SPI Bavaria

Glückseligkeit des Südens und der ganzen Welt

Es wird bunt! Es wird glitzernd! Aber es wird auch ernst! Der Fesselblog hat die „Schwestern der Perpetuellen Indulgenz“ in Nürnberg anlässlich der Wahl zum „Mr Fetish Germany 2018“ getroffen und wir waren sehr überrascht, wie vielfältig deren Einsatzgebiet ist. Lasst euch überraschen.

Büstenhalter auf dem Kopf, bleich geschminkte Gesichter, bunte Kleidung und teilweise auch hochhackige Schuhe. Die Optik mag vielleicht an eine Klosterschwester erinnern, die mit einer Farbpalette kollidierte und anschließend mit Glitzer überzogen wurde. Aber ist es die Optik die zählt? Zumindest fällt man mit solch einem Outfit auf und Aufmerksamkeit können die Schwestern gut gebrauchen.

Drehen wir die Zeit ein bisschen zurück und reisen 39 Jahre zurück ins Jahr 1979. Hier traten die Schwestern zum ersten Mal in San Francisco in Erscheinung. Hier ist bis heute auch noch das „Mutterhaus“ und es gibt über die verschiedensten Länder der Welt Häuser verteilt, bzw. sogenannte „Abteien“. In Deutschland wurde 1991 in Heidelberg das erste Haus gegründet und in München gibt es seit dem Jahre 2013 die „Abtei Bavaria“.

Seit fast 40 Jahren also sammeln die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Spenden für soziale Zwecke der „LGBT“-Community (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). Seit den frühen 80er Jahren setzen sie sich auch für das Thema „Safer Sex“ ein und haben international inzwischen ca. 2000 ehrenamtliche Mitglieder.

Zurück zum Erscheinungsbild, was teilweise sehr aufwändig gestaltet ist. Das bleich geschminkte Gesicht symbolisiert den Tod und der Kontrast mit den bunten Farben stellt hier das Leben und die Freude dar. Die nachempfundene Ordenstracht à la „Sister Act“ oder „The Sound of Music“ ist tatsächlich optisch an Nonnen angelehnt. Ordensschwestern haben früher auf der einen Seite Kranke gepflegt (deshalb sagt man heute noch „Krankenschwester“) und auf der anderen Seite waren Ordensschwestern auch oft als (Religions-)Lehrerinnen in Schulen aktiv und hier sind sie teilweise noch heute.

Das Einsatzgebiet von „Schwestern“ ist also sehr vielfältig und so geht es unseren Schwestern auch heute in ihrer bunten Arbeitskleidung. Und der Name „Perpetuelle Indulgenz“ bedeutet grob übersetzt so viel wie „fortwährende Lebensfreude“ und diese wollen Sie auch verbreiten. Genuss am Leben und das immer und überall.

SPI Abtei Bavaria - copyright 2018, fesselblog.de
SPI Abtei Bavaria – copyright 2018, fesselblog.de

Kommen wir zu den Schwester aus der Abtei Bavaria, denn wir hatten natürlich auch ein paar kritische Fragen. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön an euch, dass ihr euch trotz der Moderation der Abendveranstaltung Zeit für uns genommen habt!

Die farbenfrohe „Dienstbekleidung“ und die geschminkten Gesichter haben wir uns schon genau angeschaut. Die Schwestern sind an sich nicht „vermummt“, sondern nur geschminkt. Auf Demonstrationen gilt in Deutschland das Vermummungsverbot. Trotzdem gab es schon „Rügen“ von diversen Gesetzeshütern, da das geschminkte Gesicht die Herren doch als zu sehr „entstellt“ deklariert haben und daher mit einem Vermummen gleichgesetzt haben. Solche Konflikte werden aber nicht bewusst gesucht und die Deeskalation solcher Situationen wird den Schwestern bei der Ausbildung auch beigebracht. An dieser Stelle sei erwähnt, dass unter der farbenfrohen Ordenstracht nicht nur Herren, sondern auch Damen und Transsexuelle als Schwestern aktiv unterwegs sind.

Natürlich sind wir neugierig und wollten erfahren, welche Personen denn dahinter stecken, aber uns wurde versichert, dass diese Personen heute nicht anwesend seien, sondern nur die Schwestern. Man muss natürlich auch bedenken, dass die Schwestern von Personen verkörpert werden, die beruflich wie privat mitten im Leben stehen. Auf der einen Seite finanzieren sich die Schwestern privat, auf der anderen Seite wird deren Privatsphäre auch respektiert. Jede Schwester trägt ein Namensschild mit jeweiligem „Schwestern-Namen“ und mit diesem dürfen die Schwestern auch angesprochen werden.

Es wurde gerade auch eine „Ausbildung“ angesprochen, ja ganz richtig! Denn man kann sich nicht einfach verkleiden und von sich behaupten man wäre eine Schwester der Perpetuellen Indulgenz. Es gibt einen gewissen Aufnahmeritus und nicht jeder ist für dieses Ehrenamt geeignet. Zudem suchen die Schwestern die Mitglieder in ihrer Abtei selbst aus und bekommen diese nicht vom Mutterhaus diktiert. Wie wir von einer langjährigen Schwester (inzwischen 18 Jahre dabei) erfahren haben, muss man das Schwesterndasein im Herzen haben. Und dies kann man nicht erzwingen. Entweder man ist dazu geboren oder eben nicht. Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht auch anderweitig gemeinnützig engagieren und anderen Menschen helfen kann. Jeder der helfen möchte soll auch die Chance dazu erhalten.

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz sind zudem auch in (nach außen hin erkennbaren) männlicher Begleitung unterwegs, sogenannte „Guards“. Ja in der Tat sind diese Herren auch zum physischen Schutz der Schwestern da. Die Guards erhalten die gleiche Ausbildung, wie jede Novizin in der Abtei und sind vollwertige Mitglieder bei den Schwestern.

Sie sind wirklich wunderbare und faszinierende Menschen und wir freuen uns auf jedes einzelne Treffen mit ihnen, welches noch in der Zukunft kommen mag. Wir werden die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz jedenfalls weiterhin „im Auge behalten“ und sie auf dem einen oder anderen Weg ein Stück weit begleiten.

Lange habe wir uns überlegt, was wir alles in diesem Artikel schreiben, denn es fällt uns in der Tat schwer die richtigen Worte zu finden um den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz gerecht zu werden und sie entsprechend zu würdigen.

Liebe Schwestern der Perpetuellen Indulgenz aus der Abtei Bavaria, vielen Dank für euer Wirken in der Community. Verbreitet weiterhin viel Lebensfreude und Glitzer in der Welt. Es ist ein schwerer Weg Aufklärungsarbeit zu leisten und den Menschen zu helfen. Jeder Weg beginnt mit einem Schritt und auch wir wollen diesen Schritt machen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel die Menschen ein Stückchen mehr auf euch aufmerksam machen können, sodass euer Wirken noch größer wird. Vielen Dank und macht bitte weiter so!

Den direkten Kontakt zu den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Abtei Bavaria erhaltet ihr auf deren Website und Facebook-Seite.

2 Gedanken zu „Glückseligkeit des Südens und der ganzen Welt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

acht − eins =