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Treffen der Generationen

Jede Generation wächst mit gewissen Werten auf. Was früher mit dem Gürtel eingebläut wurde, wird heute ausdiskutiert. Was aber nicht bedeutet, dass die jungen Erwachsenen, welche um die Jahrtausendwende auf die Welt kamen, weniger an BDSM interessiert sind. Im Gegenteil: Es kommen neue und frische Ideen dazu.

Wie alt bist du?

Das Alter spielt für viele Personen eine entscheidende Rolle, gerade was auch den sexuellen Kontakt und die Aussicht auf eine gemeinsame BDSM-Session angeht. Viele werden deshalb auch immer einen Partner oder Partnerin der gleichen Generation wählen. Dies liegt wohl an unseren Genen, denn der sexuelle Akt dient ja ausschließlich der Fortpflanzung und dem Erhalt unserer Spezies *hust hust hust*

Dennoch gibt es auch Kontakte und Sessions mit Personen aus verschiedenen Generationen. Manchmal ist es gar nicht so einfach alle Ansichten so unter einen Hut zu bringen. Unterschiedliche Vorstellungen, Werte und Erziehungsmethoden prallen aufeinander und können den Alltag und auch eine Session beleben und manchmal verkomplizieren.

Klassischer BDSM trifft auf High Tech

Ein wahrer Klassiker bei Fesselspielen wird immer ein Seil sein. Auch uns faszinieren Seilfesselungen sehr. Es gibt sogar sehr ästhetische und künstlerische Seilfesselungen, zum Beispiel bei „Shibari“ (hier wird es noch einen gesonderten Artikel geben). Auf der anderen Seite gibt es viele teils sehr technische Spielarten, welche Einzug in die BDSM-Welt gefunden haben. Zeitschlösser, Schlüsselsafes, App-gesteuerte Keuschheitsschellen, digitale Assistenten,… die Liste wird mit jedem Jahr länger.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass hier ein gesundes Mittelmaß der richtige Weg ist. Auf der einen Seite klassische Fesseltechniken und dies unterstrichen durch ein paar technische Spielsachen.

Eins sollte man immer bedenken: Man braucht für BDSM keinerlei Spielsachen! Ein devoter Spielpartner wird immer ohne Spielsachen vor seinem dominanten Spielpartner auf die Knie gehen können! Jeder Devote sollte wissen, wo sein Platz ist. Die Spielsachen, nach denen sich so viele BDSM-Liebhaber sehnen, sind nur eine Materialisierung ihrer Wünsche und Träume.

Vertrauen und Misstrauen

Gerade die jüngeren Generationen wachsen mit der Technik auf. Computer, Tablet, Smartphone, digitaler Assistent, App gesteuerte Keuschheitsschellen, ein Bluetooth-Schloss an der Halskette und permanente GPS-Überwachung. „Ältere“ Personen (verzeiht uns diesen Ausdruck), sind mit solchen Techniken doch eher zurückhaltender.

Kann man der neuen Technik vertrauen oder hat man doch lieber einen physischen Schlüssel in der Hand, mit dem der Master die Schlösser am Sklaven aufschließen kann oder diesen eben bewusst zurückhalten kann? Aber was ist, wenn die Technik versagt? Der Akku des Zeitschlosses ist leer, „Alexa“ hat keine Internetverbindung mehr, das persönliche digitale „Cellmate“-Konto wird gehackt… plötzlich herrschen die Gefahren der Cyberkriminalität auch im Spielzimmer. Man muss für sich selbst entscheiden, wie viel dieser neuen Technik man auch im BDSM zulässt und bei welchen Dingen man doch lieber den Wert auf Tradition legt. Und ein klassisches Vorhängeschloss am Halsband wird immer einen besonderen Glanz haben.

Sprachliche Unterschiede

Jedes Mal, wenn das „Jugendwort des Jahres“ veröffentlicht wird, schütteln wir nur noch den Kopf. Es handelt sich meist um Begriffe, mit denen Erwachsene nichts anfangen können, da sie in deren Sprachgebrauch keinen Einzug finden. Erschreckend ist zudem, wie negativ sich die Sprache unserer Jugend in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Frei nach dem Motto: „Ihr sollt irgendwann meine Rente bezahlen? Gott bewahre!“

Auch im Spielzimmer prallen hier sprachliche Welten aufeinander. Gerade innerhalb der Fetisch-Community verlagert sich die Sprache mehr und mehr ins Englische. Zumindest was manche Fachbegriffe und Abkürzungen angeht. Wir wollen euch ein Beispiel geben, da uns kürzlich zwei Leser unabhängig voneinander darüber berichtet haben, dass sie vor einer neuen Herausforderung stehen und sie diese Freude mit uns teilen wollten.

