GearPoint Fetish Weekend 2022 - Copyright 2022, fesselblog.de

Gearwalk – In voller Montur in die Öffentlichkeit

Wer von euch ist schon einmal in Fetischkleidung auf die Straße gegangen? Ein mutiger Schritt, den sich viele Fetischfreunde nicht trauen. Doch wovor haben diese Personen Angst? Angst vor Ablehnung oder gar Gewalt durch Mitmenschen? Wie wäre es mit einem „Gearwalk“ im Schutz der Gruppe?

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Viele Personen haben einen Fetisch. Das kann ein bestimmtes Kleidungsstück oder eine komplette Montur von Kopf bis Fuß sein. Eigentlich ist es naheliegend, dass man diese Freude des Tragens möglichst lange erleben mag. Doch traut man sich damit wirklich in die Öffentlichkeit? Viele würden jetzt sagen: Es kommt darauf an. Handelt es sich bei dem Fetischobjekt vielleicht um Wanderstiefel oder eine Lederhose, so würden die meisten Außenstehenden dieses Kleidungsstück gar nicht als Fetisch identifizieren. Ein komplett in Gummi gekleideter Mensch hingegen fällt da eher auf. Und damit wirklich in die Öffentlichkeit treten?

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Im Radio haben wir kürzlich wieder das Lied „Wenn sie tanzt“ von Max Giesinger gehört. In dem Lied gibt es folgende Textzeilen:

Sie würde gerne mal auf ’n Date geh’nIn ihrem Lieblingskleid nicht nur vor dem Spiegel stehenAber ob sie sich das trautSelbst wenn die Zeit es mal erlaubt

Diese Zeilen stimmen uns immer nachdenklich und auch melancholisch. Es ist hier die Rede von einer Frau, die ein Lieblingskleid hat, aber sich damit nicht raustraut. Sie trägt es gern, sieht sich damit im Spiegel an, aber der Schritt in die Öffentlichkeit ist eine Hürde. An der Stelle wollen wir nicht unterstellen, dass der Songschreiber hier an einen Fetisch gedacht hat, aber die emotionale Hürde mag für einen Fetischisten in seinen Lieblingskleidungsstücken sehr ähnlich sein.

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Fakt ist, dass ein Fetischist beim Tragen seiner Fetischobjekte meist glücklicher ist als ohne sie. Warum dieses Glück und diese Freude nicht mit anderen in der Öffentlichkeit teilen? Doch allein ist die Hürde größer als in einer Gruppe. „Im Schutz der Gruppe“, heißt es so schön. Und darin steckt viel Wahrheit.

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Ich selbst erinnere mich zurück, als ich vor fast zwei Jahrzehnten dazu ermutigt wurde in der Öffentlichkeit ein abgeschlossenes Lederhalsband zu tragen. Ich bin gefühlt tausend Tode gestorben. Doch die Gesellschaft eines Freundes, der ebenfalls ein solches abgeschlossenes Halsband trug, machte die Situation für mich erträglicher und nach diesem Erlebnis sank bei mir innerlich die Hemmschwelle. Im Grunde genommen war das schon ein kleiner „Gearwalk“.

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Doch was versteht man eigentlich unter einem „Gearwalk“? Man liest dieses Wort inzwischen immer häufiger, meist im Zusammenhang einer Fetisch-Veranstaltung. Unter „gear“ versteht man die Fetischkleidung und „walk“ bezeichnet den Spaziergang in der Öffentlichkeit. Ein solcher Gearwalk findet meist in einer Gruppe statt. Diese kann aus zwei bis unendlich vielen Personen bestehen. Je mehr Personen daran teilnehmen, desto häufiger sieht man auch Personen in normaler Alltagskleidung. Das liegt meist daran, dass auch Freunde von Fetischisten, die selbst keinen Fetisch haben, an solchen Events teilnehmen. Jeder ist willkommen und alle teilen ihre gemeinsame Freude an der gegenwärtigen Situation.

