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Ich will das auch, jetzt! – Über Freude, Faszination und Neid

Es liegt in unserer Natur mehr zu wollen und immer weiter nach vorn zu streben. Das Internet und vor allem die sozialen Netzwerke zeigen uns oft eine Scheinwelt, die unseren Neid hochkochen lässt. Doch die Unnahbarkeit gewisser „Internetstars“ macht uns dabei nicht glücklich, auch wenn sie uns noch so faszinierend erscheinen.

BDSM-Liebhaber sehnen sich danach ihre Fantasien auszuleben. Einige wenige kommen in den Genuss, da sie entsprechende Partner oder Partnerinnen haben, um dies zu realisieren. Doch es gibt ein paar einsame Seelen, die scheinbar kein Glück haben Gleichgesinnte zu finden.

Wenn man die sozialen Netzwerke anschaut, dann ist es ein Schlaraffenland. Jeder Fetischist glänzt von seiner besten Seite und sorgt dafür, dass den Beobachtern regelrecht das Wasser im Mund zusammenläuft. Doch nicht jedes Bild oder Video ist das, was es scheint. Über das Thema „Trugbilder“ haben wir euch schon berichtet und es ist auch für uns nicht immer ersichtlich, ob die Person(en) auf den Bildern und Videos auch das im Hintergrund leben, was sie uns zeigen.

Unabhängig davon bekommen wir beim Betrachten solcher Medien Lust auf mehr. Und wenn es euch wie uns geht, dann wünscht man sich immer in die entsprechende Situation hinein. Man betrachtet ein Bild von einem Sklaven im Käfig und versucht sich vorzustellen, wie es sich wohl anfühlt jetzt genau in dieser Situation zu sein. Man transferiert sein Bewusstsein in die Situation, die man betrachtet.

Dieses Phänomen ist nicht neu und es passiert meist ganz unbewusst. Man fühlt mit den Protagonisten einer Szene mit. Genauso ist es auch, wenn wir einen Spielfilm im Kino anschauen. Wir versetzen uns in die Personen auf der Leinwand hinein, lachen und leiden mit ihnen. Gerade der Leidensweg ist das, was devote Personen gern auf sich reflektieren.

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Bleiben wir beim Betrachten von BDSM-Bildern. Nehmen wir als Beispiel die Bilder in diesem Artikel. Es beginnt damit, dass uns das Bild möglicherweise gefällt. Wir beginnen das Bild etwas genauer zu analysieren. Was sehen wir? Wir sehen viele Dinge. Zuerst einmal befinden sich auf dem Bild zwei Personen. Eine offensichtlich devote Person, welche einen Zodiak (ABC-Schutzanzug) trägt und an ein Klettergerüst bzw. einer Schaukel eines Spielplatzes mit Seilen gefesselt ist. Vor dieser gefesselten Person steht ein Mann in Leder (bzw. voller BLUF-Montur) und packt ihn.

Bleiben wir zunächst bei der devoten Person. Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, das ist nicht direkt ersichtlich. Da wir hinter der Kamera waren, wissen wir, dass unter dem Schutzanzug ein Mann steckt. Dieser devote Mann trägt den Schutzanzug und schmort in der Sonne. Wer schon einmal einen solchen oder ähnlichen Schutzanzug tragen durfte (vielleicht sogar „dienstlich“ bei der Bundeswehr), der weiß, dass es hier schnell schweißtreibend werden kann. An der Gasmaske befindet sich ein Filter, sodass Das Atmen noch etwas eingeschränkter ist, als nur mit der Maske. Zudem befindet sich um den Hals des Sklaven eine Kette mit einem smarten Vorhängeschloss. Dieses Schloss lässt sich nur durch denjenigen öffnen, der den digitalen Schlüssel auf seinem Smartphone hat. Somit können wir beim Betrachten der devoten Person sagen, dass er auf der einen Seite mit Seilen gefesselt ist und auf der anderen Seite der Schutzanzug zusätzlich mit einem smarten Schloss gesichert ist, sodass er diesen nicht unerlaubt ablegen darf bzw. kann.

