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Unstillbare Lust vs. Vernunft

BDSM und Fetisch ist geil! Doch wir haben nie behauptet, dass es immer viel mit Vernunft zu tun hat. Oft überschreiten wir die Grenzen der Vernunft, nur um unserer Lust nachzugehen und das könnte negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.

Endlich eine Session! Endlich Spaß beim Bondage und in den geilen Fetisch-Klamotten. Eine herbeigesehnte bewusst geschaffene Situation, die niemals enden sollte… und doch tut sie das. Die Unzufriedenheit über die nur kurz andauernde Session ist für einige der Anlass ein Stück vom BDSM und Fetisch mit in die Realität zu nehmen.

Klingt nach einem guten Plan, doch auch dieser Plan sollte Grenzen haben. Ein Gummifetischist ist vor, während und nach der Session bestimmt gern in seinem Gummianzug. Aber auch unser Körper und unser Geist braucht Pausen. Das dauerhafte Tragen könnte zu Ausschlägen und Folgeschäden an der Haut führen.

Ihr erinnert euch an den Beitrag über gefesselt sein während der Nachtruhe. Jemand der das schon am eigenen Laub erlebt hat weiß, dass das oft nichts mit Schlafen zu tun hat, sondern eher nur ein “die Nacht verbringen” ist. Und wenn man dann am nächsten Tag in die Arbeit muss, dann ist das umso schlimmer. Nicht nur, dass Spuren einer Session sichtbar sein könnten, nein, auch unsere Leistung wird in der Arbeit aufgrund der körperlichen Erschöpfung zu wünschen übrig lassen.

BDSM und Fetisch sollte auf unseren Alltag keine negativen Auswirkungen haben. Doch lieber “nur” eine Session am Abend und für die Nacht keine Fesseln? Übung macht den Meister würden wir sagen, aber nicht, wenn am Folgetag geschäftliche Termine warten.

Genauso verhält es sich mit einem Keuschheitsgürtel (siehe im Vorschaubild einen Latowski Keuschheitsgürtel) oder Sklaven-Halsband. Wenn man es gewohnt ist, dann wird der Schlaf dadurch nicht oder nur wenig beeinträchtigt. Sklaven-Anwärter sollten sich vielleicht erst am Wochenende herantasten, damit man am Folgetag ggf. einfach im Bett liegen bleiben kann. Na vielleicht halten einen ja auch die Fesseln so fest, dass man gar keine Chance zum Aufstehen hat. Mit einer saugstarken Windel lässt sich die Liegezeit dann etwas erhöhen.

Und wer denkt, dass diese Erschöpfung nur auf einen Devoten zutrifft, der irrt sich. Gerade ein Top, der einen Sklaven in der Nacht gefesselt hat, wird mit einem Auge wach bzw. wachsam sein. Bei einer langjährigen BDSM-Beziehung trifft das auch zu, wobei das gegenseitige Vertrauen bis dahin soweit angewachsen ist, dass der Schlaf durchaus erholsam sein kann.

Es kann nicht nur zu einer körperlichen, sondern auch zu einer geistigen Erschöpfung kommen. Man sollte hier entsprechend auch außerhalb vom BDSM Energie und Ruhe tanken. Viele geübte BDSM-Spieler gewinnen bei einer BDSM-Session Energie zurück. Andere legen sich faul in die Sonne, und wieder andere machen vielleicht etwas Sport. Gerade bei längeren restriktiven Fesselungen kann Bewegung für Körper und Geist eine optimale Abwechslung sein.

Für den einen oder anderen kann es sein, dass sich hier Unzufriedenheit breit macht und die ungestillte Lust zu einer Frustration führt. Solche Menschen kann man vor einem Negativerlebnis leider nicht schützen. Es klingt vielleicht etwas gemein und gehässig, aber vielleicht muss man einmal eine schlaflose Nacht verbringen um festzustellen, dass Körper und Geist Grenzen haben. Wichtig dabei ist, dass man einen starken Partner an seiner Seite hat, der im Notfall die Reißleine zieht und die Langzeit-Session dann beendet.

Beim Selfbondage mit Zeitschlössern oder einem kSAFE sieht es dann anders aus. Hier sollte man die gewählte Zeit mit einem hohen Maß an Vernunft wählen… wo wir auch schon wieder beim Hauptthema sind. Hat BDSM und Fetisch viel mit Vernunft zu tun? Nein! Und warum machen wir das ganze Spiel dann? Na ganz einfach, weil es geil ist und weil wir bis zu einem gewissen Grad “bekloppt” sind und dazu stehen! BDSM ist geil, keine Frage, aber ihr solltet dennoch eure eigenen Grenzen und die eures Spielpartners kennen. Passt aufeinander auf!

3 Gedanken zu „Unstillbare Lust vs. Vernunft“

  1. Wunderbar geschrieben. Wirklich…
    Das Problem ist ja auch, dass man mit der Zeit immer mehr möchte.
    Immer länger gefesselt sein, immer länger ein Keuschheitskäfig tragen, immer mehr von dem was man gerne macht…
    Leider stumpft das auch einen mit der Zeit ab. Und wenn der “Geist” abstumpft” kann der Körper folgen.
    Hört sich im Moment irgendwie “Blöd” an, ist aber so.
    Wie schon im Beitrag beschrieben, man sollte die eigenen Grenzen und die des Partners kennen und auch einhalten und es nicht übertreiben. Auch wenn es einem schwer fallen sollte…
    Manchmal ist weniger mehr… 🙂

    1. Hallo Maskenfreund,
      genauso sieht es aus. Die Lust nach BDSM hat leider nicht immer etwas mit “Vernunft” zu tun. Man sieht auch, dass Theorie und Praxis hier teils stark abweichen (hier wird es in Kürze einen eigenen Beitrag geben, soviel als “Teaser“).
      Und es ist tatsächlich so, dass man mit dem Anstieg an Erfahrung durchaus abstumpfen kann und immer mehr will. Aber ob dieses “immer mehr” so vernünftig ist? Körper und Geist können durchaus an ihre Grenzen gebracht werden, doch sie permanent zu überschreiten wird uns auf Dauer zerstören. Man sollte gegenseitig im BDSM wachsen und sich eben nicht gegenseitig unnötig Leid zufügen.

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