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Lernen sich zu fügen

Schon von klein auf wird uns beigebracht, dass wir uns zu fügen haben. Man muss seinen Eltern gehorchen, später muss man seinem Lehrer, gehorchen, dann dem Vorgesetzten in der Arbeit. Doch was ist, wenn man selbst derjenige ist, der den Ton angibt? Gerade im BDSM kann es sein, dass man wieder lernen muss, was es heißt sich zu fügen.

Egal in welchem Lebensabschnitt man sich gerade befindet, es gibt immer jemandem, der über einem steht. Vorgesetzte in der Arbeit, Politiker und viele andere Personen. Manche dieser Personen kann man sich selbst aussuchen und anderen kann man sich nicht freiwillig entziehen. Bei manchen Personen, die über einem stehen, entscheidet die Mehrheit. Bestes Beispiel ist hierfür die demokratische Wahl der Volksvertreter. Man gibt seine Stimme ab und die Mehrheit entscheidet. Das klingt vernünftig und auch gerecht. Ob man am Ende mit seiner Wahl zufrieden ist, das steht hier nicht zur Diskussion.

Ähnlich verhält es sich bei der Wahl der Lebenspartner oder auch Spielpartner, wenn wir uns den Bereich BDSM etwas genauer anschauen wollen. Ein BDSM-Liebhaber genießt das Machtspiel zwischen devot und dominant. Manche Personen sind von Grund auf eher unterwürfig und finden sich schnell in ihrer devoten BDSM-Rolle wieder. Andere genießen es Macht über Personen auszuüben und diese gehen auf der dominanten Seite in Stellung.

Manche Personen haben ihre Schwierigkeiten damit, sich fallen zu lassen. Verantwortung im Beruf, ein stressiger Alltag und gefühlt tausende Sorgen, die ihnen durch den Kopf schwirren. Solche Menschen würden sich meist schwer tun auch noch während einer BDSM-Session das Kommando zu übernehmen. Die devote Seite erscheint hier „sinnvoller“, da die Person hier die Kontrolle abgeben kann und sich einfach nur fügen muss.

Ausstieg aus der Selbstkontrolle

Und genau da wären wir auch schon beim Thema. Gerade Personen mit viel Verantwortung im privaten und beruflichen Umfeld können sich damit schwer tun die Kontrolle abzugeben. Es gibt Naturtalente, die den Schalter umlegen und von einem zum anderem Moment sich fallen lassen können. Andere benötigen hier eine gewisse Einführungszeit. Das ist gerade beim Geschlechtsverkehr nichts Neues. Auch hier gibt es das Vorspiel, warum sollte es auch beim BDSM anders sein?

Wie das Vorspiel und das Einstimmen auf eine BDSM-Session aussieht, das kommt auf die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen an. Der eine möchte gefesselt werden und die Augen verbunden bekommen, damit er nichts mehr sehen kann. Der andere lässt sich in einen Käfig sperren und harrt seiner Dinge, bis die „Behandlung“ durch den dominanten Partner erfolgt. Und wieder andere nehmen erst einmal eine erfrischende Dusche oder ein entspannendes Vollbad.

Wenn die BDSM-Session dann beginnt, sind die Rollen verteilt und der devote Spielpartner hat sich dem Willen des dominanten Partners zu beugen. Doch gerade in letzter Zeit ist uns aufgefallen, dass sich viele scheinbar devote Personen in den letzten Jahren einen durchaus zu erkennenden dominanten Ton angeeignet haben. Entsprechende Forderungen vor und während einer Session bleiben dabei nicht aus und man verkommt zum Service-Top und Wunscherfüller.

Der dominante Partner muss für sich selbst entscheiden, ob er sich auf der Nase herumtanzen lässt oder er dem devoten Spielpartner beibringt, was es heißt sich zu fügen. Es bedarf durchaus Übung sich dem Willen eines anderen Menschen zu beugen. Das betrifft beide Seiten. Der Dom muss lernen zu führen und der Sub muss lernen sich zu fügen.

Der Test – Ein Versuch

Wir haben einen Feldversuch mit einem Spielpartner gemacht. Eine dominante Person ist auf uns zugekommen und wollte lernen sich zu fügen und sich zu unterwerfen. Diese Herausforderung haben wir angenommen und so haben wir diese Person eingeladen. Nach einem kurzen Einführungsgespräch wurden die Grenzen abgesteckt und die Vorlieben besprochen, danach ging die Session los. Während der Session hat es unser Gast nicht geschafft sich fallen zu lassen, obwohl wir uns große Mühe gegeben. Schnell haben wir gemerkt, dass sich dieser Gast in der falschen Rolle befindet und so hat er versucht die Session aktiv zu lenken. Gemacht hat er das, in dem er sämtliche begonnenen Praktiken umgehend durch Aussprache des Safewords als Tabu deklariert hat.

