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Chattel Slavery – Sklaven als Nutztier

Der Begriff „Sklave“ ist geschichtlich geprägt. Für viele Personen wird er als sehr abwertend wahrgenommen. In der BDSM-Welt hat der Begriff Sklave zusätzliche (häufig sexuelle) Bedeutungen erhalten, welche nicht unmittelbar negativ sind. Dennoch gibt es BDSM-Liebhaber, die eine gewisse Abwertung einer Person durch den Sklaven-Begriff in Form eines „Nutztiers“ bevorzugt einsetzen. Erniedrigung als erregendes Stilmittel?

Geschichte

Wenn wir in die Vergangenheit schauen, dann gab es einen Punkt in der Zeit, als Sklaverei eine Art Normalität war. Nicht selten wurden hier Sklaven nicht mehr als Person, sondern als Sache oder gar Handelsware gesehen. Auch wird in den Geschichtsbüchern gern von „Leibeigenen“ gesprochen. Wobei ein Leibeigener deutlich mehr Rechte als ein Sklave hatte.

Dehumanisierung

Sobald ein Mensch nicht mehr als solcher angesehen wird, sondern zu einer Sache abgewertet wird, dann kann das mehrere Gründe haben. Eine Sache kann man kaufen, verkaufen, benutzen, verleihen, vererben oder gar verpfänden. Wenn man in die Landwirtschaft schaut, dann haben das, was heute Landmaschinen oder (bezahlte) Erntehelfer machen, früher Sklaven geleistet. Wie Nutzvieh wurden sie auf den Feldern eingesetzt. Aber auch im Steinbruch oder beim Bau von Gebäuden waren sie unabkömmlich. Denken wir doch nur an die ägyptischen Pyramiden, welche von Sklaven und nicht von Außerirdischen erbaut wurden, auch wenn uns Hollywood gern eine alternative Wahrheit auftischen möchte.

Besitzsklaverei

Ehrlich gesagt ist der Begriff „Besitzsklaverei“ (im Englischen „chattel slavery“) gar nicht so weit verbreitet. Die meisten Menschen implizieren in den Begriff Sklaverei schon den Besitzanspruch an einen Sklaven durch eine andere Person. Es unterscheidet sich von der „Besitzknechtschaft“  bzw. „Leibeigenschaft“ (im Englischen „chattel bondage“) wie oben erwähnt. Dennoch ist die Vorsilbe „Besitz“ hier nochmal eine Unterstreichung der rechtlichen Unfreiheit. Obgleich alle Formen der bisher erwähnten Sklaverei heute weitgehend international verboten sind, gibt es auch heute noch Ecken in der Welt, in welcher Sklaverei (wenn auch illegal) praktiziert wird.

Übertragung in die BDSM-Welt

Zugegeben, die meisten teils selbsternannten „Sklaven“ in der kinky Welt unterscheiden sich in vielen Wesenszügen von der oben genannten originären Sklaverei. Wenn man im BDSM von einem Sklaven spricht, dann beschränkt sich das bei einigen Fesselliebhabern auf das Bild eines unterwürfigen Sexsklaven. Das bedeutet häufig, dass sich die Sklaverei auf Abenteuer im Schlaf- oder Spielzimmer beschränkt. Einige BDSM-Liebhaber leben das Sklavendasein auch über die Session hinaus aus. Doch es gibt weitere Formen der modernen (sexuellen) Sklaverei. Auch im BDSM werden manche Sklaven wie Objekte behandelt oder wie Nutztier gehalten. Diese Form der physischen und auch psychischen Erniedrigung kann ein bewusst gewähltes Stilmittel sein, um die devote Person noch weiter in den Subspace zu verfrachten. Mit „Subspace“ ist eine gewisse Lust-Trance gemeint, ein Zustand in welchem Gefühle wie Lust, Schmerz, Freude, Macht, Erregung und andere in einem Endorphinrausch verschwimmen. Viele bezeichnen diesen Rauschzustand als sich „fallen lassen“. Das Vertrauen in den jeweiligen Partner ist hier sehr wichtig.

