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Trivialität – Es kommt auf die kleinen Dinge an…

Viele Außenstehende sehen unter dem Begriff BDSM nur Menschen, die sich gegenseitig verprügeln und sich Schmerz zufügen. Diese Einstellung sorgt natürlich teilweise auch für Ablehnung. Doch ist BDSM so viel mehr als nur gegenseitig auf sich eindreschen. Es kommt vielmehr auf die ganz kleinen scheinbar trivialen Dinge an. Welche das sind lest ihr hier.

Jede Partnerschaft, egal wie diese auch aussehen mag, besteht aus Geben und Nehmen. Selbst eine Geschäftsbeziehung ist auf eine gewisse Art eine Partnerschaft. Man gibt Geld und bekommt dafür Ware und/oder Dienstleistung. Geben und Nehmen. Aber uns interessiert es dann doch eher in einer persönlichen bzw. privaten oder gar sexuellen Ebene.

Eine Partnerschaft oder Beziehung funktioniert nur, wenn beide Partner dafür etwas geben. Einseitige Beziehungen, auf denen der/die eine nur immer gibt und der/die andere nur immer nimmt, können auf Dauer nicht funktionieren. Jetzt werden sich vielleicht einige Leser denken, dass das doch genauso bei einer festen BDSM-Beziehung aussieht. Der dominante Partner nimmt und der devote Partner gibt. Doch das ist vollkommen falsch!

Auch in einer hierarchischen BDSM-Beziehung ist es ein permanentes Geben und Nehmen auf beiden Seiten.

Der Dominante gibt:

  • Erziehung
  • Geborgenheit
  • Sicherheit

und der Dominante nimmt sich:

  • sexuelle Verfügbarkeit seines devoten Partners
  • die Freiheit den devoten Partner zu formen, wie er es wünscht
  • die Freude, einen devoten Partner unter sich zu haben

Der Devote gibt:

  • die Kontrolle und Selbstbestimmung ab und ist absolut gehorsam
  • sich hin und lässt sich fallen
  • sich selbst nicht auf und lässt sich dennoch von seinem dominanten Partner formen

und der Devote erhält:

  • Erziehung von deinem dominanten Partner
  • Aufgaben, die seinen Tagesablauf formen
  • Liebe seines dominanten Partners

Natürlich gibt es noch viel mehr Beispiele über das Geben und Nehmen in einer BDSM-Beziehung. Aber reicht das schon alles? Kann man das alles in einen Sklavenvertrag schreiben, diesen unterschreiben und dann danach leben? Was ist, wenn der Alltag uns fest im Griff hat, man in die Arbeit muss und die Fremdbestimmung zu einem gewissen Teil vom Arbeitgeber aus kommt?

Hier kommen die “kleinen trivialen Dinge” zum Tageslicht. Wenn beide Partner berufstätig sind, dann kommen irgendwann beide nach Hause und geben sich ihrem gemeinsamen Ritual hin. Wenn man ehrlich ist, denkt man da unmittelbar an den sexuellen Akt, aber nein, es ist mehr. Das gemeinsame Gespräch. Das Interesse an der anderen Person. Den Partner aussprechen lassen und ihm oder ihr zuhören. Ein kleines Kompliment. Eine zärtliche Berührung. Ein kleines verschmitztes Lächeln. Eine brennende Kerze am Esstisch. Den Partner fragen, ob es ihm/ihr gut geht. – Klingt doch alles vollkommen normal? Das ist es auch! Warum sollten BDSM-Liebhaber und Fetischisten solche Trivialitäten nicht zu schätzen wissen.

Wenn es in den Bereich BDSM geht, dann gibt es auch viele Trivialitäten, die den Tag versüßen. Ein Keuschling zeigt zuhause sichtbar seinen Keuschheitsgürtel. Ein Sklave trägt sein Sklavenhalsband und kniet neben dem Tisch. Ein Fetischist zieht sich etwas “Schönes” an und fühlt sich damit wohl und zeigt seinem Partner seine innere und äußere Schönheit. Der devote Partner rückt den Stuhl des dominanten Partners hin. Der Devote öffnet zuvorkommend die Haus-/Wohnungstüre, lässt dem Dominanten den Vortritt und nimmt im Inneren angekommen die Jacke des Dominanten ab, um diese an die Garderobe zu hängen.

Die Liste könnte man ins Unendliche weiterführen. Das wesentlichste Element und das allerwichtigste Beispiel fehlt aber noch. Es ist etwas, was wir als kleines Kind beigebracht bekommen und viele Erwachsene im Laufe der Jahre vergessen. So klein und trivial und doch so groß und bedeutend. Es sind zwei Worte: Bitte und Danke!

Das ist für viele Leser jetzt natürlich so trivial und alltäglich, dass man das eigentlich gar nicht erwähnen bräuchte. Und dennoch ist es wichtig, dass auch wir Erwachsene diese Worte nicht nur benutzen, sondern deren Bedeutung dahinter auch verstehen.

Wann habt ihr euch zuletzt bei eurem Partner für etwas bedankt? Also jetzt nicht nur am Esstisch das obligatorische “Würdest du mir bitte das Salz reichen – Danke!”. Wir meinen eher: Danke, dass du mein Partner bist. Danke, dass ich IHRE Erziehung genießen darf, MASTER. Danke, dass SIE mir einen Keuschheitsgürtel angelegt haben und die Schlüssel sicher verwahren.

Aber auch auf der dominanten Seite darf ein Dank ausgesprochen werden: Danke, dass du meinen Befehlen folge leistest. Danke, dass du mir vertraust und dich in meiner Obhut fallen lassen kannst.

Und gerade das Vertrauen ist das höchste Gut in einer Beziehung. Bei einer BDSM-Beziehung ist das Vertrauen nur auf einer anderen Ebene angekommen, da meist gemeinsame Praktiken angestrebt werden, die ein sehr hohes Maß an Vertrauen erfordern, damit man sich auch wirklich fallen lassen kann.

Die ganzen kleinen Dinge… alles ist trivial und dennoch ist nichts trivial. Und so merkt man, dass BDSM viel mit einer “normalen” Partnerschaft zu tun hat. Warum denn auch nicht. BDSM ist eine der intensivsten Arten eine Partnerschaft auf einer sexuellen Ebene einzugehen. Und auch bei einer hierarchischen Beziehung darf man nie vergessen, dass wir alle Menschen sind und wir sollten uns alle mit Respekt begegnen.

Und jetzt geht die Frage an euch: Welche kleinen (scheinbar trivialen) Dinge sind euch in eurer Beziehung wichtig? Von “den WC-Deckel nach dem Toilettengang schließen” bis hin zu “den dominanten Partner kniend mit gesenktem Haupt in der Wohnung erwarten” ist ja theoretisch alles möglich. Doch was ist euch wichtig? Wir freuen uns auf eure Kommentare und Nachrichten!

2 Gedanken zu „Trivialität – Es kommt auf die kleinen Dinge an…“

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