Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist

Paul of Scotland – Kunst und Kultur (Teil 2)

Über die letzten Jahrhunderte haben sich verschiedene Formen von BDSM und Fetisch in der Kunst entwickelt. Höhlenmalereien oder Wandmalereien in Pyramiden, Ölgemälde, Skulpturen, Gedichte und Lieder und viele andere Dinge. Die heutigen Medien haben die Verbreitung solcher Kunstwerke natürlich stark vorangetrieben und wir sind über das Internet auf einen besonderen Künstler aufmerksam geworden, dessen Kunst wir sehr ästhetisch finden und uns vielleicht an jemanden erinnern. Wir stellen vor: Paul of Scotland.

Das Interview hat in englischer Sprache stattgefunden und wurde (sinngemäß) ins Deutsche übersetzt.

Fesselblog: Hallo Paul und vielen Dank, dass du dir für ein Interview Zeit genommen hast. Deine Zeichnungen faszinieren uns sehr und wir sind begeistert, wie detailreich sie sind. Wann hast du für dich gemerkt, dass du Leder und BDSM magst?

Paul: Seit ich einen Ständer bekommen konnte. 😊

Fesselblog: Was war der Auslöser, dass du deine Kunst der Öffentlichkeit zur Schau gestellt hast und hattest du Angst davor, dass deine Kunst auf Ablehnung stößt?

Paul: Um ehrlich zu sein hatte ich mehr Angst vor dem Urteil meiner Kollegen als der breiten Öffentlichkeit. Es gibt so viele Künstler, von denen ich denke, dass sie mehr erreicht haben. Vergiss nicht, ich habe mir die Kunst selbst beigebracht. Es kann ganz schön am Selbstvertrauen kratzen, wenn deine Kunst  vom “klassischen” Geschmack abweicht.

Fesselblog: Erinnerst du dich noch an dein erstes Kunstwerk, welches du veröffentlicht hast? Wann war das?

Paul: Meine ersten Zeichnungen wurden vor 15 Jahren veröffentlicht. Sie waren für ein Treffen von einem schwulen Motorrad-Verein in Frankreich, bei dem ich vor 15 Jahren Mitglied war.
Kürzlich habe ich das Logo des europäischen Bootblack-Wettbewerbs und des 50-jährigen Jubiläums des “Satyrs Motorcycle Club” entworfen.

Fesselblog: Macht es dich stolz, dass deine Kunstwerke große Akzeptanz finden und ein gewisses Publikum stark begeistern?

Paul: Natürlich!!! An öffentlichen Orten zu zeichnen ist einer der Gründe warum ich meine Kunst mache. Es berührt mich, wenn jemand zu mir sagt “Dir bei der Arbeit zuzusehen hat mich inspiriert mit meiner Kunst oder meinen Texten weiter zu machen”.

Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist
Copyright by Paul Fraser – Picture by courtesy of the artist

Fesselblog: Was inspiriert dich für deine Kunst? Hast du eine Muse?

Paul: Was mich inspiriert ist natürlich was auch meinen Sexualtrieb anspricht und was meine Fantasie anreizt (nichts wie große Schwänze oder “action”). Ich deute lieber an als unverhohlen zu zeigen. Ich habe viele Musen in unserer Community. Aber ich träume schon von einer speziellen Muse, die für mich das zentrale Leuchtfeuer meiner Kreativität wäre.

Fesselblog: Wen möchtest du mit deiner Kunst erreichen bzw. wer ist dein Zielpublikum?

Paul: Mein Fokus liegt aktuell auf maskulinen Männern, Männer in Uniform und in Leder. Von Zeit zu Zeit verliebe ich mich jedoch in tiefe und ausdrucksstarke Augen oder einen Gesichtsausdruck. Das Zielpublikum sind also die Gleichgesinnten, denen diese Bilder genauso wir mir selbst.
“Schönheit” liegt im Auge des Betrachters und ich finde Schönheit oft an den unerwartetsten Orten. Dann kann es durchaus passieren, dass ich jemanden ganz spontan auffordere für paar Fotos Modell zu stehen. Diese Fotos sind für mich eine große Unterstützung für meine Zeichnungen.

Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist
Copyright by Paul Fraser – Picture by courtesy of the artist

Fesselblog: Deine Zeichnungen werden gern mit den Werken von „Tom of Finland“ verglichen. Haben dich seine Werke zu deiner eigenen Kunst inspiriert oder sind die Ähnlichkeiten eher zufällig entstanden?

Paul: Visuell war und ist Touko Laaksonens Kunst immer noch “Futter” für meine Kreativität. Und durch Kopieren seiner Arbeiten habe ich meinen eigenen Stil entwickelt. Aber normalerweise macht es mich verlegen, wenn Leute meine Kunst mit der von Touko vergleichen. Aber ich liebe es zu zeigen, wie ein Lederkerl auf natürliche Weise sexy ist. Aber die Ähnlichkeit liegt eher in unserem Verhalten und Persönlichkeit. Durk Dehner von der “Tom of Finland Foundation” hat mir einmal gesagt, ich wäre wie er: still, schüchtern und willensstark.

Fesselblog: Wer waren bzw. sind deine persönlichen Vorbilder?

Paul: Jeder der für die Allgemeinheit kämpft, diejenigen, die die Suche nie aufgeben und die, die unsere Gemeinschaft täglich am Leben erhalten und wachsen lassen. Vielleicht besonders die Verantwortlichen vom “Manchester Leather Club”, die von “Evidence” in Nizza, die von “Gear” in Portugal. Wer mir sehr am Herzen liegt ist Durk Dehner der mich unheimlich ermutigt!!!

