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Urlaubsfetischismus

Jeder Fetischist lebt seinen persönlichen Fetisch auf seine Art aus. Die einen mehr, die anderen weniger. Während die einen ihren Fetisch gefühlt täglich ausleben, so blühen manche so richtig auf, wenn sie Urlaub haben. Und die Urlaubszeit steht vor der Türe…

Wie und wo verbringt ihr euren Urlaub? Im Süden am Meer? Am Strand unter Palmen? In den Bergen in einem Wellnesshotel? Oder in einem Kerker? Zugegeben, der letzte Vorschlag mag auf den ersten Blick etwas seltsam und deplatziert wirken. Dennoch planen immer mehr Personen ihren Urlaub so ein, dass sie ihren Fetisch hier ausleben können.

Raus aus dem Arbeitstrott!

Der Arbeitsalltag hat viele Menschen fest im Griff. Man steht früh auf, geht zur Arbeit, verrichtet dort seine Dienste um danach müde nach Hause zu kommen und sich am nächsten Tag dem selben Schicksal zu fügen. Manche schaffen sich hier einen hormonellen Ausgleich und leben am Feierabend ihre Leidenschaft für Fetisch und BDSM aus. Andere verlagern ihre Lustbefriedigung auf die Wochenenden, doch auch diese können mit Haushaltstätigkeiten, dem Wochenendeinkauf und sonstigen familiären Verpflichtungen gespickt sein. Doch er steht vor der Türe, der…

URLAUB!

Wo darf es dieses Mal hingehen? In ein Wellnesshotel oder in ein BDSM-Apartment? Für manche Personen mag es ein und das selbe Etablissement sein. Auch bei uns kann es passieren, dass wir für den Urlaub ein paar spezielle „Kleidungsstücke“ mehr im Gepäck haben. Ein zusätzliches Paar Stiefel, eine Lederweste und vielleicht noch ein paar Spielsachen. Und schon kann man im Hotelzimmer auch das eine oder andere kleine Abenteuer erleben. Und zum Abendessen im Kerzenschein lässt sich ganz hervorragend ein KG unbemerkt unter der Kleidung tragen. So lässt sich ein „normaler“ Erholungsurlaub im Hotel etwas aufpeppen.

Es gibt in Europa und auch in Übersee viele Fetisch-Veranstaltungen. „Folsom Street Fair“ in San Francisco, der Berliner Ableger „Folsom Europe“, „Wien in Schwarz“, „BoundCon“ in München, „Darklands“ in Antwerpen und viele weitere! Wir haben hier auch nur eine kleine Auswahl genannt, die die meisten Leser wahrscheinlich auch schon gehört haben. Viele Events sind oft nur auf einen Tag beschränkt und die Veranstalter sind örtliche Vereine oder Betreiber von Fetisch-Locations (z.B. Clubs oder Bars). Manche Events gehen über mehrere Tage und bieten ein volles Programm vor Ort.

Mittendrin statt nur dabei.

Wir haben mit mehreren Personen gesprochen, die gefühlt „auf jedem Sackhüpfen“ sind. Sprich die sind auf vielen Fetisch-Events und somit auch auf vielen Fotos zu finden, die im Internet (z.B. soziale Netzwerke) veröffentlicht werden. Doch wie machen diese Personen das nur? Die Antwort war simpel wie ernüchternd: Oft geht der komplette Jahresurlaub dafür flöten. Ein vermeintlich großes Opfer, nur um an diesen Events dabei zu sein.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob, wann und wo der jeweilige Fetisch ausgelebt wird. Doch scheint der Urlaub die perfekte Gelegenheit zu sein, um etwas tiefer in die BDSM-Welt einzutauchen und den Fetisch etwas ausführlicher auszuleben. So kann es passieren, dass ein Urlauber sich für eine Woche in einen dunklen Keller einsperren und dort anketten lässt. Ein sehnlicher BDSM-Wunsch, der sich im Arbeitsalltag nicht realisieren ließe.

Mehr Zeit für sich selbst.

Während eines Urlaubs kann man solche (möglicherweise mehrtätigen) Erfahrungen durchaus einplanen. Und eine mehrtätige Erfahrung kann auch das Tragen eines Halsbands oder eines Keuschheitsgürtels sein. Viele können in ihrem Beruf nicht „einfach mit abgeschlossenem Halsband“ aufkreuzen. Das würde bei manchen Arbeitgebern ein Verstoß gegen den Dresscode darstellen. Und gerade bei handwerklichen Berufen kann ein Halsband als „Schmuckstück“ deklariert werden und darf somit nicht getragen werden, da ggf. eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Bei einem Keuschheitsgürtel verhält es sich ähnlich. Ein Leser hat uns berichtet, dass er seinen KG nicht in der Arbeit tragen kann, weil er einen erhöhten Hygiene-Aufwand hat. Zuhause kann er nach dem Toilettengang ein Bidet benutzen, was die Hygiene stark erhöht und die Tragedauer seines KGs verlängert. Wenn er in der Arbeit mit KG aufs WC muss, dann kann es passieren, dass die Kollegen ihn sehr schnell „riechen“ können. Und im Urlaub stellt das kein Problem dar. Da wird zu Urlaubsbeginn der KG angelegt und für die Dauer des Urlaubs getragen.

