Von Pfingstberg - Der Fetisch-Kalender 2021 - Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von "Von Pfingsberg"

Von Pfingstberg – Der Fetisch-Kalender

Im Internet findet man sehr viele interessante Bilder im Bereich Fetisch und BDSM. Der sexuelle Kontext steht hier meist stark im Vordergrund. Doch dann sind wir auf die Macher eines Fetischkalenders gestoßen, die die Ästhetik im Fetischbereich in den Fokus rücken. Fetischismus mit Stil und wir haben die Macher des Kalenders für ein Interview begeistern können.

Fesselblog: Hallo Sven! Vielen Dank, dass du dir für ein Interview Zeit genommen hast. Für viele Personen steht der Fetisch stark im Vordergrund. Der Fetisch ist das, was uns verbindet. Wer ist der Mensch hinter “Von Pfingstberg”? Erzähl uns ein wenig von dir.

Von Pfingstberg: Ich grüße euch! Kurz zu meiner Person: Ich wurde 1986 in Potsdam als erstes Kind meiner Eltern geboren. Neben einem Bruder habe ich auch noch eine Schwester. Nach zehn Schuljahren habe ich eine Ausbildung zum Gärtner absolviert und bin seit 2006 in diesem Beruf tätig. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf historischen Gärten. Mein Partner, mit dem ich seit zwei Jahren zusammen bin, teilt meine Leidenschaft zu meinen Fetischen.

Fesselblog: Die Bilder, die ihr veröffentlicht habt, sind wunderschön. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Was war der ausschlaggebende Punkt, dass ihr eine eigene Fotoserie macht und diese dann veröffentlicht?

Von Pfingstberg: Hierzu muss ich etwas ausholen, denn die Bilder sind auch mein Comingout im Bereich Fetisch. Alles begann 2014 mit meinem ersten Rubberanzug, den ich immer nur in den eigenen vier Wänden trug. Mit der Zeit wurde es immer mehr Gummi und mit einem befreundeten Fotografen (hetero) fingen wir an in „Lost Places“ Bilder von mir zu machen. Das fand ich sehr geil und wir haben dabei den Focus immer auf Ästhetik gelegt, was mir persönlich sehr wichtig war und ist! Zu meinem 30igsten bekam ich genau von diesem Freund einen DIN A3 Kalender geschenkt mit den besten Bildern, allerdings “noch” alles Gummiaufnahmen.
Dann ging es recht schnell. Ich habe mir ein Motorrad gekauft und meine erste Lederhose, auf welche immer mehr Leder folgte. Auch hier war Ästhetik wichtig. Eine Honda Shadow in Schwarz und dazu das passende Leder,… wow!
Es folgten die ersten Kontakte in die Biker- und Fetischszene Berlins und die Resonanz auf mich und die Bilder waren durchweg positiv. Mich hat es darin sehr bestärkt meinen Fetisch auszuleben und auch öffentlich zu zeigen!

Fesselblog: Bilder zu veröffentlichen ist dank den sozialen Netzwerken einfacher denn je. Doch der Schritt einen Kalender zum Verkauf anzubieten ist nochmal ein wichtiger Schritt. Wann habt ihr euch dazu entschieden euren persönlichen Fetisch-Kalender zu vermarkten?

Von Pfingstberg: Ja das stimmt wohl, im heutigen Zeitalter ist es einfach Bilder von sich und allem im Netz zu veröffentlichen. Was viele vergessen ist aber, dass das Internet nichts vergisst 😉.
Ein guter Freund von mir betreibt in Schöneberg einen Fetisch-Store und ihm habe ich mein Geburtstagsgeschenk gezeigt. Er meinte das wollen die Leute sehen!
Ermutigt davon gründete ich meine Marke „Von Pfingstberg“ und brachte Ende 2017 den ersten Fetischkalender in A3 auf den Markt. Eine limitierte Auflage von 100 Stück ist es dann geworden. Die Resonanz im ersten Jahr war dann aber noch nicht so groß wie gedacht, aber der Anfang war gemacht!

Fesselblog: Seinen Fetisch so offen zeigen stellt viele noch für eine persönliche Herausforderung. Die Angst vor einem „Fetisch-Outing“ ist für viele noch sehr groß. Hattet ihr je Bedenken so in der Öffentlichkeit zu stehen?

