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Pheromone und Duftstoffunverträglichkeit

Riechen ist einer unserer fünf Sinne. Unsere Nase nimmt Gerüche wahr und gibt entsprechende Botschaften an unser Gehirn weiter. Doch manche künstlich hergestellten chemische Stoffe können unsere Nase täuschen und sonst natürliche Gerüchte gehen bei all der Chemie unter. Fluch oder Segen?

Jemanden gut oder nicht riechen können

Jeder kennt das Sprichwort, dass man jemanden gut riechen kann oder eben nicht riechen kann. Jemanden „gut riechen“ zu können bedeutet, dass man diese Person gern hat. Und jemanden „nicht riechen“ zu können bedeutet im Umkehrschluss, dass man für diese Person eher Antipathie empfindet. Doch dabei handelt es sich nicht nur um ein Sprichwort, sondern hat eine tiefere Bedeutung, die sich eher in unserem Unterbewusstsein abspielt. Ein paar Fakten dazu:

  • Genetik & Immunsystem: Jemanden „riechen zu können“ hängt mit unserem Immunsystem zusammen, genauer gesagt mit den Genen des sogenannten HLA-Systems (Humane Leukozyten-Antigene). Unbewusst bevorzugen wir Menschen, die sich genetisch in ihrem Immunsystem von unserem unterscheiden. Das erhöht die Chance auf gesunden Nachwuchs.
  • Pheromone: Unser Körper verströmt über Schweiß und Hautdrüsen chemische Botenstoffe, sogenannte Pheromone. Diese Signale nehmen wir unbewusst wahr. Sie lösen unmittelbar Anziehung, Vertrautheit, aber auch Abneigung aus.
  • Emotionen & Erinnerungen: Das menschliche Riechorgan ist direkt mit dem limbischen System verbunden – dem Teil des Gehirns, der für Emotionen und Erinnerungen zuständig ist. Deshalb verknüpfen wir bestimmte Gerüche sofort mit Gefühlen. Ein Geruch kann somit auch als Trigger eingesetzt werden, der bestimmte Emotionen bewusst hervorruft.
  • Lernprozesse: Auch wenn uns der Duft einer Person anfangs abstößt oder neutral ist, ist dieses Urteil laut Forschungen nicht immer in Stein gemeißelt. Zuneigung und positive gemeinsame Erlebnisse können unsere Wahrnehmung verändern, sodass wir unser Gegenüber im Laufe der Zeit besser riechen können.

Tarnen und Täuschen

Die Industrie sorgt seit vielen Jahren dafür, dass der menschliche Eigenduft in den Hintergrund rückt. Angefangen beim Deodorant, über parfümierte Seife bis hin zum Eau de Toilette. Der Eigenduft des Menschen wird zum Teil entfernt und größtenteils mit künstlich hergestellte Duftstoffen überdeckt. Unsere Nase nimmt folglich nicht mehr körpereigenen Pheromone unserer Mitmenschen wahr, sondern nur noch Produkte aus dem Einzelhandel. Es geht sogar so weit, dass manche Personen schier in einer Wolke künstlicher Chemie ihr Umfeld verpesten. Manche Mitmenschen vergleich diesen Gestank mit einem feindlichen Angriff auf ihr Sinnesorgan (Nase) und den damit verbundenen physischen Schmerzen.

Duft vs. Gestank

Das Empfingen von Gerüchen ist stark von der jeweiligen Person abhängig. Was die einen als wohlduftend und angenehm empfinden, das ist für andere grobe Körperverletzung. Manche Personen agieren beim Auftragen ihrer Duftschichten nach dem Prinzip „viel hilft viel“ und so ziehen sie beim Laufen in der Öffentlichkeit eine Wolke nach sich. Bei einer Duftstoffunverträglichkeit (chemisch-irritativ) reagieren betroffene Personen unmittelbar nach dem Einatmen entsprechender chemischer Stoffe, insbesondere auf den Schleimhäuten der Atemwege, Augen und Haut. Wir haben in unserem „Dunstkreis“ (kleiner Wortwitz) eine betroffene Person, die bei einer Vielzahl von Deos und Parfums allergisch reagiert, sobald er diese einatmet. Allein schon das Einkaufen im Supermarkt kann eine Herausforderung sein, wenn man auf solche Gerüchte allergisch reagiert und ein paar Personen sich massiv „eingedieselt“ haben.

