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CA$H-Master – Geld regiert die Welt

Fetische lassen sich nicht immer rational erklären und doch sind sie vorhanden. Einen davon haben wir uns genauer angeschaut und haben mit mehreren selbsternannten „Cashmaster“ gesprochen, welche „Geldsklaven“ unter Kontrolle haben. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

Geld regiert die Welt, so sagt man jedenfalls. Geld zu haben beruhigt ungemein, weiteres Geld zu bekommen kann das Leben in manchen Situationen noch schöner machen. Doch macht Geld allein wirklich glücklich? Möglicherweise macht es sogar geil?

Denken wir an Onkel Dagobert von den DuckTales (Copyright 1987, Disney), dann genießt er sogar seine Freizeit damit in Geld zu schwimmen. Ein schöner Gedanke, wobei das Schwimmen in Geld natürlich eine Metapher ist, denn die harten Münzen und Scheine eignen sich nun so gar nicht als Schwimmbad. Bei dem Sprung in einen Geldspeicher würde man sich wahrscheinlich sofort das Genick brechen. Und auch im Allgemeinen wird das klassische Bargeld immer rarer. Einen Raum mit Bargeld zu füllen wäre Utopie.

Erinnert ihr euch noch daran, wenn man bei der Oma war und ihr die Hand gegeben hat und in der Hand dann ein D-Mark-Stück hatte. Man war reich! Damit konnte man sich z.B. zehn Kaugummis am Automaten rauslassen! Doch wäre man nie auf die Idee gekommen, dieses Geld einzufordern. Vielleicht hat man höflich darum gebeten, aber es war niemals ein fordernder Unterton vorhanden. Hätte man eine Forderung gestellt, so wäre diese spätestens von den Eltern im Keim erstickt worden.

Aber wie kommt es, dass manche Personen beim Erhalten oder geben von Geld sogar sexuelle Lust empfinden? Und diese sexuelle Lust findet sich auf beiden Seiten. Bei der Person, die das Geld bezahlen muss, sowie bei der Person, die das Geld empfängt. Zugegeben, Geld zu bekommen bereitet uns ebenfalls eine Freude, doch wie kommt es zur sexuellen Lust?

Für jede Leistung gibt es eine Gegenleistung. Man geht zum Einkaufen, gibt Geld aus und bekommt dafür Waren oder Dienstleistung. Gerade Dienstleistungen können sehr vielseitig sein. Vom Haareschneiden über Massagen bis hin zu sexuellen Dienstleistungen ist vieles möglich. Somit kann es durchaus legitim sein, dass man für Geld Sex bekommt. Mit etwas Abstand betrachtet wäre das die einfachste Art zu argumentieren, dass man beim Ausgeben vom Geld Lust empfindet. Doch die Lust empfindet man nicht beim Bezahlen, sondern eher für die Dienstleistung, welche man für das eingesetzte Geld erhält.

Auf der Suche nach einer Antwort haben wir mit mehreren Cashmastern gesprochen, welche uns berichtet haben, dass sie mehrere devote Spielpartner haben, welche ihnen Geld bezahlen. Doch Geld für was? Welche Dienstleistung steckt dahinter? Keine! Es gibt keine Gegenleistung im herkömmlichen Sinne. Doch wie bringt man Personen dazu scheinbar grundlos Geld zu bezahlen?

Wir haben euch schon darüber berichtet, wie man vom „Fan zum Kunden“ werden kann. Die Fetisch-Community wird Stück für Stück kommerzialisiert. Doch dieses Mal geht es nicht darum, dass begehrte Fetischisten sich selbst vermarkten und versuchen mit Amateuraufnahmen (Bild- und Videomaterial) den „Fans“ das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dieses Mal ist es ein anderer Grund!

Es kann mit einer kleinen Überweisung anfangen und mit einem Schuldschein enden. Manche devoten „Zahlsklaven“ senden bereits morgens eine Art virtuellen Kaffee an ihre Cashmaster. Fünf Euro als Morgengruß, ein „Tribut“ für den Cashmaster! Doch wie ist es möglich so begehrt zu sein? Schauen wir uns doch die Superstars aus Hollywood an. Egal ob Schauspieler oder Sänger, die Fangemeinde ist groß und es zeigt sich das Verhalten, dass Fans für ihre Stars das letzte Hemd geben würden. Groupies, die auf sexuelle Gefälligkeiten aus sind, lassen wir jetzt mal bewusst außen vor. Doch ist es durchaus denkbar, dass man einem Star Geld geben würde, nur um einen Blick oder ein Lächeln oder gar eine Berührung zu erhaschen. Und dieses oder ein ähnliches Phänomen haben wir bei Cashmastern und ihren Sklaven beobachtet. Götter, denen Opfer gebracht werden. Stars, denen man eine „Spende“ zukommen lässt. Cashmaster, denen man Geld überweist.