Von Pfingstberg: Ja, das war anfangs auch mein Problem. Wie reagieren andere auf mich und was denken diese von mir? Denken sie ich bin komisch oder wie? Mit dem Motorrad war es schon viel einfacher, denn dazu gehören einfach Ledersachen. Auch bei der Familie fand ich schnell Akzeptanz und wenn ich bei meiner Oma mal ohne Lederhose auftauche, fragt sie wo diese sei. Wenn der Knoten erst einmal geplatzt ist, ist das einfach wundervoll. Dann ist es einem auch egal was andere darüber denken. Und wenn man in Lederhose mit Freunden durch die Stadt geht und ein Heteropärchen einem entgegenkommt von dem der Mann uns hinterher schaut ist das schon ein geiles Gefühl. So passiert auf einem Weihnachtsmarkt in Hamburg im letzten Jahr.

Fesselblog: War für euch von Vornherein klar, wer vor und wer hinter der Kamera steht?

Von Pfingstberg: Wer wo seinen Platz hat war klar, denn ich kann nicht fotografieren, sondern nur gut aussehen *lach*. Nach der ersten Kalenderauflage hatte ich die Anfrage für ein Fotoshooting von EASTER BERLIN, wo Bilder im Prinzknecht gemacht werden sollten. Der Fotograf der mich dazu eingeladen hat und auch die Bilder machte ist heute mein Fotograf und hat seit 2018 alle Bilder von mir gemacht. Die Chemie zwischen uns stimmt und daher kommen dabei diese tollen Aufnahmen heraus.

Fesselblog: Eure Bilder wirken sehr schlicht, elegant und ästhetisch. Und dennoch entdeckt man bei näherem Betrachten immer mehr Details. Was ist euer Geheimnis auf den Bildern viel zu zeigen und dennoch nichts zu überfrachten.

Von Pfingstberg: Das musst du eigentlich meinen Fotografen fragen, aber das Geheimnis ist einfach Spontanität würde ich sagen. Wir verabreden uns an irgendeinem Ort und dann geht es los. Dabei machen wir uns oft nicht ganz so viele Gedanken. Im Nachhinein aber manchmal doof, weil man das eine oder andere Details doch noch besser herausarbeiten hätte können.

Fesselblog: Sind die gezeigten Outfits auf den Kalenderbildern eure eigenen Outfits, oder war das eine oder andere Schmuckstück vielleicht eine Leihgabe?

Von Pfingstberg: Da muss ich ganz ehrlich nein sagen. Das viele “Gear” ist ja schon ein großer Haufen Geld und klar will man auch alles haben, aber das geht nicht auf einmal! Ich habe das Glück, dass ich einige Freunde in der Fetischszene habe, welche dieselbe Größe haben. Und da kann ich mir das eine oder andere Teil auch ausleihen.

Fesselblog: Was empfindet ihr bei dem Gedanken, dass eure Bilder die Zimmerwände oder Schreibtische von anderen Fetischfreunden zieren?

Von Pfingstberg: Das ist eine gute Frage. Anfangs habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, da ich das gar nicht wissen wollte, was die Jungs damit „treiben“. Heute bin ich sehr stolz darauf!

Fesselblog: Der Kalender für das Jahr 2021 ist soweit uns bekannt ist nicht der erste seiner Art. Wann wurde die Idee zu einem öffentlichen Fetischkalender geboren?

Von Pfingstberg: Wie bereits erwähnt gab es 2018 die erste Auflage. Seitdem nehme ich das Feedback immer auf und habe den Kalender stets verbessert. Zum Beispiel ist der Bildausschnitt seit 2020 deutlich größer und mit der aktuellen Auflage gibt es neben dem A3 Großformat auch einen A5 Tischkalender.

Fesselblog: Wir kennen das von unseren Shootings: Man macht klasse Bilder, muss sich aber selbst an der Nase packen nicht alle auf einmal zu veröffentlichen. Musstet ihr euch selbst zurückhalten nicht alle Kalenderbilder vorab auf sozialen Netzwerken zu posten?