Andere Reaktionen

Düfte können aber viel mehr als nur ein Indiz dafür sein, ob man jemanden mag oder eben nicht mag. Es gibt Stoffe, die in unserem Körper mehr auslösen können, zum Beispiel eine Erweiterung der Blutgefäße. Diese Wirkung ruft unter anderem das sogenannte „Poppers“ hervor, welches ursprünglich als Herzmedikament entwickelt wurde. Viele Personen erinnert der Geruch an flüssige Farbe oder Lack oder andere Lösungsmittel aus der Baubranche. Beim Sex kann die temporäre Gefäßerweiterung und den damit verbundenen größeren Blutfluss luststeigernd sein.
Warnhinweis: Wer den Wirkstoff Sildenafil, den meisten als Handelsname Viagra bekannt, einnimmt, der sollte auf Poppers gänzlich verzichten. Sildenafil sorgt ebenfalls für eine Erweiterung der Blutgefäße. Dieser Warnhinweis sollte normalerweise auch auf dem Beipackzettel stehen, bitte dies zu beachten!

Reiniger, Klebstoffe, Benzin,…

Wer von euch hat als Schulkind schon einmal am Kleber geschnüffelt? Wobei nicht der Leim an sich geschnüffelt wird, sondern das sich schnell verdunstende Lösungsmittel darin. Waren wir als Kinder schon angehende Junkies? Spaß beiseite, denn diverse „Schnüffelstoffe“ können ernsthafte Schäden an den Atemwegen (besonders an den darin befindlichen Schleimhäuten) anrichten. Solche Stoffe führen oft zu Übelkeit, Schwindel oder gar Bewusstlosigkeit. Die wohl gängigste Methode, um jemanden durch das Einatmen eines Duftstoffes zu narkotisieren, ist Trichlormethan – den meisten wohl besser bekannt als „Chloroform“. Auch hier gibt es innerhalb der BDSM-Szene wilde Fantasien, gerade bei Entführungsszenarien. Sich mit Chloroform betäuben und entführen lassen und dann gefesselt und einem BDSM-Kerker aufwachen. Wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, diese Fantasie nicht mindestens einmal in unserem Geiste gehabt zu haben.

Exkurs zum Thema Benzin: An Tankstellen ist der typische Geruch eine Mischung aus verdampftem Kraftstoff, den Kaffeearomen der Tankstellen-Shops und Duftstoffen, die gezielt eingesetzt werden, um ein einladendes Kauferlebnis zu schaffen. Der dominante Benzingeruch entsteht chemisch durch flüchtige Kohlenwasserstoffe wie Benzol, die dem Benzin beigemischt sind. Ein Leser berichtete uns, dass er sich gern auf Tankstellen aufhält, da ihn dieser Geruch erregt. Für ihn ist der Geruch von Benzin ein „männlicher“ Duft und erinnert ihn an große und schwere Kraftfahrzeuge.

Körpereigene Pheromone

Wenden wir uns von der Industrie und den künstlich hergestellten Duftstoffen ab, denn unsere Nase kann sehr viel entdecken. Was würdet ihr in einer Session lieber riechen: Den salzig schmeckenden Körperschweiß eines geliebten Menschen oder einen Moschusbock?

Exkurs zum Thema Moschus: Ursprünglich wurde natürlicher Moschus aus den Duftdrüsen (Moschusbeuteln) männlicher Moschustiere gewonnen. Dafür mussten die Tiere getötet werden. Aus Gründen des Artenschutzes ist dieser Vorgang heute streng verboten. Die Parfümindustrie nutzt heute fast ausschließlich synthetisch hergestellten Moschus.

Also uns ist der körpereigene Duft eines Menschen viel lieber, als aufgetragene Chemikalien. Wobei gerade im Fetischbereich der Geruch bestimmter Kleidungsstücke auch ihren Reiz haben. Die wohl markantesten Dürfte werden wohl die von Leder und Gummi sein. Der Ledergeruch ist stark vom Gerbprozess abhängig. Neuer Lederduft stammt oft von natürlichen Gerbstoffen oder Resten von Ölen und Fetten, während unangenehmer Geruch auf Feuchtigkeit oder minderwertige Verarbeitung hinweist. Gummigeruch stammt meist von ausdünstenden Weichmachern, wie zum Beispiel „VOC“ (Volatile Organic Compounds), in neuen Produkten oder von Reibungshitze. Beide Gerüche, also von Leder und von Gummi, sind in der Fetischszene weit verbreitet und werden von betroffenen Personen auch als angenehm oder sogar sexuell erregend empfunden. Diese Gerüche in Verbindung mit körpereigenen Pheromonen können bei vielen Fetischisten für ein intensives Schnüffelerlebnis sorgen. Zudem nehmen die entsprechenden Kleidungsstücke, zum Beispiel eine Lederhose, den Körpergeruch auf und die Haut nimmt (zumindest temporär) auch den Geruch des Kleidungsstückes an. Nach ein paar Stunden im Gummianzug riecht man also auch selbst noch etwas nach Gummi. Allerdings verfliegt dieser Geruch nach ein paar Stunden.