Doch aktuell gehen wir noch davon aus, dass die Sklaven, auch gern als Cashfags oder Zahlschweine bezeichnet, das Geld freiwillig herausrücken. Es gibt aber auch eine Steigerung, bei der das Bezahlen von Geld direkt vom Cashmaster eingefordert wird. Findom heißt das Zauberwort und steht für Financial Domination oder finanzielle Dominanz und bedeutet so viel wie Geldklaverei. Ein devoter Spielpartner macht sich von einer dominanten Person finanziell abhängig. Interessanterweise finden sich hier keine Berichte vor Einführung des Internets. Somit ist Findom eine Spielart der Neuzeit. Das liegt auch wohl daran, dass es in der heutigen Zeit sehr einfach ist Geld zu transferieren. Musste man früher auf die Bank gehen und das Geld überweisen ober gar bar abheben, so reicht heute ein Smartphone und schon huldigt man dem Master oder der Mistress mit einer Überweisung von Geld.

Man muss dazu sagen, dass diese Spielart sehr umstritten ist, da hier auch viele Trickbetrüger unterwegs sind. Denken wir nur mal an den „Enkeltrick“, mit welchem einige Senioren um ihr Erspartes erleichtert wurden. Man braucht nicht weit gehen, gerade in unserer Nachbarschaft ist eine ältere Dame einem solchen Trick beinahe unterlegen, aber der Bankangestellte hatte ein wachsames Auge und alarmierte die Polizei, als die Dame einen großen Teil ihres Vermögens von der Bank abheben wollte. Der Bankangestellte behielt recht und die Senioren wurde geschützt und ist jetzt sensibilisiert.

Doch wie kann man eine devote Person sensibilisieren, dass ein möglicher Cashmaster ebenfalls ein Betrüger ist? Wahrscheinlich gar nicht. Und so gibt es auch Cashmaster, die Schuldscheine aufsetzen und diese von ihren Sklaven im guten Glauben unterschreiben lassen. Ein weiterer Schritt wäre die Erpressung mit Lösegeld. Der Cashmaster hat eine Information über den devoten Spielpartner und fordert ihn auf einmalig oder frequentiert Geld zu überweisen, ansonsten würde dieses Geheimnis an die Öffentlichkeit geraten. Räuberische Erpressung nennt man das, im Englischen wird das Blackmailing genannt. Auch hier gibt es Personen, die dabei sexuelle Erregung oder gar sexuelle Befriedigung erlangen.

Auch wenn wir uns bemüht haben das Thema objektiv zu betrachten, so findet sich durchgängig ein negativer Unterton. Diesen können wir auch nicht abstellen, da wir mit dieser Art von BDSM uns nicht anfreunden können. Passt bitte auf, wem ihr vertraut und vor allem, wem ihr euer Geld anvertraut.
Exkurs: Vielleicht hegen wir aufgrund dieser negativen Grundeinstellung auch einen allgemeinen Gräuel gegen Influencerinnen, die den ganzen Tag scheinbar sinnlosen Müll verbal von sich geben, ihre Titten (verzeiht uns diese direkte Bezeichnung) in die Kamera halten und dafür Geld bekommen.

Anmerkung: In einer festen BDSM-Partnerschaft ist es durchaus verbreitet, dass der devote Partner finanziell vom dominanten Partner abhängig ist. Hier wird das gesamte Vermögen vom dominanten Partner verwaltet und sollte sich der devote Partner etwas käuflich erwerben wollen, so muss er den dominanten Partner um Geld bitten. Bei einem befreundeten BDSM-Ehepaar ist genau das der Fall. Der männliche Sklave ist finanziell zu 100 Prozent von seiner Eheherrin abhängig. Es gibt zwar Gemeinschaftskonten, doch wurden dem Sklaven sämtlich EC-und Kreditkarten entzogen und auch die PINs geändert. Würde der Sklave persönlich in der Bank antreten und sich ausweisen, so würde er schon an das Geld kommen, aber das würde er allein schon aus Liebe zu seiner Eheherrin niemals in Betracht ziehen. Sollte es einen Notfall geben, so finden sich in einem Schließfach Anweisungen und Zugangsdaten für entsprechende Vermögens- und Wertgegenstände. In der Hoffnung, dass es niemals zu diesem Notfall kommen mag…

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profis, ich unterstütze dich gern!

6 Gedanken zu „CA$H-Master – Geld regiert die Welt“

  1. Schönes Thema. Meine Situation wird im letzten Teil erwähnt. Ehesklave… Seit Jahren lebe ich in einer weiblich geführten Beziehung. Meine Eheherrin verwaltet das Finanzielle. Bankkarte und Kreditkarte habe ich keine mehr. Allerdings, grosse Anschaffungen kann sie nicht alleine tätigen. Da braucht es meine Unterschrift auch. Kann man mit der Bank regeln, bis in welche Höhe eine Unterschrift reicht. Ebenso für die Steuererklärung, da darf ich auch unterschreiben.

