Schutzanzug - Copyright by "Silverhuskie", mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring

Spaziergang im Schutzanzug (mit Video) – Kleider machen Leute (Teil 5)

Schutzanzüge sieht man bei der Bundewehr, der Feuerwehr und auch bei Chemie-Unternehmen. Und manchmal sieht man einen Schutzanzug vielleicht auch in der Fußgängerzone oder beim Kaffeetrinken oder bei einem Spaziergang in der freien Natur. Wir haben einen Liebhaber für Schutzanzüge bei einem Spaziergang begleitet.

Lasst mich an dieser Stelle ein wenig ausholen und in die Vergangenheit zurückreisen. Es war vor 13 Jahren, im Jahre 2007, als ich den Beschluss gefasst habe, dass ich aktiv in das Thema BDSM und Fetisch einsteigen möchte. Es folgten die ersten Gehversuche und der Kontakt zu Gleichgesinnten war sehr wichtig. Ein besonderer Mensch hat mich damals an die Hand genommen und gesagt, dass seine Türe immer offen steht und es wichtig ist sich zu trauen.

Es gibt keine “dummen” Fragen oder niemand wird für seine sexuellen und auch nicht-sexuellen Vorlieben verurteilt. Damals waren viele Dinge unvorstellbar. Auch ich selbst musste gedankliche Blockaden erst einmal einreißen, um meinen Horizont erweitern zu können. Ein Prozess, der durchaus ein paar Jahre gedauert hat. Und am Ziel bin ich noch nicht angekommen, denn es gibt immer noch so viele Dinge zu erleben und die Vielfalt an Fetischen und Möglichkeiten im Bereich BDSM sind scheinbar unbeschränkt.

Spaziergang im Schutzanzug - Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring
Spaziergang im Schutzanzug – Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring

Mit diesem besonderen Menschen, der im Jahre 2007 in mein Leben getreten ist, hat sich inzwischen eine sehr gute Freundschaft entwickelt. Zehn Jahre später, im Jahr 2017, haben wir den Fesselblog gegründet und das war auch für unseren Freund ein besonderes Jahr, denn er wurde zum “Mr. Rubber Switzerland 2017” gewählt. Wir haben die Gelegenheit genutzt und ihn gleich für ein Interview “verhaftet”.

2018 folgte dann der zweite Titel “Mr. Rubber Europe 2018” und auch heute ist die Liebe zu (schwerem Industrie-)Gummi nach wie vor vorhanden. Und so kann es passieren, dass unser lieber Michi zu einem Spaziergang im Grünen einfach mal in einen Schutzanzug schlüpft. Warum denn auch nicht?

In unserer Reihe “Kleider machen Leute” haben wir euch in der Einführung erklärt, dass es wichtig ist Klischees abzubauen und auch im Alltag das Unerwartete zu erleben. Man darf nicht immer von den stereotypen Bildern ausgehen, sondern darf über den Tellerrand hinaussehen. Gummistiefel im Kino oder wie in diesem Beispiel einen Schutzanzug beim Spaziergang.

Picknick im Schutzanzug - Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring
Picknick im Schutzanzug – Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring

Dinge, die eigentlich vollkommen “normal” sind werden hier in einen Kontext gebracht, den man im ersten Augenblick nicht erwartet. Gummistiefel sieht man im Stall, aber im Kino ist es doch seltsam. Und einen Schutzanzug beim Spaziergang ist auch irgendwie surreal. Für den Träger ist es Freude, er ist glücklich und dieses Glück trägt er nach außen.

Einige Passanten könnten durchaus den Gedanken hegen, dass dieser Anblick “pervers” ist, doch wenn man ehrlich ist, dann entsteht die Perversion in deren Köpfen. Unser Schutzanzug-Freund geht “nur” spazieren und ist glücklich dabei. Sollte man ihm dieses Glück einfach nehmen? Nur weil es nicht in das Alltagsbild eines Nicht-Fetischisten passt, muss es noch lange nicht “pervers” sein.

Ruhephase im Schutzanzug - Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring
Ruhephase im Schutzanzug – Copyright 2020, mit freundlicher Genehmigung von Michael Gehring

Noch dazu finden an dieser Stelle keine sexuellen Handlungen statt und was der Träger des Schutzanzugs dann Zuhause im Spielzimmer macht, das geht nur die Personen etwas an, die mit in diesen Raum eingeladen werden. Uns ist an dieser Stelle sehr wichtig euch Lesern mitzuteilen, dass man sich durchaus trauen kann in einem für andere “ungewöhnlichen” Outfit auf die Straße gehen, solange man unbeteiligte Dritte nicht belästigt.

Für unseren Freund Michi ist ein solcher Spaziergang nicht ungewöhnlich. Es ist eine Möglichkeit den Alltag bunter zu gestalten und mehr Lebensfreude zu tanken und das Leben zu genießen. Und das ist auch der Appell an euch! Genießt eurer Leben und seid stolz auf euren persönlichen Fetisch. Lebt euren Fetisch aus und teilt ihn mit euren Freunden. Und wer noch einen entsprechenden “Schubs” braucht, der darf sich gern bei uns melden.

Ich für meinen Teil bin sehr glücklich darüber, dass Michi mir vor 13 Jahren diesen entscheidenden “Schubs” gegeben hat. Ich danke dir von ganzem Herzen für deine Freundschaft!

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