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Rot, Orange, Gelb, Grün, Königsblau, Violett

Am Ende des Regenbogens findet man einen Topf voll Gold. Aber gefunden hat diesen noch niemand. Inzwischen werben viele Firmen mit der Regenbogenfahne, um auf ihre Offenheit aufmerksam zu machen. Nur eine Marketingstrategie oder doch ein geistiger Umbruch? Und in der LGBT-Community selbst entfacht ein Streit über ein Redesign des langjährigen Symbols.

Vor einigen Jahren war ein sehr guter Freund von uns als Lieferant (und Zivilist) in einer Bundeswehrkaserne. Auf seinem Auto die Regenbogenfahne als Aufkleber. An der Pforte wurde er darauf angesprochen:

Soldat: Das ist ja lustig! Sie haben eine Friedensflagge auf dem Auto und besuchen uns in der Kaserne!

Zivilist: Nein, das ist keine Friedensflagge, das ist die Flagge der Lesben- und Schwulenbewegung und ich bin stolz darauf homosexuell zu sein!

Soldat: Sehr interessant. Ein Kamerad von uns hat das auch auf seinem Auto. Da muss ich mal genauer hinschauen!

Inzwischen gibt es einige verschiedene Regenbogenfahnen und LGBT-Symbole (LGBT = Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender). Die Flagge, die am weitesten verbreitet ist, hat sechs Farben und diese Farben und deren Bedeutung wollen wir euch erklären:

  • Rot = „Leben“
  • Orange = „Gesundheit“
  • Gelb = „Sonnenlicht“
  • Grün = „Natur“
  • Königsblau = „Harmonie“
  • Violett = „Geist“

Im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte sind viele weitere Flaggen dazu gekommen. So gibt es für die Lederszene, Lesben, Bisexuelle, Pansexuelle, intergeschlechtliche Personen, Transsexuelle und für viele weitere Personengruppen eine eigene Flagge. Es geht sogar soweit, dass sich bestimmte Personengruppen mit der ursprünglichen Regenbogenfahne nicht identifizieren konnten und es so nach und nach ein „Redesign“ der Flagge gegeben hat. Gefühlt kommen jährlich neue Farben mehr dazu, einen Keil und auch noch ein Kreis. Wir selbst sind vor einer solchen „neuen“ Flagge gestanden und wussten mit den zusätzlichen Farben und Formen nichts anzufangen. Und aus der Abkürzung LGBT wurde LGBTQIA+ bzw. LGBTQIA* (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual und der Stern oder das Pluszeichen als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten). Nachdem wir uns darüber selbst aufgeklärt haben kam die nächste Frage: Braucht es das wirklich?

Warum gibt es scheinbar Personengruppen innerhalb einer Community, die sich mit Leben, Gesundheit, Sonnenlicht, Natur, Harmonie und Geist (Geist im spirituellen Sinne) nicht identifizieren können? Wir haben leider keine Antwort darauf. Fakt ist, dass jeder Mensch in seiner Individualität sich entsprechend Gehör verschaffen möchte. Die Frage ist um welchen Preis? Steht denn die Regenbogenfahne nicht an sich schon für Vielfalt?

Ein ähnlicher Nebenkriegsschauplatz ist das sogenannte „Gendern“, also eine möglichst neutrale Ansprache, bei der sich möglichst alle Personengruppen angesprochen fühlen. „Mitarbeiter:innen“, „Bürger:innen“,… wir haben ehrlich gesagt die Schnauze gewaltig voll davon. Warum sollten wir auf diese stupide Weise die deutsche Sprache dermaßen malträtieren? Wenn eine Person unbedingt gendern möchte, dann sollte diese Person auch anstatt „sehr geehrte Damen und Herren“ von nun an „sehr geehrte Herr:innen“ schreiben. Das ist im Bezug auf BDSM schon fast wieder lustig. Aber eben nur fast, denn eigentlich ist die Diskussion traurig!

Im Ernst: Auch wir wurden gefragt, warum wir in unseren Blogbeiträgen nicht „gendern“. Wir haben uns dazu entschieden vorrangig in der männlichen bzw. geschlechtsneutralen Form zu schreiben. So ist meistens die Rede von „dem Dominanten“ oder einer „dominanten Person“. Wenn wir Erfahrungsberichte von Frauen einfließen lassen, dann werden wir auch die weibliche Form verwenden. Unserer Meinung nach stört das Gendern den Lesefluss immens. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir es auch in Zukunft nicht anwenden werden.

Nur weil eine Firma mit der Regenbogenfahne und „Diversität“ wirbt und mit Gerndersternchen möglichst alle Personengruppen „politisch korrekt“ anspricht, deutet das noch nicht auf Weltoffenheit hin. Leider ist es (nicht selten) nur eine Marketingstrategie. Es gibt aber zum Glück auch positive Ausnahmen, die damit werben und diese Philosophie und Offenheit auch leben.

