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Tribut – Geschenke erhalten die „Freundschaft“

Man sagt, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten. Doch was ist, wenn man diese Geschenke auf eine gewisse Art sogar einfordert? Jemanden zu beschenken kann ähnliche Glücksgefühle hervorrufen, wie selbst beschenkt zu werden. Doch was ist, wenn die Geschenke Zeichen der Unterwerfung sind? Wir wollen euch erklären, was es mit Tributen auf sich hat.

Begriffserklärung

Das Wort Tribut leitet sich aus dem Lateinischen „tributum“ ab und bedeutet so viel wie Abgabe oder Steuer. Meist verbindet man damit eine Zwangsabgabe in Form von Geld oder Sachgeschenken, um eine gewisse Hierarchie noch deutlicher darzustellen. So leisten Unterworfene ihren Meistern einen Tribut.

Anders verhält es sich im Sprachgebrauch, wenn man davon spricht, jemanden „Tribut zu zollen“. Dies bedeutet jemandem Anerkennung, Respekt oder Ehrerbietung zu erweisen. „Tribut zollen“ ist an der Stelle weniger monetär oder materiell wie die Zwangsabgabe (Tribut) im ursprünglichen Sinne.

Freiwillige Geschenke

Die meisten Menschen lassen sich gern beschenken. Es gibt aber auch Ausnahmen, die es überhaupt nicht mögen, beschenkt zu werden. In der Regel werden Geschenke freiwillig verschenkt. Doch die meisten Personen brauchen dafür einen Anlass, wie Geburtstag, Weihnachten oder ein besonderes Jubiläum. Selten erhält man ein Geschenk ohne einen besonderen Anlass oder Grund. Einfach tut man sich dabei, wenn sich der Beschenkte vorher etwas wünscht. Manche Personen haben viele Wünsche. Nicht alle davon kann und sollte man erfüllen.

Wünsche

Seit geraumer Zeit beobachten wir in den sozialen Medien, dass immer mehr Personen ihre Wünsche sehr offen kommunizieren. Oft erhält man bei der Betrachtung der jeweiligen Profile gleich einen Link zu einer Wunschliste, zum Beispiel auf Webseiten wie Amazon. So kann man auf Knopfdruck die Wünsche erfüllen und muss sich keine Gedanken mehr machen, wie man sich bei einer bestimmten Person erkenntlich zeigen kann. Doch ein Geschenk kann auch eine Einstiegshürde sein.

Erzwungene Geschenke

Immer mehr Personen auf sozialen Netzwerken oder Datingplattformen, welche eine Online-Wunschliste posten, haben eine besondere Erwartungshaltung. Will man mit ihnen schreiben, sprechen oder sie gar persönlich treffen, dann wird hier ein entsprechender Tribut eingefordert. Wer diesen Tribut nicht erbringt, der wird ignoriert. Wir haben uns daraufhin ein paar dieser Wunschlisten angeschaut und die Wünsche waren hier sehr unterschiedlich. Die einen wünschen sich sehr teure Gegenstände wie einen High-End-PC im mittleren vierstelligen Bereich und die anderen wünschen sich Fetischsocken für 20 Euro. Die Wünsche deckten sich meist auch mit den Profildaten. So waren auf der Wunschliste eines Gummifetischisten diverse Gummikleidungsstücke, Gummistiefel und Handschuhe. Interessant war auch, dass diese Listen nicht nur bei dominanten, sondern auch bei devoten Personen bzw. deren Profile zu finden waren. So wünschte sich ein (selbsternannter) Sklave diverse Fesseln, mehrere Keuschheitsschellen und auch Fetischkleidung.

Eigene Wunschliste

Ich muss gestehen, dass ich auch eine solche Wunschliste habe. Diese ist aber nicht öffentlich und ist eher eine Merkliste für Dinge, die ich mir irgendwann gönnen möchte. Auf die Idee, eine solche Liste zu publizieren, bin ich bisher noch nicht gekommen. Ich wüsste auch nicht, wie ich darauf reagieren würde, wenn eine (möglicherweise) wildfremde Person mir auf einmal einen (teuren) Wunsch erfüllt. Wäre damit möglicherweise eine gewisse Erwartungshaltung verbunden? „Ich habe dir ein Geschenk für mehrere hundert Euro gemacht, dann kannst du auch eine BDSM-Session mit mir betreiben!“ Nein, das würden wir nicht wollen und es wäre vermutlich auch nicht einvernehmlich. Vielleicht liegt es auch an der Erziehung, welche ich genossen habe. So wurde mir beigebracht, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt und es für alles eine Gegenleistung gibt, als wären es physikalische Gesetze. Gibt es auch Geschenke gänzlich ohne Hintergedanken?

