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Leisure Sickness – Urlaub ohne Erholung

Vor dem Urlaub kann der Stresspegel in der Arbeit nochmal kurzfristig stark ansteigen. Wenn der Urlaub dann endlich startet, dann ist der ungewollte Krankenstand vorprogrammiert. Das Phänomen „Leisure Sickness“ ist inzwischen weit verbreitet und auch bei einer Session kann es sein, dass Körper und Geist in einen Notfallmodus schalten.

Endlich Urlaub!

Was ist schöner als Urlaub? Richtig: Noch mehr Urlaub! Doch in der Arbeit kann es sein, dass man vor einem geplanten Urlaub nochmal richtig ranklotzen muss. Manche Vorgesetzte und Kollegen platzieren vor einem Urlaub noch ihre Wünsche, die dann aber vor Urlaubsantritt zu erfüllen sind. Dies bedeutet für viele Menschen in der Arbeit zusätzlichen Stress.

Bis zum Urlaub haben manche Personen das Gefühl nur noch zu funktionieren. Man lebt in den Tag hinein und wartet eigentlich nur noch auf die nächste Katastrophe, die in der Arbeit auf einen wartet. Wenn der Urlaub dann endlich beginnt, dann fährt der Körper bzw. der Stresslevel Stück für Stück herunter.

Ablauf der Erholung

Viele Personen berichten, dass sie im Urlaub erst ein paar Tage brauchen, bis sie sich an den Urlaub gewöhnt haben. Meist ist aber dann schon der Urlaub wieder vorbei. Folgenden groben Ablauf einer Erholung konnten wir zusammenfassen:

  • Tag 1 bis 3: Der Körper schaltet langsam um, der Stresspegel vom (Arbeits-)Alltag sinkt langsam.
  • Tag 4 bis 7: Die körperliche und geistige Entspannung wird spürbar, das Wohlbefinden steigt.
  • Ab Tag 8: Der tatsächliche Erholungsmodus ist erreicht, die Urlaubssituation (und ggf. der Urlaubsort, sofern abweichend zum normalen Wohnort) ist vertraut.

Dies wurde uns auch von vielen Gesprächspartnern bestätigt. Die erste Woche im Urlaub braucht man zum Herunterkommen. Ab der zweiten Woche beginnt der eigentliche Urlaub bzw. die eigentliche Erholung. Zudem sollte man ein paar Dinge beachten:

  • Gut vorbereiten: Arbeit vor dem Urlaub klar übergeben, damit keine Gedanken mehr daran kreisen.
  • Nicht zu viel planen: Zu viele Termine und Stress bei Ausflügen verhindern die Entspannung.
  • Lange genug bleiben: Experten der „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ (kurz: BAuA) empfehlen mindestens zwei Wochen am Stück zu verreisen, damit die Erholung tiefgreifend wirkt und anhält.

Krankheit

Nicht selten kommt es vor, dass man im Urlaub krank wird. Während man in der Arbeit vor lauter Stress nur noch funktioniert, fährt der Körper im Urlaub langsam runter. Doch auch der Abwehrmodus im Körper fährt seine Schotten herunter und plötzlich bahnt sich eine Erkältung an. Es geht sogar so weit, dass manche Personen mit Fieber im Bett landen. Dieses Krankenbild im Urlaub nennt sich allgemein „Leisure Sickness„. Doch nicht nur im Urlaub tritt dieses Phänomen auf, sondern auch im Bereich BDSM.

Zusammenbruch bei einer Session

Für viele BDSM-Liebhaber ist eine Session ein Hochgenuss und ihre Art diese Leidenschaft intensiv ausleben zu können. Doch nicht für jede Person in der BDSM-Community gehört eine Session zu einem täglichen Ritual. Viel mehr ist es ein Ereignis, auf welches man hinstrebt, sogar hinfiebert (Achtung zweideutig) und in gewisser Weise einen sexuellen Höhepunkt darstellt. Bei all der Nervosität und Anspannung vor einer Session kann es passieren, dass man während einer Session zusammenbricht.

Ich selbst bin nicht nur einmal zusammengebrochen und musste eine Session deshalb abbrechen. Wobei man Zusammenbruch an dieser Stelle leider wörtlich nehmen muss, da ich ohnmächtig auf dem Boden gelandet bin. Mehrere Leser haben uns berichtet, dass sie vor einer Session so angespannt waren, dass sie die Session selbst nicht genießen konnten und diese ebenfalls aus diversen Gründen abbrechen mussten. Teils wurde die Session krankheitsbedingt dann gar nicht erst angetreten. Zum Leidweisen der Spielpartner, die sich natürlich auch auf eine Session freuen und möglicherweise Vorbereitungen getroffen haben. Somit ist „Leisure Sickness“ auch im BDSM-Bereich immer häufiger vertreten, doch die Menschen sind sich dessen nicht bewusst. Ein Leser berichtet:

„Meine Frau und ich leben BDSM schon seit mehreren Jahren aus. Doch ist unsere gemeinsame Zeit für restriktive Abenteuer limitiert, da wir ein schulpflichtiges Kind (14) haben. Als seitens der Schule ein Schullandheim angekündigt war, kam die Gelegenheit. Sturmfrei, da das Kind eine Woche weg war, somit konnten wir die Sau herauslassen. Zur Einstimmung hat meine Frau vier Wochen zuvor eine Keuschheitsschelle angelegt und wir planten gemeinsam ein paar Abenteuer in unserer Zweisamkeit. Als wir dann endlich sturmfrei hatten, lag ich mit Rückenschmerzen im Bett und meine Frau hatte Migräne. Wir hatten uns diese Auszeit anders vorgestellt, aber unsere Körper haben uns die Grenzen klar aufgezeigt, besser als jeder Keuschheitsgürtel.“