Von Pfingstberg: …*lach* das ist ganz einfach, ich bin in diesen Dingen etwas faul. Daher habe ich die meisten Aufnahmen noch nicht veröffentlicht.

Fesselblog: Habt ihr unabhängig von Jahreskalendern noch andere Fotoprojekte geplant?

Von Pfingstberg: Es gibt da schon ein paar Ideen, aber noch nichts Konkretes. Das Ganze ist mein Hobby und soll in erster Linie mir Spaß machen und nebenbei kann ich mir mit den Erlösen das eine oder andere Stück Gear kaufen. Dadurch ergeben sich dann auch wieder neue Motive für den nächsten Kalender.

Fesselblog: Hattet ihr schon Anfragen von Models, die gern mit für kommende Kalenderbilder abgelichtet werden wollen?

Von Pfingstberg: Ja, Anfragen gab es in der Tat schon. Bis jetzt waren immer nur Freunde aus meiner Fetischcommunity dabei. Sie machen es alle aus Spaß an der Freude und unterstützen mich damit bei meinem Projekt.

Fesselblog: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, welcher wäre es?

Von Pfingstberg: Eigentlich bin ich wunschlos glücklich. Ich bin gesund, habe einen tollen Partner und lebe mein Leben nach meiner Fasson.

Fesselblog: Wo kann man euren Kalender erwerben?

Von Pfingstberg: Aktuell kann man den Kalender direkt bei mir unter info@vonpfingstberg.com erwerben. Eine Website mit Shop ist unter vonpfingstberg.com im Aufbau aber noch nicht ganz fertig.
Außerdem kann man ihn auch im GEAR Berlin Store und bei Tysk Berlin erwerben.

Von Pfingstberg – Der Fetisch-Kalender 2021 – Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von “Von Pfingstberg”
Von Pfingstberg – Der Fetisch-Kalender 2021 – Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von “Von Pfingstberg”

Fesselblog: Möchtet ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Von Pfingstberg: Mein Fetisch ist heute ein Teil von mir und gehört jeden Tag dazu, egal in welcher Form. Ich liebe und lebe ihn und bin stolz darauf. Das war anfangs nicht so leicht, aber mit der Zeit ist es für mich immer selbstverständlicher geworden. Nicht zuletzt durch die Community, welche ich heute meine zweite Familie nenne. Ich bin da von Anfang an positiv aufgenommen worden und glücklich ein Teil davon sein zu dürfen. In diesem Jahr wollte ich auch für den Titel “Mister Leather Berlin 2020” kandidieren. Durch Corona sind leider die Treffen und Veranstaltungen in diesem Jahr fast alle ausgefallen und auch unser Mittwochs-Stammtisch im Prinzknecht war sehr reduziert. Aber wenn das alles wieder vorbei ist geht es wieder los. Und dann traut euch Jungs einfach raus unter Gleichgesinnte. Es ist einfach toll zusammen ein Bierchen zu trinken und sich in Leder oder was auch immer, über Weltpolitik zu unterhalten, denn Fetischkerle machen auch nichts anderes *lach*.

Fesselblog: Vielen Dank für das tolle Interview und vielen Dank dafür, dass ihr die Fetischwelt ein Stück weit schöner gestaltet und sie auch so offen zeigt. Das macht vielen Personen Mut, diesen Schritt auch endlich zu wagen.


Hier geht es zur “Von Pfingstberg”-Website:
www.vonpfingstberg.com

Wer weiß, vielleicht braucht ja jemand von euch noch ein spontanes Weihnachtgeschenk. Wir haben den Kalender schon auf dem Schreibtisch stehen und freuen uns schon darauf, jeden Monat ein neues Bild zu entdecken.

An dieser Stelle nochmal der Aufruf an euch: Traut euch! Habt keine Angst euren Fetisch zu zeigen. Die Mitmenschen reagieren meist deutlich verständnisvoller, als man vermuten mag. Natürlich ist es in der Gruppe immer etwas einfacher. Vielleicht gibt es in eurem Freundeskreis ja auch noch jemanden, der nur darauf wartet sein Outfit endlich ausführen zu dürfen. Geht gemeinsam in die Welt hinaus und macht die Welt ein Stück weit bunter! Dankeschön!

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