Nutztiere im BDSM

Da die wenigstens Sessions auf dem Acker stattfinden, stellt sich nun die Frage, in welcher Form in BDSM Nutztiere von Relevanz sind. Doch es gibt viele andere Tätigkeiten im Haushalt, welche man bewusst an BDSM-Sklaven übertragen kann. Das Putzen der Wohnung, das Spülen des Geschirrs, Kochen, Waschen, Bügeln, Gartenarbeit,… unzählige Tätigkeiten im Haushalt, die bei den meisten Personen nicht unmittelbar Freude hervorrufen.

Genau hier Trennen sich die Wege der meisten BDSM-Sklaven. Während die einen in ihrem Sklavendasein nur den sexuell stimulierenden Part sehen, so leben andere Sklaven ihre Leidenschaft über das sexuelle Bedürfnis hinaus aus. Die Motivation mag unterschiedlich sein. Für die einen ist das Erledigen von Aufgaben ohne Hintergedanken schon die Erfüllung und andere sehnen sich nach einer sexuell geprägten Belohnung im Anschluss.

Wenn beim BDSM die sexuelle Lustgewinnung nicht im Fokus steht, sondern der Sklave als Nutztier, dann bietet das neue Möglichkeiten. Es entkoppelt das BDSM von sexuellen Bedürfnissen und der eigenen sexuellen Identität, da der Sklave nur noch ein „Objekt“ ist. So kann zum Beispiel auch ein heterosexueller männlicher Sklave einem anderen Mann als Nutztier dienen.

Körperliche Restriktionen

Gerade wenn es um körperliche Arbeit geht, genießen BDSM-Sklaven physische Restriktionen. Das kann zum Beispiel ein Halsband oder Halseisen sein und geht hin bis zum vollständigen Kettensklaven. Man kann auch eine Wohnung putzen, während man Handschellen trägt. Und für mehr Ruhe beim Putzen kann ein Knebel auch hilfreich sein.

Ein Buttplug hingegen wäre an dieser Stelle anale Penetration und würde das Sklavendasein tendenziell in Richtung Sexsklaven bewegen. Gerade bei Männern kann ein Buttplug und die damit verbundene Penetration der Prostata eine sexuelle Stimulation darstellen.

Zuchtbulle

Ein weiteres Extrembeispiel wäre der „Breeding“-Fetisch. Dies bedeutet, dass sich manche Personen dazu hingezogen fühlen schwanger zu werden (Frauen) oder jemanden zu schwängern (Männer). Ihr fragt euch jetzt sicher, was das mit „Chattel Slavery“ zu tun hat. Relativ einfach, denn ein Sklave als Nutztier kann auch als „Zuchtbulle“ oder „Zuchthengst“ eingesetzt werden. Es mag absurd klingen, doch uns liegen Berichte von Lesern vor, deren Nachwuchs bewusst während eines BDSM-Rituals gezeugt wurde. Andere vögeln nach dem Mondkalender, von daher sollten wir hier niemanden vorverurteilen. Dennoch tun wir uns schwer damit beim Breeding-Fetisch die Einvernehmlichkeit zwischen den Sexualpartnern noch zu sehen. Ob der Zuchtbulle damit einverstanden ist, dass er Vater (oder nur Erzeuger) werden könnte?

Eure Erfahrungen

Ist „Chattel Slavery“ für euch ein gangbarer Weg oder besteht ihr auf die (einvernehmliche) sexuelle Komponenten zwischen dem dominanten und dem devoten Partner? Würdet ihr gern, zumindest für einen vordefinierten Zeitraum, als Nutzvieh gehalten werden oder identifiziert ihr euch lieber als Sexsklaven? Vielleicht verzichtet ihr auch komplett auf die Bezeichnung Sklave und genießt einfach restriktive Spiele mit eurem Partner. Schreibt uns gern eure Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema, wir freuen uns auf eure Zuschriften.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

5 Kommentare zu „Chattel Slavery – Sklaven als Nutztier“

  1. Ich wurde schon vor unserer Hochzeit verschlossen und bin seitdem keusch, never inside und diene als Haussklave. Ich habe alle Hausarbeiten zu verrichten und meine Frau alle Freiheiten und beide sind wir sehr zufrieden mit der Situation.
    Ich darf ab und zu Herren zu Diensten sein oder werde mit der Fickmaschine oder per Reizstrom abgemolken.