Wir hoffen sehr, dass wir jetzt niemanden persönlich angegriffen haben. Alle Personen, die eine Vorliebe für BDSM und Fetisch haben, sollen sich auf unserem Blog angesprochen fühlen. Und das geht unserer Meinung nach auch ohne Gendersternchen. Und wenn wir mit diesem Beitrag doch jemanden persönlich oder eine Personengruppe beleidigt haben, dann möchten wir uns hiermit entschuldigen.

Akzeptiert und respektiert einander. Nur weil jemand „anders“ ist, muss man diese Person nicht ausschließen. Jeder BDSM-Liebhaber weiß, was es bedeutet „anders“ zu sein, nicht der „Norm“ zu entsprechen und andere Gedanken zu haben als gefühlt alle Mitmenschen. Egal welche sexuelle Identität, welche Sexualität und welche sexuellen Vorlieben ihr habt, ihr seid einzigartig und wundervoll. Danke, dass es euch gibt und danke, dass ihr den Beitrag bis zum Ende gelesen habt.

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

3 Gedanken zu „Rot, Orange, Gelb, Grün, Königsblau, Violett“

  1. Ich find die Fahne schnulli! Wozu brauche ich sowas für meine Sexualität? Schon gar nicht, um sie raus zuposaunen! Was ja niemand was angeht und auch die wenigsten interessiert. Ist in meinen Augen nur aufdringlich.
    Ich bin stolz drauf, den lebenslang in mir drängenden Trieb erfüllt zu haben, meine Eier zu killen und dann kastriert worden zu sein vor knapp zwei Jahren. Meinen Wunsch nach Jungen/Männern habe ich nie ausleben können, aber vier Kinder mit einem süßen Mädchen gezeugt und in der Folge fast ne Fußball-Elf Enkel geerntet.
    Aber Fahnen sind was für Vereine und Völker/Nationen, doch niemals sexuelle Veranlagungen, genau so wenig wie Sex in die Öffentlichkeit gehört!

  2. „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert“

    Ich befürchte, an dem Sprichwort ist viel Wahres dran. Natürlich ist es nachvollziehbar, sich in der eigenen sexuellen Identität repräsentiert zu sehen. Ein farbiger Streifen mehr. Ein zusätzlicher Buchstabe. Wo ist das Problem? Wir sind doch inklusiv und verurteilen Ausgrenzung und Diskriminierung?

    Ganz so einfach ist die Sachelage dann doch nicht. Jedem zusätzlichem Buchstaben, Zeichen, Farbe schließt zwar eine Gruppe ein, aber meistens weit mehr Personen aus. Je stärker wir beginnen, unsere Identitäten auszudifferenzieren, desto mehr betonen wir auch das Trennende, also dass, was einen Farbsteifen von einem anderen unterscheidet.

    Zu abstrakt? Nun, machen wir es konkret. Im kanadischen/nordamerikanischen Umfeld wird die Ziffer „2” für die Identität der „Two spirit persons/people“ verwendet, basierend auf der kulturellen Idee, dass mehr als ein „Geist“ in uns wohnt und unsere Identität(en) bestimmt. Kann ich mich als solch ein Wesen selbstbestimmt identifizieren? Nein, kann ich nicht. Denn dies wäre kulturelle Aneignung, das das „Two Spirit“-Konzept der indigenen Bevölkerung vorbehalten ist.

    Wir trennen. Wir seprarieren. Wir grenzen aus. Mit der zunehmenden Ausdifferenzierung betonen wir die Unterschiede und nicht das Einende.

    Die wunderbare Idee der Regenbogenflagge war ihre Unschuld und Naivität. Eine Farbe stand eben nicht explizit für L, G oder T. Die Regenbogenflagge war ein großer Regen-/Sonnenschirm unter dessen Symbolkraft jeder, jede, jedes Platz finden konnte.

    Um es ganz klar und deutlich zu betonen: Ich verstehe den Wunsch derer, die sich nicht repäsentiert fühlen mit Hilfe eines zusätlichen Buchstabens etc. mit unter den Schirm der Comunity zu schlüpfen. Nur, ihr wart dort schon immer!

    Vielleicht sollten wir von vorn beginnen und ein Symbol finden, dass nicht das Trennende sondern das Einende betont.

    PS: Als Latex-/Gummi-Gimp hab ich mit der Latexflagge natürlich auch ein Comunitysymbol. Nur, ich finde es sieht scheiße aus 😭! Es ist so langweilig, uninspiriert und die Farben sind fürchterlich.

    1. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Das ist eine Einstellungssache. Ja es ist wichtig, dass man auf sich selbst aufmerksam macht und für seine Rechte kämpft.

      Doch sollte man sich auch als Teil einer bestehenden Gesellschaft sehen. Die Frage ist eher, warum das manche Personen eben nicht können…

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