Tribute im BDSM

Eine hierarchische Beziehung ist ein stetiges Geben und Nehmen. Wie in einer „bürgerlichen“ Beziehung beschenkt man sich ab und zu gegenseitig. Diese „Geschenke“ müssen nicht immer materiell sein, sondern können auch Worte oder Taten sein. Eine wohltuende Massage oder ein „ich liebe dich“ können willkommene Geschenke in einer Beziehung sein. Wenn man in der Beziehung eine Hierarchie aufgebaut hat, dann lassen sich bestimmte (materielle) Geschenke an den dominanten Partner argumentieren. Schließlich erhält der devote Partner viel Führung und das kann neben sexuellen Dienstleistungen auch gern monetär oder materiell vergütet werden.

Bei manchen Geschenken gibt es einen Hintergedanken. Wenn ein Sub seinem Top zum Beispiel ein Spanking-Paddle schenkt, dann gibt es auch die Erwartungshaltung, dass dieses Paddle auf dem Hintern des Subs zum Einsatz kommt. Ein Tribut an den Dominanten muss dabei nicht vollständig uneigennützig sein. Ein Paar neue Lederstiefel werden vom Dom getragen, doch vielleicht möchte der Sub während einer Session auch mal daran lecken. Die Grenzen sind hier sehr fließend. Sofern es sich um einen Cashmaster handelt, wäre der Tribut Geld in Form von Bargeld oder einer Überweisung.

So wäre es auch für mich persönlich einvernehmlich, wenn ein mir unterstellter devoter Spielpartner (oder fester Sklave) ein Geschenk macht. Vom gesunden Menschenverstand würde ich mich vermutlich darüber freuen, wenn dieses Geschenk freiwillig erfolgt, weil wir einander mögen. Auf der anderen „unvernünftigen“ Seite könnte ein Tribut an mich auch ein Zeichen meiner Macht und seiner Unterwerfung sein, was in gewisser Form auch eine sexuelle Erregung beinhaltet. Doch würde es mich persönlich nur erregen, wenn es eine mir direkt unterstellte und persönlich bekannte Person wäre. Ein Tribut einer fremden Person würde sich vermutlich falsch anfühlen und so würde es ungenutzt in einer Schublade landen oder man würde es weitergeben, um sich von dieser Last zu befreien.

Eure Meinung

Was denkt ihr darüber? Freut ihr euch über Geschenke oder fordert ihr gar einen Tribut von eurem Partner oder auch (fremden) Mitmenschen ein und was empfindet ihr dabei? Habt ihr vielleicht schon mal einer fremden Person einen Wunsch über eine der erwähnten Online-Wunschlisten erfüllt und dieser Person somit einen Tribut gemacht? Und abschließend (aus reiner Neugierde): Würde ihr uns ein Geschenk machen oder einen Tribut zahlen?

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

2 Gedanken zu „Tribut – Geschenke erhalten die „Freundschaft““

  1. Geschenke sind für mich Gaben der Freundschaft und der Liebe. Somit ist da die Erwartung erhalten, dass der/die Beschenkte diese Gefühle wahrnimmt und sie erwidert. Oder das Geschenk ablehnt.

    Deswegen sind die ‚Geschenke, anstandshalber‘ und ‚Geschenke, die man halt macht weil man selber was bekommen hat‘ für mich schwierig zu leisten. Ja, ich kann’s und ja, ich lass mich auch nicht lumpen, aber ich gebe nicht mit echtem Gefühl, außer in bestimmten Situationen mit echter Verachtung.
    Denn hier ist die Idee des Schenkens für mich pervertiert worden und eigentlich ist es wie Ihr sagt, mehr Abgabe als Geschenk, mehr Geschäft oder Pflicht als Gefühl.
    Wenn ich einem Freund ein paar Handschellen verehre, die ich doppelt habe, dann weil ich als Sammler hin und wieder günstig drankommen kann, es für mich also nicht schwer ist und er sich freut. Erwarte ich was dafür? Nee. Nur dass er, wenn er sie annimmt sie sich auch wirklich schenken lassen möchte. Sprich die Freundschaft beiderseitig empfunden wird. Sonst kaufe ich jemanden.

  2. Hi. Bei mir war Es bei meinem damaligen Master Jan so, das Er mich komplett neu eingekleidet hatte nachdem ich Ihn wissen liess, das es mich total reizen würde nur noch Leder tragen zu müssen. Er hatte anfangs gebrauchte Kleidung beschafft und mir diese dann „geschenkt“. Es gab natürlich dann die Konsequenz, das sämtliche nicht Leder Kleidung mit Ausnahme von Socken und Unterwäsche entzogen wurde. Später sind wir gemeinsam zum Schneider und ich bekam Sportkleidung und Shirts. Alte Kleidung trug ich zur Arbeit, neuere Kleidung in der Freizeit. Was und wie wurde mir vollständig vorgeschrieben, was aber heute bei meinen jetzigen Mastern auch noch so ist. Ich musste jedoch lange Zeit den Gegenwert abarbeiten und wurde als Sklave auch weiterverliehen. Eine sehr reizvolle Erfahrung die mich bis heute prägt.

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