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Zusatzschlösser – sinnvoll oder überflüssig?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Person bewusst bewegungsunfähig zu machen. Nicht selten bildet den krönenden Abschluss ein Vorhängeschloss. Manche dieser Schlösser haben dabei unabhängig von ihrer schließenden Funktion eine wichtige Aufgabe: Das Kopfkino in Gang zu bringen. Sind Zusatzschlösser sinnvoll oder überflüssig?

Fesselungen

Wie fesselt ihr eine Person? Handschellen, Metallfesseln, Lederfesseln, Seile, Klebeband oder ganz andere Fesseln? Oder steckt ihr eure Opfer dann lieber in eine Zwangsjacke und/oder sperrt sie in einen Käfig? Oft ist es auch eine Kombination aus mehreren Fesselmethoden. Ein Sub kann beispielsweise ein Lederhalsband angelegt bekommen, welches mit einem Vorhängeschloss gesichert wird. Im Anschluss werden ihm Handschellen auf dem Rücken angelegt und final wird er in einem Käfig eingeschlossen, welcher ebenfalls mit einem Vorhängeschloss gesichert wird. Doch stellt sich die Frage, ob das Schloss am Käfig überhaupt erforderlich ist oder der Sub im Käfig aufgrund der gefesselten Hände den Schließzylinder gar nicht erreichen könnte? In diesem Fall ist das Schloss am Käfig aus rein technischer Sicht ein „vernachlässigbares Zusatzschloss“. Dennoch kann es für die gefangene Person sehr wichtig sein, dass dieses Schloss angebracht wird, da es die ausweglose Situation nochmals unterstreicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Schloss am Halsband. Mit Handschellen auf dem Rücken ist das selbständige Ablegen des Halsbandes nicht möglich. Ist das Schloss hier ebenfalls überflüssig?

Einwegsiegel

Unabhängig von Vorhängeschlössern sind Zusatzsicherungen im BDSM gängige Praxis. Wie bereits im Beitrag über Plomben und Einwegsiegel beschrieben, geht es um manipulationssichere Einschlüsse. Kürzlich haben wir auf den sozialen Netzwerken ein Video gefunden, auf welchem mehrere Zusatzsicherungen angebracht werden. Aus Gründen von Datenschutz und Jugendschutz dürfen wir das Video nicht zeigen, aber wir können euch den Inhalt schriftlich wiedergeben:

Auf dem Video ist ein Mann zu sehen, welcher sich in einen Keuschheitsgürtel (ein Voll-Keuschheitsgürtel von „Behind Barz“) selbst einsperrt. Der Keuschheitsgürtel wird während des Einschlusses mit Siegelaufklebern zusätzlich gesichert. Diese Siegel verhindern, dass der Keuschheitsgürtel trotz physischen Schlüsselbesitzes abgelegt werden kann. Im Anschluss werden die Schlüssel in eine smarte Schlüsselbox gesperrt. Final wird die smarte Schlüsselbox ebenfalls mit Siegelaufklebern gesichert.
Rein technisch könnte man behaupten, dass der Einschluss im KG und die anschließende Verwahrung der Schlüssel in einer smarten Schlüsselbox ausreichend sind. Auf der anderen Seite könnte eine Manipulation am KG oder an der Schlüsselbox möglich sein.
Mögliche Manipulationen wären zum Beispiel das Vorhalten eines Ersatzschlüssels, welcher nicht in der Schlüsselbox eingesperrt wurde, oder das unerlaubte Öffnen der Schlüsselbox. Beides ist durch die Einwegsiegel ausgeschlossen. Sobald die Schlüsselbox oder den KG geöffnet wird, müssen die Siegel zuerst erbrochen werden.

Schlösser

Widmen wir uns wieder den klassischen Vorhängeschlössern. Auch hier hatten wir ein spannendes Erlebnis, welches einen Gedankenanstoß lieferte. Ein guter Freund wurde von uns in eine von ihm selbstgebauten Blackbox gesperrt. Wir haben das Thema auch schon im Beitrag über die Blackbox angesprochen, dennoch möchten wir hier nochmal erweitert darauf Bezug nehmen. Welchen „Fehler“ seht ihr auf folgendem Foto?

Blackbox - Copyright 2022, fesselblog.de
Blackbox – Copyright 2022, fesselblog.de

Zugegeben, es ist ein Suchbild. Wenn ihr die Verriegelung an der Blackbox und die daran befindlichen Vorhängeschlösser anschaut, dann werdet ihr sehen, dass die Schlüssel noch in den jeweiligen Vorhängeschlössern stecken. Für unser Opfer war es schon ein Genuss, dass wir die Schlösser in Gebrauch hatten, das Abziehen der Schlüssel wäre ein zusätzlicher Reiz gewesen. Man muss dazu sagen, dass die Blackbox innen nicht ausgepolstert war und die Holzkiste als Resonanzkörper agierte. Das Abziehen der Schlüssel wäre also für das Opfer deutlich hörbar gewesen. Auf der anderen Seite war es technisch irrelevant, da unser Opfer in der Blackbox in einem Fesselsack gefesselt war und ein Entkommen ausgeschlossen war. Ein Bild davon findet ihr im Beitrag über die Blackbox. Selbst die Vorhängeschlösser waren eigentlich schon eine technisch nicht erforderliche Zusatzsicherung.