Eure Meinung

Wie geht ihr mit dem Thema „Düfte“ um? Darf man euch riechen oder verwendet ihr lieber Deo und/oder Parfum? Gibt es vielleicht Situationen, bei denen ihr bewusst auf solche Produkte verzichtet, damit man „euch riechen“ kann? Und wie sieht es mit dem Tankstellenduft aus – geil oder eklig? Schreibt uns gern eure Meinung zu diesem Thema, wir freuen uns auf eure Zuschriften.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

4 Kommentare zu „Pheromone und Duftstoffunverträglichkeit“

  1. Hi Dennis, das passiert mir regelmässig, das ich bestimmte Personen die mir durchweg sympatisch sind nicht riechen kann. Man hat in meinem Alter mit 60 plus doch schon eine bestimmte Erfahrung und Menschenkenntnis. Wir haben im Moment in der Theatergruppe meines Mannes einen Kumpel der äusserst sympatisch ist und mit dem man sich auch auf ordentlichem Niveau unterhalten kann. Er strahlt jedoch schon kurz nach dem Duschen einen Körpergeruch aus der an der Grenze zum Abstossenden ist. Das emfinde ich jedoch nicht alleine so, sondern die Meisten in der Gruppe auch. An mangelnder Körperhygiene liegt Es bei Ihm nicht. Die Sache kann anstrengend sein, man lernt mit der Zeit eine Ignoranz gegenüber dem Geruch, was nicht einfach ist. Er wurde Anfangs angesprochen und wird Es auch noch von Leuten, die Ihn nicht kennen, oder man merkt Es an Reaktionen Aussenstehender. Übel für Ihn und Andere, die auch diese Ausstrahlung haben. Ich habe trotzdem, das ich sehr starker Raucher bin ein sensibles Geruchsemfinden welches man dann auch erst mal in Zaum halten muss, damit der Kopf sich nicht wehrt. Wichtig, auch Menschen, die man vermeintlich nicht riechen kann müssen nicht immer gemieden werden. Das Zusammenkommen kann jedoch eine grosse Herausforderung sein.
    LG.

    1. Hallo niewol, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.
      Das ist tatsächlich ein Sonderfall, den wir in unserem Beitrag nicht berücksichtigt haben. Es kann also durchaus sein, dass man eine Person mag, aber sie nicht riechen kann. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Personen, welche man nicht riechen kann, und man aber dennoch gezwungen ist, sich mit ihnen abzugeben. Klassisches Beispiel können (unliebsame) Arbeitskollegen sein, denen man sich nicht entziehen kann. Gut man könnte sich ihnen entziehen, indem man die Arbeitsstelle wechselt.
      Dann hoffen wir mal, dass du dich weiterhin auf dein gutes Geruchsempfinden verlassen kannst.

  2. Tankstellenduft – männlich? Hab ich ehrlich gesagt noch nie ernsthaft drüber nachgedacht. Da ich aber Young- bzw. Oldtimer fahre (das ‚Baby‘ mit den Eierschalen an den Außenspiegeln ist Baujahr 1999, alle Anderen sind deutlich älter) habe ich diese gewissen Ausdünstungen sozusagen serienmäßig.
    Ist es das, was mich zu den Oldies hinzieht…? Jetzt habt Ihr mir was zum nachdenken gegeben, besten Dank dafür. Ich hatte schon überlegt was dieses Thema mit unserem Thema zu tun hat, aber der Geruch nach Leder… Nähe zu der jeweils anderen Person, deren Ausdünstung, doch macht Sinn.

    Dass ich bestimmte Personen – von mangelnder Körperhygiene mal abgesehen – nicht riechen kann, kommt eher selten vor, wobei ich der Fußball-Unkleiden-Badeschlappenromantik nix abgewinnen kann. Pflegeprodukte? Ich benutze eigentlich nur Seife/Duschgel und sehr alte, klassische Düfte als Rasierwasser und die wechsle ich täglich. Ich bin also unauffällig.

    1. Man lernt niemals aus, das merken wir selbst auch.

      Funfact: Der Begriff „Eindieseln“ hat mehrere Bedeutungen. Es kommt unter anderem aus der Landwirtschaft, in welcher Traktoren vor der Winterpause (mit Diesel) vollgetankt werden, um den Tank innen vor Rost zu schützen. Motorradfahrer kennen das, denn auch sie überwintern ihre Maschinen bestenfalls vollgetankt.
      Tankstellenduft? Ja, bitte!

      Achtung „Nuttendiesel“:
      Der Begriff Nuttendiesel ist ein salopper, umgangssprachlicher und oft scherzhaft gebrauchter Ausdruck für ein billiges, sehr intensives und aufdringlich riechendes Parfüm.
      Viel hilft viel? Nein, danke!

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