Betrachten wir nun den Mann in Leder. Was für ein Prachtkerl?! Die Montur passt zum Menschen, er scheint sich im Leder wohl zu fühlen und fügt sich stimmig ins Bild ein. In der einen Hand hält er das smarte Schloss, ob er es wohl gerade angebracht hat? Vielleicht aber erkennt er auch, dass er nicht die einzige dominante Person ist und er nicht derjenige ist, der über dieses Schloss und somit die Kleiderordnung der devoten Person verfügt. Die andere Hand greift etwas tiefer in den Schritt. Ist es ein bloßes Streicheln des Intimbereichs oder ist es gar ein Kontrollgriff, ob unter dem Schutzanzug vielleicht noch ein weiteres BDSM-Accessoire (wie zum Beispiel ein Keuschheitsgürtel) getragen wird?

Betrachten wir nun die Umgebung: Ein Spielplatz im Allgäu, im Hintergrund der Berg Grünten (der „Wächter des Allgäus„, welcher bei unserem Gewinnspiel „Vielfalt“ von einigen Lesern richtig erraten wurde), Sonnenschein und einen strahlend blauen Himmel. Wenn man an einen solchen Spielplatz denkt, dann denkt man eher an kleine Kinder, die dort klettern, schaukeln und rutschen. Steckt nicht in jedem Mann noch ein kleines Spielkind?

Nun haben wir uns das Bild, bzw. die Bilder, genau angeschaut. Manche Betrachter können dem nichts abgewinnen, bei anderen beginnt es vielleicht im Bauch zu kribbeln. Bei den Betrachtern mit Bauchkribbeln ist die Neugierde groß. Wer sind die beiden Kerle? Warum trägt der Devote einen Schutzanzug mit Gasmaske und Filter? Was wird unter dem Schutzanzug getragen? Wer hat die Schlüsselgewalt über das smarte Schloss an der Halskette? Woher hat der Lederkerl die geile Ledermontur? Wie es sich wohl anfühlen mag, das Leder zu tragen? Was empfinden die Personen auf dem Bild?

Unendlich viele Fragen, die durch den Kopf schießen und alle lenken in dieselbe Richtung und bilden einen zentralen Wunsch: ICH WILL DAS AUCH, JETZT! Eine devote Person könnte den Wunsch haben selbst verschlossen und gefesselt im Sonnenschein zu schmoren. Dominante Personen sehnen sich vielleicht nach der schicken Ledermontur und würden eine devote Person gern so vor sich gefesselt wissen und die Schlüsselgewalt über diesen Menschen haben.

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Doch BDSM ist nicht das Ziel, sondern BDSM ist der Weg. Es geht nicht darum das Bild krampfhaft nachzustellen und möglicherweise das zu empfinden, was unsere Freunde auf den Bildern empfunden haben, als wir sie abgelichtet haben. Es geht vielmehr darum BDSM zu erleben und sich selbst seine Träume zu erfüllen. Warum also nicht einfach raus in den Garten gehen und seinen Spielpartner ans Klettergerüst fesseln? Zugegeben, solche Klettergerüste sind meistens von Kindern besucht, welche sich hier austoben können. Von daher sollte man öffentliche Spielplätze für solche Erwachsenenabenteuer eher meiden. Die Location auf unseren Bildern ist in Privatbesitz und stand uns für unsere Session exklusiv zur Verfügung und somit waren keine Kinder in der Nähe.

