das Gemeinschaftskonto überwiesen. Wenn wir zusammen unterwegs sind, egal ob Einkaufen oder Abendessen, dann bezahle immer ich. Mein Sub hat kein Geld. Wobei es eine Ausnahme gibt. Er hat ein Sparschwein mit etwas Taschengeld. Dies steht ihm frei zur Verfügung, auch ohne Kaufbelege. Das reicht für die Brotzeit in der Arbeit. Da er einen Firmenwagen hat, bezahlt die Tankrechnung der Arbeitgeber. Seit ich die Finanzen in unserer Beziehung führe, haben wir deutlich mehr Geld zur Verfügung. Mein Sub war früher mit seinem Vermögen eher etwas verschwenderisch. Von daher ist es ein Mehrwert für uns beide.“
Erstes Date unter „Normalos“
Was für eine feste Beziehung gilt, muss nicht zwangsläufig auch für das erste Date gelten. Nach Rücksprache mit mehreren Lesern waren die Antworten unterschiedlich. Die einen laden ihren Datingpartner bzw. Datingpartnerin ein, die anderen lassen sich einladen und wieder andere gaben an, dass die Rechnung einfach zweigeteilt wird, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wer was hatte. Dabei ist zu betonen, dass die Partner sich auf Augenhöhe begegnen. Sobald es sich um ein Date mit Machtgefälle handelt, sieht das Thema anders aus.
Erstes Date im Bereich BDSM
Mehrere Doms gaben an, dass bei einem ersten Date prinzipiell der Sub die Essensrechnung im Restaurant zu bezahlt hat. Erst wenn es sich um eine feste Beziehung handelt, bezahlt meist der Dom. Zu betonen ist, dass die meisten Doms zudem angaben, dass die finanziellen Verhältnisse vor dem gemeinsamen Essen geklärt wurden. Somit wurden die Subs hier nicht mit der zu übernehmenden Rechnung überrascht, sondern sie waren im Vorfeld informiert und die Übernahme der Kosten durch den Sub war einvernehmlich. Ein Sub erzählte uns, dass es ihm wichtig ist, seinen dominanten Spielpartner beim Essen einzuladen, da er ja in gewisser Weise in der Session im weitesten Sinne auch eine Art Dienstleistung erhält. So gibt er für den „Aufwand“ der Session einen Teil zurück.
Eure Meinung
Jetzt würde uns natürlich interessieren, wer bei euch die Rechnung im Restaurant übernimmt. Wie sieht es bei einem Date aus oder gar bei einem hierarchischen Date? Und wie verhält es sich bei einer festen Beziehung (oder gar Ehe) auf Augenhöhe oder eben auch mit einem Machtgefälle? Schreibt uns gern einen Kommentar oder Nachricht.

Bei uns ist es etwa so wie von Herrin Viktoria beschrieben.
Meine Eheherrin (FLR, BDSM und TPE) hat mir nach unserer Hochzeit das Geld, die CC’s weggenommen und das Handy mit einer Ortungsapp versehen. Nach meiner Pensionierung sind wir aufs Land umgezogen und somit hat sie alle meine Kontakte beendet. Sie erledigt alles Finanzielle.
Die Altersrente und die Beiträge der Pensionskasse werden allerdings auf mein Konto überwiesen, die akzeptieren nur den „Rentenbezüger“. Auf dieses Konto hat aber nur meine Eheherrin zugriff durch die Kontokarte. Den Code hat sie geändert, den weiss ich nicht. Wenn sie mich zum Einkaufen schickt, bezahle ich mit ihrer Bankkarte. Den Pin-Code kenne ich nicht. Bis jetzt wurde die Karte immer akzeptiert nur mit dem „Einleser“. Blamabel für mich wäre es, wenn dies nicht funktionieren und der PIN-Code verlangt würde.
Im Restaurant übernimmt sie immer die Bezahlung der Rechnung.
Einmal als wir in einem Restaurant zum Essen waren, brachte der Kellner die Rechnung zu mir an den Tisch, darauf meine Eheherrin zum Kellner: „Sie können die Rechnung mir geben, mein Ehesklave hat kein eigenes Geld mehr!“
Steuerklärungen und grosse „Bankbezüge“ muss ich aber mitunterzeichnen. Bedingungen vom Steueramt und der Bank.
Anfügen möchte ich noch, dass bei unseren ersten Dates ich jeweils die Rechnung übernommen habe. Ich finde, das gehört sich so, dass der „Mann“ die Dame einlädt. OK, war vor über einem Jahrzehnt, die Zeiten ändern sich.
Wieder ein spannender Kommentar, der sich mit den Erfahrungen anderer deckt. Oft haben wir eine Blockade im Kopf und man denkt sich „das geht doch nicht“.
Wenn man es aber möchte, dann geht es. Finanzielle Abhängigkeit ist eine konsequente Fortführung einer hierarchischen Beziehung oder in eurem Fall sogar Ehe.
Vielen Dank, dass du eure Erfahrungen mit uns teilst.