Ursachen

  • Abfall der Stresshormone: Unter Dauerstress schüttet der Körper vermehrt Adrenalin und Cortisol aus. Dies hält das Immunsystem auf Hochtouren und unterdrückt Krankheitssymptome.
  • Das Zuviel an Ruhe: Fällt der Stress plötzlich weg, fährt das vegetative Nervensystem herunter (Bumerang-Effekt). Erst jetzt bricht das geschwächte Immunsystem ein, und Infekte oder Schmerzen brechen hervor.
  • Keine offizielle Diagnose: Medizinisch ist „Leisure Sickness“ keine anerkannte, eigenständige Krankheit, sondern eine psychosomatische Reaktion auf chronische Überlastung.
  • Typische Symptome: Starke Müdigkeit, Erschöpfung, Erkältungssymptome (Halsschmerzen, Schnupfen, Husten), Kopfschmerzen oder Migräne, Magen- und Darmbeschwerden, innere Unruhe und Reizbarkeit.

Emotionale Tiefpunkte

Sub Drop und Top Drop sind emotionale Tiefpunkte nach einer intensiven BDSM- oder Kink-Session. Ein Sub Drop betrifft den unterwürfigen Part durch Hormonabfall und Erschöpfung, während ein Top Drop beim dominanten Partner nach dem Nachlassen der Anspannung Schuldgefühle oder Leere auslösen kann. Vergleichbar ist es mit einem „Post Event Blues„.

Sub Drop

Der Sub Drop tritt auf, wenn der submissive Partner nach einer intensiven Szene in ein emotionales oder körperliches Tief fällt. Nach dem Adrenalin- und Endorphinrausch sinkt der Spiegel rapide ab.

  • Symptome: Traurigkeit, Weinen ohne Grund, Angst, Müdigkeit, Gliederschmerzen oder das Gefühl der Leere.
  • Zeitpunkt: Minuten bis Tage nach der Aktivität (z.B. eine Session).
  • Ursache: Eine natürliche biologische und psychische Reaktion auf den Hormonabbau, kein Zeichen von Versagen zu zeigen.

Top Drop

Der Top Drop (auch Dom Drop) beschreibt ein ähnliches Phänomen beim dominanten Partner. Nach der hohen Konzentration und Verantwortung während der Session fällt die Anspannung ab.

  • Symptome: Plötzliche Erschöpfung, Einsamkeit, Selbstzweifel oder leichte depressive Verstimmungen.
  • Ursache: Das Ende des Fokus und das plötzliche Fehlen der adrenalinbasierten Fokussierung.

Aftercare

Beide Zustände (Sub Drop und Top Drop) sind normal und verlangen nach fürsorglicher Nachsorge (Aftercare). Das können gemeinsames Kuscheln, ein offenes Gespräch über die Gefühle und das gegenseitige Geben von Halt und Sicherheit sein.

Vorbeugung

Da „Leisure Sickness“ vorrangig eine psychosomatische Reaktion ist, ist es schwer allgemein gültige vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Empfohlen sind beispielsweise mehr Pausen im Alltag, sodass das Herunterfahren nicht erst im Urlaub stattfindet, sondern auch mal unter der Woche. Zudem sollte man die Arbeitstage vor seinem Urlaub nicht überladen und mit Terminen vollstopfen, sodass man ein sanftes Herunterfahren gewährleisten kann. Man sollte sich Grenzen setzen und z.B. das Firmenhandy im Urlaub bewusst ausschalten.

Doch wie überträgt man diese vorbeugenden Maßnahmen in den Bereich BDSM? Manchmal ist es auch hier ratsam kleine BDSM-Elemente in den Alltag einzubauen und nicht wochenlang darauf verzichten. Wenn man versucht die über Wochen angestauten Hormone in einer einzigen Session zu entladen, dann ist ein tiefer Absturz nicht ausgeschlossen. Auch ein ausführliches Vorspiel kann die Einstimmung auf eine Session erleichtern.

Die Einstimmung auf eine (intensive) Session kann unterschiedlich sein. Die einen tragen einen KG über mehrere Tage (oder Wochen) vor einer Session. Das Anziehen von Fetischkleidung vor einer Session kann auch eine gute Vorbereitung sein. Warum also nicht ein paar Tage vor einer Session schon seine Lieblingsstücke herausholen und hineinschlüpfen. Man kann auch in einem Gummianzug einen Filmabend veranstalten, bevor der Anzug dann ein paar Tage später bei einer Session zum Einsatz kommt. Je fließender der Übergang zwischen Alltag und Session ist, desto geringer ist die Gefahr vor einem emotionalen Tiefpunkt.

Wir können euch an dieser Stelle nur raten, aufeinander aufzupassen. Und sollte es doch „zu viel“ in einer Session sein, dann sprecht offen miteinander. Weniger kann manchmal mehr sein. Eine Session sollte man nicht mit einer vollen Agenda belasten und zum Abhakereignis einer „Bucket List“ verkommen lassen.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

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