Bei manchen Personen ist es aber nicht nur die Handlung auf den Bildern, die einen gewissen Neid hervorrufen mag, es sind vor allem auch die materiellen Dinge, die darauf zu sehen sind und einen Konsumneid hervorrufen. Ein Schutzanzug mit Gasmaske und Filter, ein smartes Vorhängeschloss, Seile, ein Lederoutfit,… muss man diese Dinge denn alle selbst haben? Muss man für Spaß im Bereich BDSM und Fetisch wirklich „so viel“ Geld ausgeben? Nein! Man kann auch in ziviler Kleidung solch eine Session durchführen! Und wer doch gern ein wenig „Gear“ anhaben möchte, der kann auf diversen Online-Auktionshäusern nach solchen Dingen Ausschau halten. Solch ein Schutzanzug ist teils für wenig Geld gebraucht zu erwerben. Fetisch muss nicht unbedingt teuer sein. Auch bei der Lederkleidung kann man preiswerte Stücke von der Stange kaufen, man kann aber auch tief in die Tasche greifen und solche Kleidung auf Maß fertigen lassen. Wie viel Geld man seinem Fetisch einräumt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Es gibt einen Unterschied zwischen „ich kann mir das nicht leisten“ und „ich will mir das nicht leisten“. Für eine Person, die Leder gern und regelmäßig trägt mag eine Maßanfertigung lohnenswerter sein als für eine Person, die das Leder nur zu besonderen Anlässen (möglicherweise nur einmal im Jahr zu einem Fetischstraßenfest) tragen wird. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob der Kontostand es her gibt und ob man sich das leisten möchte, oder es dann doch nur im Schrank liegt und einstaubt.

Wir haben inzwischen viele Artikel über diverse BDSM-Praktiken und Fetische geschrieben und uns erreichen zahlreiche Anfragen von Lesern. Eine der meisten Anfragen bzw. Forderungen ist die, dass die Leser die Praktiken, welche in den Artikeln beschrieben werden, selbst erleben möchten und fälschlicherweise annehmen, dass wir entsprechende Dienstleistungen anbieten. Es tut uns in der Seele weh, wenn wir hier mögliche Erwartungen enttäuschen müssen. Für jeden Topf gibt es einen Deckel, man muss nur die Augen offen halten. Und manchmal ist es nicht die große Liebe, mit der man seinen Lebensabend verbringen möchte, sondern „nur“ eine Person, die uns ein Stück begleitet und sich die Wege nach einem gemeinsamen Abenteuer wieder trennen.

Ähnliche Erfahrungen hat uns eine befreundete Mistress berichtet. Diese postet von ihrem Sklaven auch regelmäßig spannende Bilder aus ihrem gemeinsamen BDSM-Alltag und von einzelnen spannenden Sessions.  Hier geht es vorrangig darum, dass die Mistress ihre Freude mit anderen BDSM-Freunden teilen möchte und auch hier eine Art Inspiration für andere sein kann. Es geht nicht darum, dass sich weitere Sklavenanwärter bei ihr melden, die dieselben Abenteuer wie ihr Sklave auf den Bildern erleben wollen und davon ausgehen, dass sie ebenfalls von der Mistress unter ihre Fittiche genommen werden. Freude und Geilheit können sich in Neid verwandeln, der Neid kann sich in Enttäuschung und Missgunst verwandeln. So gibt es Neider, die aufgrund einer ablehnenden Haltung der Protagonisten, eben diesen ihren Spaß nicht gönnen und sich deshalb ein gewisser Hass aufbaut.

Auf was wollen wir hinaus? Es geht uns darum, dass ihr beim Betrachten von BDSM-Bildern und Videos im Internet Neid oder Missgunst empfindet. Es geht darum, dass ihr lernt, anderen Personen ihren Spaß im BDSM zu gönnen, wenn sie ihre Freude mit der Öffentlichkeit teilen. Ihr dürft natürlich den jeweiligen Akteuren gern eure Freude und Bewunderung kundtun, doch seid nicht enttäuscht, wenn ihr bei einer Anfrage außen vor bleibt oder möglicherweise keine Reaktion erhaltet. Und noch wichtiger ist es, dass ihr euren eigenen Weg geht und BDSM auf eure persönliche Art erlebt. Egal was andere Personen im BDSM erleben und von sich im Internet publizieren, so sollte man immer schauen, was einen selbst glücklich macht und versuchen, diesen Weg zu gehen. Und auf diesem Weg werdet ihr vielen Personen begegnen. Manche gehen nur ein kurzes Stück mit, andere bleiben einem länger erhalten… Passt aufeinander auf, genießt euer Leben und übt euch in Geduld! Wir wissen selbst, wie schwer es sein kann passende Spielpartner zu finden, doch sollltet ihr die Suche nicht aufgeben!