  2. Im römischen Recht galten Sklaven grundsätzlich rechtlich als Sachen (res), nicht als Rechtspersonen (personae).

    Sie waren zugleich Menschen im tatsächlichen Sinn, was zu einigen rechtlichen Sonderregelungen führte, änderte aber nichts an ihrem grundsätzlichen Status als Eigentum ihres Herrn.

    Ein Sklave war Eigentum seines Herrn sein und konnte, wie andere Vermögensgegenstände gekauft, verkauft, verschenkt oder vererbt werden.
    Sklaven hatten grundsätzlich keine eigene Rechtsfähigkeit. Sie konnten also nicht selbst Träger von Rechten und Pflichten sein.
    Alles, was ein Sklave erwarb oder erwirtschaftete, gehörte rechtlich seinem Herrn.

    Natürlich sind derartige Rechtsverhältnisse heute undenkbar. Aber ich glaube, dass so eine Grundeinstellung in der Gedankenwelt eines wirklichen Sklaven verankert sein sollte um sich seine Rolle jederzeit klar vor Augen zu führen. Verleihen ist, wie hier schon dargestellt, jedenfalls durchaus üblich.

  3. So verrückt es erstmal klingt, anders als Sklaven oder in unserem historischen Kontext Leibeigene können sich Leute heute die Sklavenrolle aussuchen. Sie entscheiden, bzw. ihr Fetisch entschied für sie, dass sie unfrei sein wollen und jemanden suchen, der für sie entscheidet. Und damit logischerweise auch entscheiden kann/muss, welche Rolle sie wie extrem zu leben haben. Sie entscheiden idealerweise nur, wann Schluss ist, entweder zuvor (Stichwort Vertrag) oder per Safeword, womit es dann auch ganz vorbei ist. Ja, vorbei wie in vorbei, denn wenige Beziehungen halten so einen krassen Neustart aus.
    Damit sind wir am zentralen Punkt: will jemand ‚nur‘ Lustknabe sein – wie es historisch korrekt bei Frauen genannt wurde, weiß ich grad net – oder eben ‚mehr‘, im Extremfall 24/7/365/66… und spielt vielleicht das Schlafzimmer gar keine so große Rolle. Schließlich Abhängigkeiten und das Bedürfnis sich bis zur Selbstaufgabe einzubringen gibt es auch außerhalb unseres Kontexts. Nicht jede Fessel ist sichtbar… und nicht jeder Master versteht unbedingt sofort, dass diese Rolle für ihn/sie/es vorgesehen ist.

  4. Liebe Sandy, das erinnert mich an das Zitat von der berühmten französischen Filmschauspielerin Jeanne Moreau:

    „Frei sein heißt, wählen zu können, wessen Sklave man sein will“

  5. Ich war und Ich nenne es so, weil Ich der Dame hörig war, der Sklave einer um 13 Jahre älteren Frau.
    Und das 4 Jahre lang, Sie machte mit mir, was Sie eben wollte und Ich tat alles was Sie wollte.
    Ich wurde devot, Masochistisch und zur Bisexualität erzogen, in Stück weit Nymphoman und Exhibitionistisch.
    War es nicht genug, wurde Ich bestraft, zum Teil ausgepeitscht bis die Haut am Rücken offen war.
    Und Ich tat so einiges mehr, was Ich mir nie hätte vorstellen können.
    Wir sind seit langer Zeit getrennt, Ich schaffte den Absprung, sonst wäre Ich draufgegangen.
    Und trotzdem vermisse Ich Sie und Ich trage i.mer noch Ihre Initialen auf der Pobacke.

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