Fesselblog: Nehmen wir an, bei dir meldet sich ein junger anstrebender Künstler. Welchen Rat würdest du ihm geben?

Paul: Zeige deine Kunst, zeichne/schreib/male jeden Tag, hol dir Ratschläge, schäme dich niemals, und hole dir Unterstützung von deinen Freunden.

Fesselblog: Auf welches deiner Kunstwerke bist du besonders stolz und hast du dieses Kunstwerk noch in deinem Besitz oder hast du es verkauft?

Paul: Jedes einzelne meiner Werke macht mich stolz. Ein Kunstwerk hergeben ist wie von einem Kind Abschied nehmen. Man hat ein Verlangen, sie wachsen zu lassen, aber sobald sie erwachsen sind, ist man froh wenn sie aus dem Haus sind und ihren Weg gehen.

Fesselblog: Gibt es einen Wunschtraum, den du dir bisher noch nicht erfüllt hast?

Paul: Herrjeh!!! Das ist doch was uns antreibt, oder? Wenn ich Zeichnen kann, geht es mir gut. Der absolute Traum wäre es natürlich, den Pygmalion/die Muse zu finden, der mich fasziniert und mich dazu bringt, ihn jedes Mal wenn ich neben ihm aufwache zeichnen zu wollen. 😊

Fesselblog: Mit was kann man dir eine Freude machen?

Paul: Lesen, Museen, Sonnenuntergänge, Stiefel putzen (ich bin auch ein Fetisch bootblack), Meditieren, Kochen, und auch ein artiger Junge zu sein…

Fesselblog: Wir als Fesselblog sind ebenfalls interessiert bei dir einen Auftrag zu platzieren. Wir gehen davon aus, dass die Wartezeit einer Zeichnung stark abhängig vom Umfang des Auftrags ist. Wie lange benötigst du ungefähr im Durchschnitt?

Paul: Aufträge sind immer willkommen!!! Das wichtigste ist klare Kommunikation. Idealerweise treffen wir uns persönlich und ich kann ein paar Fotos machen. Das erlaubt mir die Exposition, Präsentation und das Licht gemeinsam mit dem Modell zu wählen. Die Zeit hängt vom Format der Zeichnung ab. In der Größe DinA4 dauert es etwa eine halbe Woche, DinA2 etwa eineinhalb Wochen. Es kommt aber auch darauf an, wie viel auf der Zeichnung zu sehen sein soll. Nur das Modell an sich oder auch ein sehr detailreicher Hintergrund.

Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist
Copyright by Paul Fraser – Picture by courtesy of the artist

Fesselblog: Sind deine Kunstwerke ausschließlich Unikate oder gibt es auch ein paar „Standardwerke“, die mehrfach im Umlauf sind und von Kunstliebhabern erworben werden können?

Paul: Meist sind es Unikate. Zeichnungen wie Stillleben von Stiefeln, Hände in Handschuhen oder “Muir caps” (Schirmmütze aus Leder) gibt es in Serien.

Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist
Copyright by Paul Fraser – Picture by courtesy of the artist

Fesselblog: Gibt es etwas, was du unseren Lesern noch mitteilen möchtest?

Paul: Heutzutage macht es mir Spaß, wenn den Leuten meine Zeichnungen gefallen. Ich verstecke mich nicht beim Zeichnen. Wenn ich in Berlin bin, kann man mich öfters bei “Romeo und Romeo” finden, in Edinburgh findet man mich öfters in “The Regent bar” beim Zeichnen, in Paris bin ich oft in der “Carrefour Brasserie” in Marais (Paris). Wenn ihr mich seht, sagt hallo…

Fesselblog: Vielen Dank für das Interview. Es hat uns viel Spaß gemacht und wir freuen uns darauf weitere Werke von dir bewundern zu können. Weiter so! Vielen Dank!

Wir müssen an dieser Stelle gestehen, dass wir Paul schon einmal in Berlin beim Zeichnen beobachtet haben. Es hatte etwas wahnsinnig Beruhigendes ihm dabei zuzusehen, wobei es aus unserer Sicht schon fast unhöflich schien ihn so anzustarren. Es hat seine Ruhe, die er dabei ausstrahlt, jedoch nicht beeinträchtigt. Danke Paul, dass du deine Kunst mit uns teilst und dir auch über die Schulter schauen lässt. Es gibt durchaus ein paar Künstler, die ihren Schaffensprozess lieber im Verborgenen halten.

Hier könnt ihr noch weitere Werke von Paul bewundern und natürlich auch direkten Kontakt aufnehmen.

Website: art.fraser.scot
Facebook-Seite: www.facebook.com/art.fraser.scot
BLUF Nummer: 516

Ihr könnt Paul auch auf Recon.com unter dem Profilnamen AGoodBoy kontaktieren oder ihm einen Nachricht an sein privates Facebook-Profil schicken.

Das war auch schon unser zweiter Teil aus unserer Reihe “Kunst und Kultur” und nun wollen wir euch einen kleinen Ausblick geben auf den nächsten Teil. Hier wollen wir euch die Fotografien von einem verstorbenen Künstler zeigen, der durchaus mit seinen Werken zu provozieren wusste. Und passenderweise hat Paul ein Selbstportrait des Fotografen ebenfalls abgezeichnet:

Copyright by Paul Fraser - Picture by courtesy of the artist
Copyright by Paul Fraser – Picture by courtesy of the artist

Lasst euch überraschen.

Pictures by courtesy of the artist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

15 − 14 =