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Theorie und Praxis

Unsere Fantasien und Vorlieben sind manchmal sehr farbenfroh. In der Wirklichkeit sieht es dann oft anders aus. Aber anders muss nicht gleich schlecht bedeuten. Dennoch sollte man die Brücke zwischen Theorie und Praxis herstellen und diese Welten miteinander verbinden.

Das berühmte Kopfkino entführt uns an wundervolle Plätze. Wenn wir die Augen schließen befinden wir uns in einem Kerker, der Raum wird von Kerzenschein erhellt und in der Ecke kniet ein Sklave, der nur darauf wartet die Wünsche seines Herrn von den Augen abzulesen. Doch wenn man die Augen aufmacht, findet man sich vielleicht allein im Home-Office wieder.

Viele BDSM-Liebhaber sehnen sich danach, ihre Vorlieben in die Tat umzusetzen und das Kopfkino lebendig werden zu lassen. Doch manchmal ist die Realität gar nicht so schön, wie man es sich vorab im Geiste ausgemalt hat. Doch woran liegt das?

Wenn wir unsere Fantasien spielen lassen, dann verbinden wir diese Gedanken mit entsprechenden Gefühlen. Manchmal werden aus diesen Gefühlen auch sexuelle Erregungen. Doch wenn man es real erlebt, dann sind diese Gefühle nicht oder nicht gleich vorhanden. Man muss erst seinen Körper dazu bringen, die realen Erlebnisse mit den gleichen Gefühlen und sexuellen Erregungen zu verknüpfen, wie das Kopfkino. Klappt oft, aber nicht immer.

Nehmen wir als Beispiel ein Knastevent. Es gibt einige devote BDSM-Liebhaber, deren größter Wunsch ist es einmal inhaftiert zu werden und ggf. Folterungen ausgesetzt zu sein. Diese Fantasie entsteht nicht an einem Abend, sondern reift möglicherweise über Wochen, Monate oder gar Jahre heran.

Die Verknüpfung mit der über diese lange Zeit gereiften Fantasie mit den Gefühlen bringt einen Menschen dazu, dass bereits bei kleinsten Indikatoren in diese Richtung die komplette Gefühlspalette bereitsteht. Es reicht das Geräusch von klickenden Handschellen oder der Anblick einer Festnahme in einem Spielfilm. Die Sehnsucht das selbst zu erleben ruft diese Gefühle hervor.

Doch was passiert, wenn man das jetzt wirklich erlebt? Wenn man festgenommen wird, Handschellen angelegt bekommt und hinter Schloss und Riegel kommt. Zu Beginn schüttet der Körper Unmengen von Adrenalin aus und der Körper befindet sich quasi in Alarmbereitschaft. In dieser Phase beginnt unser Kopf die Gefühle aus der vorangegangenen Fantasie mit der Realität zu verknüpfen.

Die Inhaftierung schreitet voran, man wird mit Handschellen gefesselt in eine Zelle geworfen, die Türe schließt sich und man wird allein gelassen. Das Adrenalin wird im Körper abgebaut und man beginnt in eine gewisse Leere einzutauchen. Eine Leere, welche “ungeil” sein kann und man ist kurz davor die Session abzubrechen. Es ist vielleicht physisch doch nicht “so toll” die Handschellen so lange dran zu haben. BDSM muss nicht immer bequem sein und obwohl man sich das über ggf. Jahre so ausgemalt hat in der Theorie, so sieht es in der Praxis anders aus.

Man braucht hier einen starken dominanten Spielpartner, der den Devoten durch diese Talfahrt führt, bis man sich gemeinsam nach und nach dem Höhepunkt nähert.

Man kann das auf viele andere Dinge auch projizieren. Das Knastevent ist nur ein Beispiel von vielen. Wir selbst haben auch schon die Erfahrung gemacht, als wir so manches BDSM-Spielzeug erworben haben. Im Internetshop sieht man das perfekte Bild und auch hier fängt unser Kopfkino an zu laufen. Doch wenn das entsprechende Produkt dann da ist, dann ist es vielleicht gar nicht passend für den persönlichen Einsatzzweck.

Eine gewisse Frustration macht sich durchaus breit und dennoch kann man sich nicht davor auf Dauer schützen in die Realität hinauszugehen. Man darf sich unter keinen Umständen nur in seiner eigenen Fantasiewelt bewegen, sondern sollte unbedingt hinaus in die Welt gehen und physische Erfahrungen sammeln.

Und auch in Zeiten, in denen man die Spielpartner gerade nicht persönlich sehen kann, so kann man doch einiges in den eigenen vier Wänden selbst erleben. Sei es das Tragen von Fetischkleidung oder eine Erfahrung in Selfbondage. Auch in einer Phase sozialer Distanz kann man sich und seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen und seinen Fetischen auf den Grund gehen und diese festigen.

Das Tragen eines Halsbandes und/oder eines Keuschheitsgürtels. Manche verbringen die Zeit vielleicht lieber nackt in den eigenen vier Wänden und lassen die Webcam mitlaufen, damit der dominante Partner immer im Bilde ist, ob der Devote immer noch nackt ist. Es gibt viele technische Möglichkeiten auch über die Ferne Kontakt zu halten.

Unser Appell an euch: Träumt nicht euer Leben, sondern lebt euren Traum. Verwirklicht eure Fantasien und seid nicht enttäuscht, wenn so manche Fantasie in der Praxis nur schwer oder gar nicht umsetzbar ist, oder vielleicht nicht die gewünschten Gefühle hervorruft, wie man es sich zuvor ausgemalt hatte.

Und vielleicht entdeckt ihr ja in der nächsten Session etwas vollkommen neues, was ihr euch bisher gar nicht vorgestellt habt und somit bekommt ihr neues Futter für eure nächste Reise ins Kopfkino. Passt aufeinander auf!

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