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

2 Gedanken zu „Ich will das auch, jetzt! – Über Freude, Faszination und Neid“

  1. Hallo liebe Fesselbloger,

    ein spannendes Thema. Was will der Fotograf mit dem Bild, was die Person, die es postet, was die, die es weiterleitet oder mit/ohne Zustimmung einfach verwendet – umgangssprachlich geiert?

    Und was löst das beim Betrachter aus?

    BDSM soll entspannen, Freude bereiten, ein Lebensstil werden. Somit passen positive Gefühle hierher. Und ja – mitfühlen, mitleiden oder mitspielen wollen gehört da dazu.
    Persönlich bin ich aber nicht im Geringsten neidisch. Nicht weil ich Menschen habe, mit denen ich meinen Weg probieren kann – da ist derzeit grade Ebbe, aber das hat doch nichts mit denen auf dem Bild zu tun! Ich freu mich für diese Leute, für den Spaß den sie haben, das Bedürfnis, das sie befriedigen können und das Leben, das sie gerade oder dauerhaft führen können.

    Anders würde es aussehen, wäre ich jetzt der Sub, der auf dem Bild nicht zu sehen ist. Der, der abseits an einem Baum gebunden warten muss. Warten muss, dass Top sich für ihn Zeit nimmt. Oder, ich bin ja durchaus vielseitig, ich jetzt gerne den Lederkerl ablösen würde. Ich denke, es würde mir schon was einfallen, was dem Zodiakslave gefallen könnte.
    Wenn ich da jetzt nicht ‚dürfte‘, da wäre ich dann schon etwas grantig. Dabei und doch abseits, das wäre echt nicht schön.
    Aber auf dem Bild – nee. Da bin ich für die Anregung dankbar. Ich fühle mich hinein, überlege, was den Akteuren jetzt grade durch den Kopf geht, was das Bild nicht zeigt und vielleicht trotzdem interessant ist, was ich anders machen würde. Zodiak zum Beispiel ist nicht so meines, es sei denn wir reden über den Sechszylinder von FordUK aus den 1960ern, da würde ich durchaus auch mit Handschellen auf der Rückbank drin Platz nehmen oder mich als Chauffeur für interessierte Slaves zur Verfügung stellen… anderes Thema.

    Aber wer Fotos macht und sie teilt ist erst mal mutig. Will Andere an seiner Freude teilhaben lassen. Das ist doch schön und nett – neidisch zu werden ist nun wirklich unfair!

    Und ja, Suchen ist anstrengend und schwer, aber in der Zwischenzeit gibt es EUCH vom Fesselblog, die Ihr immer wieder interessante, spannende und kontroverse Themen aufgreift. Dafür an dieser Stelle einfach mal ein großes DANKE!
    Lesen was verbindet – und damit Verbindung schafft. Zwar nicht die ‚morgen 20:00Uhr, bei mir oder bei Dir?‘ aber das ist ja grad das Schöne dran. Mitlesen, mitschauen, Ideen und Appetit bekommen. Irgendwann findet sich jemand, der mitmachen mag.

    1. Wie hat es früher so schön geheißen?
      „Appetit kann man sich draußen holen, gegessen wir aber Zuhause!“
      Ja was haben wir uns bei den Bildern wohl gedacht? Da ich hinter der Kamera war, weiß ich das sehr genau. Es war für alle ein großer Spaß, es wurde viel gelacht und es war schweißtreibend. Doch ob noch „mehr“ passiert ist, das bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen.

      Und über deinen Dank freuen wir uns sehr. Wir wissen es sehr zu schätzen, wenn unsere Artikel der Leser direkt ansprechen und vielleicht bei dem einen oder anderen Thema mal auf den Zahn fühlen.

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