  • Maske? Nein, das will ich nicht.
  • Halsband? Nein, das bringt mir nix.
  • Fixierung? Nein, das gefällt mir nicht.
  • Nippelspiele? Nein, das macht mich nicht an.
  • Sounding? Nein, da fühle ich nichts.
  • Knebel? Nein, das ist mir zu langweilig.

Das war jetzt nur eine sehr kleine Auswahl an Themen, welche umgehend von unserem Gast abgeschmettert wurden. Kurze Zeit darauf wurde die Session von uns abgebrochen und der Gast hat sich aufgrund eines vorgeschobenen Anschlusstermins schnell verabschiedet. Skurril war es im Nachgang, da der Gast die eigentlich nicht stattgefundene Session sehr genossen hat.

Rückwirkend betrachtet ist dieser Gast niemals auf die devote Seite gewechselt, sondern hat mit seiner Art seine persönliche dominante Art ausgelebt, hat sich aber eingebildet, dass es für ihn seine devote Seite war. Wir haben dann im gegenseitigen Einverständnis beschlossen, dass es ein einmaliger Versuch und die Chemie hier einfach nicht passend ist.

Die nächsten Schritte

Es folgten weitere Versuche selbst die Rollen zu tauschen und auch mit fremden Gästen den Horizont der Erfahrungen zu erweitern. Schnell haben wir festgestellt, dass es sehr unterschiedliche Motivatoren gibt einen Partner dazu zu bringen sich zu fügen. Die Aussicht auf eine Belohnung, der Wunsch sich zu fügen und natürlich der Zwang. Gerade beim Zwang kann es passieren, dass dieser nicht nur auf der verbalen Ebene bleibt, sondern es auch zu körperlicher Züchtigung kommt. Für einen Außenstehenden mag dies gewalttätig erscheinen, doch ist dies eine einvernehmliche Art der Gewalt. Manche Menschen benötigen diese Form von Schmerz um sich in ihrer Rolle fallenlassen zu können.

Es kann durchaus eine Herausforderung sein sich dem Willen seines Partner zu beugen. Man muss sich darauf einlassen können und sollte selbst nach dem Zwang das Eintauchen in diese Welt nicht die gewünschten Früchte tragen, dann sollte man für sich selbst abwägen, ob man diese Rolle weiterhin forcieren soll. Selbst wenn sich ein Mensch wünscht dominiert zu werden, so sind eben nicht alle dazu geboren sich zu unterwerfen.

Puristen, die ihre BDSM-Leidenschaft täglich ausleben, betrachten diese Welt mit anderen Augen als Personen, die BDSM nur ab und zu ausleben. Und auch hier möchten wir ein wichtiges Thema ansprechen. Nicht jeder BDSM-Liebhaber lebt seine Leidenschaft 24/7 aus. Es gibt Personen, die nehmen sich einfach nur ein paar Praktiken aus dem großen BDSM-Katalog heraus und peppen damit ihr Sexualleben auf. Gerade Personen, die nur einzelne Praktiken ausleben, tun dies oft im Verborgenen. Sie haben Angst vor einem Outing und möchten auch teils nicht mit anderen BDSM-Spielern in Verbindung gebracht werden, denn für eine außenstehende Person wird über einen Kamm geschert. Das liegt daran, dass oft die entsprechende Aufklärung zu diesem Thema fehlt. Wir leisten unseren Beitrag bei dieser allgemeinen Aufklärung zu unterstützen.

Wie ist das bei euch mit der Rollenverteilung? Habt ihr als dominante Person schon mal ausprobiert sich selbst zu fügen und unterwerfen oder habt ihr als devote Person schon einmal das Zepter selbst in die Hand genommen? Gerade wenn man mehrere Spielpartner hat, kann es sein, dass die Rollen hier getauscht werden. Beim einen Spielpartner unterwirft man sich und den anderen Spielpartner dominiert man lieber. Und solange das alles einvernehmlich ist, spricht auch nichts dagegen die Rollen zu tauschen und neue Erfahrungen zu machen. Es ist manchmal auch gut über den Tellerrand der eigenen (selbst bestimmten) Rolle hinauszusehen um die Gefühle und Emotionen des Spielpartners besser deuten zu können. Übung macht den Meister… oder Sklaven.

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

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