„Hey, bin jetzt locked. Mein bf hat mir einen cb verpasst und ist jetzt mein Keyholder.“

Übersetzt bedeuetet das, dass sein Partner (bf = boyfriend) ihm einen Keuschheitgürtel (cb = Chastity Belt) angelegt hat und die Schlüssel an sich genommen hat. Es handelt sich also um eine fremdbestimmte Keuschheit. Eine inhaltlich sehr ähnliche Nachricht haben wir von einem anderen Leser erhalten:

„Hallo zusammen. Meine Frau hat mir kürzlich eine Keuschheitsschelle besorgt und zwingt mich diese zu tragen. Ich bin etwas nervös, da sie alle Schlüssel hat und ich ihr vollkommen ausgeliefert bin.“

Zwischen den beiden Lesern liegt ein Altersunterschied von ungefähr 20 Jahren. Dreimal dürft ihr raten, welcher der beiden Gesprächpartner der jünger und welcher der ältere ist.

Die geschriebene und auch die gesprochene Sprache hat sich im digitalen Zeitalter verändert. Angefangen hat es mit Kurznachrichten auf Mobiltelefonen, die bei Einführung eine Beschränkung von 160 Zeichen (inkl. Leerzeichen) pro Nachricht hatten. Fälschlicherweise hat sich für diese Kurznachrichten der Begriff SMS durchgesetzt, wobei SMS für „Short Message Service“ steht, also den Kurznachrichtendienst, über welchen die Kurznachrichten verschickt werden. Die Kurznachricht selbst wäre richtig abgekürzt eine SM (Short Message) gewesen, was uns natürlich ein verschmitztes Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Aufgrund der Zeichenbeschränkung der Kurznachrichten hat man viele Dinge abgekürzt und diese Abkürzungen sind in der Chatsprache beibehalten worden. Manche dieser Abkürzungen werden sogar in die (verbal) gesprochene Sprache übernommen, wie z.B. „lol“ (laughing out loud), was ein lautes Auflachen bedeutet. Aber warum nicht einfach wirklich lachen und stattdessen die Abkürzung „lol“ aussprechen?

Auf den alten Fahrrädern…

… lernt man das Fahren. Wer von euch kennt noch „Mrs. Robinson„? Der Spielfilm „Die Reifeprüfung“ aus dem Jahre 1967 hat den Grundstein gelegt. In diesem Film geht es um einen jungen Mann, der eine Beziehung mit einer gleichaltrigen Frau hat und dann eine Affäre mit deren verheirateten Mutter (Mrs. Robinson) eingeht. Fortan hatten in Film und Fernsehen oft ältere Damen eine magische sexuelle Anziehungskraft und „Mrs. Robinson“ wurde ein Synonym dafür. Kürzlich wurde dieser Begriff mit entsprechendem Kontext auch in der Roman- und Filmreihe „Fifty Shades of Grey“ verwendet.

Wenn die Generationen aufeinandertreffen, dann kann es durchaus interessant werden. Und hinter so manchem (jungen) Neueinsteiger kann ein ungeschliffener Diamant stecken. Und die junge Generation führt die ältere Generation in neue Spielarten ein, die für nicht so technikaffine Personen eine Herausforderung sein können. Wie kann man eine Person per GPS orten? Wie richtet man eine via Smartphone gesteuerte Keuschheitsschelle ein. Für die Jugend sind es ein paar Klicks. Aus unserer Sicht können die Generationen auch im BDSM stark voneinander profitieren, wenn sie sich gegenseitig unterstützen.


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Film: Straße der bösen Jungs („Bad Boys Street“, 2012)
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Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

2 Gedanken zu „Treffen der Generationen“

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag, den ich als älterer Sub sehr schätze. Ich gebe mich sehr gerne in die Hände eines jüngeren TOPs. Und ich merke auch, dass es mir mittlerweile Spaß machen könnte, die aktive Rolle zu übernehmen und einen jüngeren Kerl zu fixieren. Man kann immer in jeder Hinsicht voneinander lernen, nicht nur was Technik und ihre Möglichkeiten betrifft.

    Leider ist es nicht immer einfach, zwischen den Generationen miteinander in Kontakt zu kommen. Wenn ich mir auf manchen Plattformen anschaue, wie rigoros Altersgrenzen gesetzt werden, die auch auf jeden Fall zu beachten sind, dann stimmt mich das schon nachdenklich und traurig. Wir werden alle mal älter; das Alter sollte kein – ausschließliches – Kriterium für Kontakte sein. Aber wahrscheinlich ist das wieder ein anderes Thema und kein spezielles BDSM Problem. Herzliche Grüße!

    1. Hallo Roland, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Wir sehen das „Treffen der Generationen“ auch als Chance. Doch gerade junge Personen haben oft gegenüber älteren Spielpartnern Vorbehalte. Vielleicht werden sie auch zu sehr an die eigenen Eltern erinnert. Man kann und sollte es nicht erzwingen. Dass sie alle selbst irgendwann älter werden, die Erkenntnis kommt meist erst später.

      Wir wünschen dir jedenfalls weiterhin viel Erfolg und hoffentlich einen entsprechenden Kontakt zu Menschen, die dir gut tun und mit denen du gemeinsam Spaß haben kannst.

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