Zwangsjacke und Fesselsack

Eine korrekt angelegte Zwangsjacke ist im Normalfall ausbruchsicher, außer man eifert Houdini nach. Einige Hersteller von Zwangsjacken bieten ihre Produkte in einer abschließbaren Variante an. So lassen sich beispielsweise die Gurte auf dem Rücken oder an den Ärmeln der Zwangsjacke zusätzlich mit Schlössern sichern.

Zwangsjacke - Copyright 2026, ebay.com
Zwangsjacke – Copyright 2026, ebay.com

Auch Fesselsäcke (oder Schlafsäcke bzw. „Bodybags“) können teilweise mit zusätzlichen Schlössern gesichert werden:

Fesselsack - Copyright 2026, thegreentanners.com
Fesselsack – Copyright 2026, thegreentanners.com

Manche Hersteller bieten als Alternative zu Vorhängeschlössern auch die Möglichkeit zur Sicherung mit Magnetschlössern, wie man sie beispielsweise von erotischen Bettfixierungen und medizinischen Patientenfixierungen her kennt. Diese Schließvariante ist gerade beim Einsatz von vielen Schlössern sehr praktisch, wenn man keine gleichschließenden Vorhängeschlösser griffbereit hat. Bei Magnetschlössern reicht ein einziger Schlüssel (Magnetschlüssel) und man muss nicht lange nach dem jeweils passenden Schlüssel suchen.

Fremdzugriff

Unabhängig von der Ausbruchsaffinität mancher Subs könnte es auch Manipulation durch Dritte geben. Eine Domina hatte uns davon berichtet, dass sie mit ihrem Sklaven auf einer BDSM-Veranstaltung war und dieser in einer klassischen Zwangsjacke fixiert war. Da sie kurz auf die Toilette musste, platzierte sie ihren Sklaven vor der Damentoilette. Als sie wieder zurückkam, stand ihr Sklave ungefesselt mit der Zwangsjacke in der Hand vor der Toilette. Andere Gäste dieser Veranstaltung hatten ihn aufgrund seines eigenen Gejammers (was Teil des BDSM-Spiels war) freigelassen. Seither wird auf solchen Events die Zwangsjacke mit Schlössern gesichert und die Schlüssel trägt die Domina immer bei sich.

Kopfkino

Auch wenn manche Schlösser von ihrer Funktion her eigentlich innerhalb einer BDSM-Session „überflüssig“ erscheinen, da die gefesselte Person an die Schlösser eh nicht herankommen würde, so haben diese Zusatzschlösser eine wichtige Funktion: Sie befeuern das Kopfkino. Es ist der Kick mit dem „Klick„. Es geht sogar so weit, dass manche Subs gar nicht genug davon haben können. Warum nur ein Schloss, wenn man stattdessen auch zehn nehmen kann? Ein weiterer Grund kann sein, dass bei verschiedenen Schlössern es auch verschiedene Personen gibt, welche die jeweilige Schlüsselgewalt haben. Das Thema „alle gegen einen“ könnte für euch auch eine passende Spielidee sein.

Übrigens müssen zusätzliche Sicherungen nicht ausschließlich durch Vorhängeschlosser erfolgen. Es gibt auch andere Möglichkeiten. Wie wäre es mit einem zweiten, dritten oder gar vierten Paar Handschellen (siehe Vorschaubild)? Was wir auch schon häufiger gesehen haben, sind Personen, welche in Bodenprangern oder Schandgeigen fixiert waren und die Hände zusätzlich mit Handschellen darin gefesselt waren. Begründung war, dass gerade bei Holzprangern die Löcher für Hände und Hals meist etwas „größer“ ausgeschnitten sind und Personen mit schmalen Handgelenken sich sonst selbst befreien könnten. Somit ist nicht jede Zusatzsicherung auch automatisch unwirksam und „nur“ für das Kopfkino.

Erfahrungen

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das Anbringen eines Schlosses für das Kopfkino im BDSM ein wichtiger Bestandteil ist. Oder anders gesagt: Wenn man ein Schloss technisch anbringen kann, dann bringt man es im besten Fall auch an. Auch wenn ihr aus technischer Sicht der Meinung seid, dass es sich um ein „überflüssiges Zusatzschloss“ handelt, bringt es dennoch an. Euer devoter Spielpartner wird die Fesselung mental deutlich intensiver wahrnehmen.