Man muss für sich selbst überlegen, wie man seinen Urlaub genießen möchte:

  • Ein Urlaub fernab jeden Fetischs.
  • Ein paar Fetisch-Sachen in den Urlaubsort mitnehmen.
  • Mehrere Tage in einer BDSM-Location verbringen (z.B. BDSM-Apartment).
  • Während des Urlaubs bewusst Fetisch-Events besuchen.
  • Urlaub zuhause und hier den Fetisch mehr ausleben als im Alltag.
  • Urlaub zusammen mit Freunden und hier ein paar gemeinsame Abenteuer erleben.
  • etc. …

Es gibt auch Personen, die für ein intensiveres und mehrtätiges BDSM-Erlebnis keinen Urlaub einplanen müssen. Die Rede ist von Rentnern/Pensionären, Studenten, Arbeitssuchende bzw. Arbeitslose, Privatiers (soll es ja auch geben) und Personen, die ihre Vorliebe für BDSM und Fetisch zum Beruf gemacht haben. So gibt es Dominas und Dominos, die kostenpflichtig ihre Dienste anbieten. Es ist eine Gratwanderung, ob man dieses Gewerbe unter Prostitution laufen lässt. Prostitution gilt als ältestes Gewerbe der Welt und es ist (inzwischen) in Deutschland legal. Es gibt seit 2017 das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) und in diesem wird unter anderem eine Kondompflicht für den Geschlechtsverkehr vorgeschrieben. Eigentlich recht interessant, was in Deutschland alles mit entsprechenden Gesetzen und Verordnungen geregelt wird. Da erscheint es manchmal surreal, dass einige BDSM-Liebhaber bewusst noch mehr Regeln auferlegt bekommen möchten.

Kommen wir zurück zu Thema Urlaubsfetischismus. Nach mehreren Gesprächen in unserem Bekannten- und Freundeskreis lebt die Mehrheit der befragten Personen ihren Fetisch während des Urlaubs mehr und intensiver aus. Das bedeutet nicht, das der Fetisch abseits des Urlaubs nicht ausgelebt wird, nur eben nicht so „intensiv“. Und es muss ja nicht gleich der mehrwöchige Hardcore-BDSM-Urlaub im Folterkeller sein! Vielen reicht schon ein verlängertes Wochenende, um sich mehr im Bereich BDSM fallen zu lassen und den eigenen Fetisch besser genießen zu können. Es erleichtert ungemein, wenn man bei einer intensiven Session weiß, dass man am nächsten Tag nicht früh raus muss. Es kann sogar passieren, dass man für die Nachtruhe bewusst fixiert wird und somit liegen bleiben muss. Auch hier ist es vielleicht ratsam nicht gleich danach in die Arbeit zu müssen, denn gefesselt die Nacht verbringen ist nicht gleichzusetzen mit einen erholsamen Schlaf zu haben.

Und wie verbringt ihr euren Urlaub?

Schreibt uns gern eine Nachricht, wie ihr euren Urlaub verbringt. Seid ihr auf Fetisch-Events oder heißt es im Urlaub dann doch lieber nur Sonne und Strand? Wie erholt ihr euch und tankt Energie? Ist für euch eine BDSM-Session ein Energiespender oder braucht ihr nach einem intensiven BDSM-Erlebnis erst einmal Ruhe fernab von Ketten und Fixierungen?

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

4 Gedanken zu „Urlaubsfetischismus“

  1. Ein wunderbarer Beitrag. Auch ich nutze meinen Urlaub gerne, um tiefer in meine Fetische einzutauchen. Ich trage ab und zu Sachen, die ich Zuhause nicht tragen würde und versuche neue Dinge aus.
    Man hat dem Kopf frei von den ganzen Alltagssorgen und, sofern man weg von Zuhause ist, kennt einen keiner. Ein wichtiger Punkt wenn es um Dinge geht, die man in der Öffentlichkeit macht wie z.B. spezielle Kleidung oder Schmuckstücke zu tragen. Zudem hat man hat einfach Zeit, z.B. wenn man sich mit Freunden zu einer BDSM Session trifft. Ich genieße jeden meiner Urlaube, und sei es nur ein verlängertes Wochenende.

    1. Danke, Lars!
      In der Tat ist ein Urlaub (oder ein verlängertes Wochenende) auch perfekt geeignet um neue Dinge auszuprobieren. Und die vorhandenen Vorlieben können erweitert und vertieft werden!
      Weiter so!

  2. Nicht überfrachten!

    Ich glaube der wichtigste Tipp den es zu Festischspaß im Urlaub gibt ist, ihn nicht mit Erwartungen zu überfrachten. Da wurden im zermürbenden Alltag die eine oder andere Session ausgelassen („Hast du Lust?“, „Stressiger Tag, eher nicht.“, ”Okay!“) und jetzt soll im Urlaub alles nachgeholt werden.

    Macht es nicht! Der Erwartungsdruck bewirkt das genau Gegenteil. Die vollgestopften Taschen mit all den Lieblingstoys und Fetischklamotten können auch erdrücken und jede Lust killen.

    BDSM, Fetische, all das was uns bewegt, soll, wenn wir es auf den wesentlichen Punkt runterbrechen, Spaß machen!

    1. Die Erwartungshaltung ist natürlich sehr wichtig. Und man kann einen Fetisch auch nicht erzwingen. Ein erzwungener Fetisch ist nicht befriedigend. Nur den Fetisch auszuleben, weil es „im Kalender steht“ ist nicht empfehlenswert. Die Situation muss passen.

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