    Kleine Erinnerung: Wir gehen öfters auswärts essen, sie bezahlt jeweils. Einmal wollte mir der Kellner die Rechnung zum bezahlen vorlegen, da meinte meine Eheherrin zum Kellner: „Sie können die Rechnung mir geben, mein Sklave hat kein eigenes Geld mehr.“
    Auch wenn wir einkaufen gehen bezahlt sie jeweils. Sei es nun Schuhe, Kleider oder andere Sachen für mich. Sie bestimmt ja, u.a. was ich anziehe.

    1. Findom kann breit gefächert sein. Und gerade im Restaurant kann es spannend sein, wenn der dominante Partner auch das Essen bestellt.
      „Ich hätte zum Essen gern […] und mein Sklave bekommt […], vielen Dank!“
      Die Blicke sind meist irritierend, doch die Neugierde überwiegt. Wir haben das in einem Restaurant mal auf die Spitze getrieben. Mit einer Gruppe von BDSM-Liebhabern haben die Kellner das Essen für alle gleichzeitig an den Tisch gebracht, wobei die dominanten Personen das Essen dann zuerst bekommen haben und die Sklaven als letztes, was auch verbal vom Kellner verbal kommentiert wurde mit „und am Ende noch die Pizza für den Sklaven, guten Appetit“.
      Manchmal darf man durch seine Mitmenschen positiv überrascht werden. Wobei die meisten sehr offen mit dem Thema BDSM umgehen.

  2. Ja, lieber Dennis, scheint ein „aufgeschlossener“ Kellner gewesen zu sein. Wer weiss, auf welcher Seite er steht oder stehen würde…
    Nun, meine Eheherrin kleidet sich sehr gerne in Leder, sei es ein Kleid, Bluse mit Jupe oder einfach eine Lederhose. Ich kann mich erinnern, dass sie in unserer Lieblingspizzeria einmal nur mit Bluse in schwarz, einigermassen „blickdicht“, darunter einen Lederriemen-BH und einen Ledermini (Kniekurz) bekleidet war. Dazu schwarze Lederstiefel, normale Höhe.
    Man glaubt es kaum, was wir für einen tollen Service wir erleben konnten. Ja, das ist schon eine Weile her… Da waren wir noch jung. Heute sind wir nur noch.

    1. Ja, Kleider machen Leute.
      Es wäre tatsächlich interessant gewesen, welche Seite der Kellner wählen würde, würde man ihn vor die Wahl stellen. Oder vielleicht hat ihn bereits eine Partnerin oder ein Partner vor die Wahl gestellt. Oder es war einfach seine Professionalität im Beruf, die es „überspielt“ hat mit uns eben so umzugehen. Wer weiß…

  3. Ein sehr kontroverses Thema. In wie weit finanzielle Abhängigkeit vor Internetzeit ein Thema war, oh je. Wie viele Beziehungen blieben aus genau dem Grund erhalten, und in wie weit gab es einer Seite oder vielleicht sogar beiden Seiten den ‚Kick‘? Das werden wir nie erfahren.
    Aber das ist hier auch nur ein Seitenthema. Ich finde Findom problematisch, denn wie schon oft hier ein Thema war, wie viel ‚echt‘ ist, kann man im Cyberspace wirklich nicht rausfinden. Und da liegt nun genau in dem Bereich mein Problem: Als angeblicher Sub muss ich mich zumindest einmal tatsächlich fesseln lassen, als angeblicher Top muss ich wenigstens einmal einen Sub fesseln, knebeln, verhauen, was auch immer es ist, das uns beiden da gefällt. Aber wo ist mein Beitrag als Dom im Findom? Ich fordere Geld ein, jo. Machen unzählige Menschen täglich, ganz außerhalb des Rahmens von BDSM. Da ist für mich keine Verpflichtung ersichtlich, nur einfach, na ja, Gier.

    Deswegen denke ich, sich für Geld BDSM-Erlebnisse kaufen, aus was für Gründen auch immer ist eine Sache, Findom eine ganz Andere.
    Deswegen in dem Bereich noch mehr als sonst in der BDSM-Welt – passt auf einander auf.

    1. Für uns ist das Thema auch schwierig nachzuvollziehen und dennoch wollten wir es unbedingt behandeln. Wir hatten direkten Kontakt mit mehreren Cashmastern und warum sollte man diesen ihre Freude nehmen, wenn es doch scheinbar einvernehmlich mit den jeweiligen Geldsklaven ist.

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