Wie sind eure Erfahrungen damit? Verzichtet ihr auch mal auf ein Vorhängeschloss, wenn euer „Opfer“ sich theoretisch nicht selbst befreien könnte oder bringt ihr alle Schlösser (auch Zusatzschlösser) sogar gern an, um euch und euren Partner besser in Stimmung zu bringen? Schreibt uns gern einen Kommentar oder Nachricht. Wir freuen uns auf eure Zusendungen.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

3 Kommentare zu „Zusatzschlösser – sinnvoll oder überflüssig?“

  1. Für mich persönlich gehört es dazu, das ich zusätzlich „gesichert“ werde, obwohl ich schon wehrlos gefesselt bin. Meinen Fesselpartner musste ich Anfangs immer dazu anstacheln, das er mich zusätzlich zu Hand und Fussschellen noch an einer Kette an der Wand fixiert. Er selbst fesselt nur aus Spass, weil ich ihn mal darauf angesprochen habe,ohne sexuellen Gedanken. Er ist Hetero, ich BI. Das einzige was was er nie hinbekommen hat ist es, meine Schlüssel für meinen Keuschheitskäfig in einem kitchensafe an einem mir unbekannten Ort zu hinterlegen, einen dritten eine Zeit einstellen zu lassen (die wie beide nicht kennen) und mir dann den Ort der Schlüssel zu verraten….. Es gab keinen der sich dazu bereit erklärt hat….

  2. Technisch nicht notwendig bedeutet ja nicht ’nicht notwendig‘, es gibt viele Gründe mehr zu machen, als nun absolut Not tut.
    Notwendig wäre, streng genommen, ein Paar Qualitätshandschellen. Hand rein, auf den Rücken gelegt, zweite Hand rein, Double Lock gesetzt. Und schon kann man(n) Subbie auf Werkzeuge hin durchsuchen – womit es egal ist, ob die Handschellen Standardschlüssel verwenden oder nicht. Manchen und manchmal mag dieses Szenario reichen und die Session wird gut.
    Aber… ich genieße es, immer mal wieder andere Handschellen zu tragen und finde auch Modelle besonders spannend, bei denen die Schlüssel nicht so leicht zu bekommen sind. Chubb Escort zum Beispiel, die ein lizenziertes 8 bzw. 9 Scheiben AVA-Schloss haben und wo definitiv nicht alle Schließungen gleich sind. Ich hab für meine Escorts zwei Schlüssel… besser nicht verlieren. Sonst geht es nur mit Zerstörung, dass die guten Stücke wieder abkommen.

    Und auch bei gerade Vorhängeschlössern ist es faszinierend. Da gibt es von ganz billig (bitte nicht, aufgrund schlechter Verarbeitung hab ich da Sicherheitsbedenken) bis extrem hochwertig alles. Und wenn da so ein massives Stück die Kette an der Wand befestigt… das hat was. Das laute Klicken mit dem die Schlösser einrasten, bei Zylinderschlössern das Geräusch, wenn der Schlüssel abgezogen wird… bei Zuhaltungsschlössern das satte Gleiten der Mechanik… ich komm ins Schwärmen, aber ich sammle halt so Zeugs. Handschellen und Vorhängeschlösser gleichermaßen.

    Zwei Beispielszenarien, wo streng genommen, das zusätzliche Schloss bzw. die zusätzlichen Schlösser nicht Not täten, aber für das gewisse Extra eben halt doch:
    Der Gewebegurt der Feuerwehr hat eine Metallöse, in die ganz wunderbar Handschellen reinpassen – deswegen nimmt die teilweise sogar die Justiz. Natürlich muss man ein durchschnittlicher Schlangenmensch sein und sehr viel Glück haben um an die Schnalle zu kommen und den Gurt von der Taille zu lösen, bei Gelenkhandschellen wird das noch schwieriger. Trotzdem kann man, wenn der Gurt lang genug ist, das Ende noch unter der Metallöse für die Handschellen durchfädeln und mit einem Vorhängeschloss sichern. Das schloss kann der Gefesselte ertasten und es macht die Ausweglosigkeit noch fühlbarer.
    Die Maulkörbe von Mr S (und vermutlich auch die Nachbauten) haben Ösen an den Schnallen für Vorhängeschlösser. Braucht es die? Wenn weitere Fesseln angelegt werden, nein. Trotzdem gibt es – vor allem da es so nah am Kopf stattfindet – ein Wahnsinnsgefühl wenn nacheinander die Schlösser eingefädelt werden und zuklicken. Und wenn Ihr Euch dann, vorsichtig bitte, schüttelt, dann klappern und schlackern die Schlösser so schön, als wollten sie mir zuraunen: So bleibst Du jetzt bis WIR wieder aufgehen.
    Das sollte man sich, das sollte Subbie einem schon hin und wieder wert sein. Wobei die Warnung erlaubt sein muss, alles was angelegt wurde, muss im Notfall auch schnell wieder abgenommen werden können… hier kann weniger tatsächlich mal mehr sein.

  3. Und ergänzend zu ‚einer gegen alle’… wenn Subbie zunächst ’nur‘ durch Handschellen gesichert wird, was spricht dagegen, Subbie mit einem weiteren Paar Handschellen irgendwo festzuketten? Die Schlüssel können bei zwei verschiedenen Tops verweilen, so dass Subbie entweder die Handgelenke voneinander gelöst bekommen kann, zum Beispiel für ein Bedürfnis, oder die Handschellen, die ihn fixieren. Oder beides, wenn beide Tops das so entscheiden.

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