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Im Oktober 2022 waren wir zu Gast beim Verein GearPoint in der Schweiz, die im Zuge eines Fetish Weekends einen Gearwalk veranstaltet haben. Es war ein schönes Erlebnis daran teilzunehmen und die farbenfrohen Personen zu treffen, die daran teilnehmen. Zudem war es sehr faszinierend die Passanten zu beobachten. Meist wurden die Augen hier sehr groß und den meisten hat es ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Die Offenheit der Mitmenschen war deutlich zu spüren, gerade auch bei Personen, hinter denen man es gar nicht vermutet hätte. Eine betagtere Dame verabschiedete sich zum Beispiel bei einer Schwester der Perpetuellen Indulgenz mit den Worten „Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und wenn ich das sagen darf: Sie sehen fantastisch aus!

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Solche Komplimente gehen natürlich runter wie Öl. Aber jede Medaille hat zwei Seiten und so gab es auch Ablehnung. Bei einem Gruppenbild, bei welchem ich hinter der Kamera war, standen plötzlich zwei Herren hinter mir und der eine kommentierte die Situation mit den Worten: „Was ist das denn hier für eine kranke Scheiße„. Ein aufklärendes Gespräch wurde von mir umgehend angeboten, jedoch verachtend abgelehnt und schon war die Person auch verschwunden.

Man muss immer damit rechnen, dass das eigene Tun und Handeln gerade im Bereich Fetisch in der Öffentlichkeit nicht immer auf Gegenliebe stößt. Es kommt auch immer darauf an, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält. Lebt man seinen Fetisch für sich aus ist das eine Seite, auf der anderen Seite kann man in der Öffentlichkeit auch bewusst auf Fremde zugehen und diesen seinen Fetisch aufdrängen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Mitmenschen nur verwundert schauen, weil sie in ihren Alltagsgedanken einfach nicht mit solchen Gegebenheiten rechnen. Man kommt aus der Arbeit, geht noch schnell zum Einkaufen und plötzlich laufen maskierte und teils geschminkte Personen in Fetischkleidung einem vor der Nase herum. Dieser Passant wird im Anschluss zuhause etwas zu erzählen haben.

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Da es sich bei unserem Gearwalk in Basel um eine offizielle Veranstaltung gehandelt hat, wurde diese auch angemeldet. Gerade im Zoo, der auch gern von Familien mit Kindern besucht wird, war der Gearwalk kein Problem. Fetischkleidung ist kein Problem, solange keine Unzucht getrieben wird. Unzüchtig waren wir nicht, auch wenn wir ein paar Spaßvögel dabei hatten, die sehr genau wissen, wie sie sich ins Rampenlicht stellen. Und das Resultat: Ein Riesenspaß für die Teilnehmer und viele grinsende Gesichter, die uns beobachtet haben.

Wir danken GearPoint für das Veranstalten des Gearwalks und den schönen gemeinsamen Erinnerungen, auch abseits der Kamera. In einem weiteren Beitrag erfahrt ihr mehr über das GearPoint Fetish Weekend 2022.

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

4 Gedanken zu „Gearwalk – In voller Montur in die Öffentlichkeit“

  1. Ein sehr guter Artikel. Auch ich trage in meiner Freizeit häufig Fetischkleidung (meist Warnschutz), welche die meisten nicht als solche erkennen.
    Im Sommer trug ich das erste Mal einen ganzen Tag lang in der Öffentlichkeit eine meiner Latexhosen. Ich muss gestehen, dass ich mich ohne den Freund, der mich begleitete, das wahrscheinlich nicht getraut hätte. Mit einer moralischen Unterstützung oder in einer Gruppe Gleichgesinnter fällt es wirklich wesentlich leichter. Und es macht viel mehr Spaß.

  2. Danke für den interessanten Bericht.
    Ich bin bei dem Thema so etwas hin und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich so einen Gearwalk ganz interessant, freue mich für die Teilnehmer. Mein Motto: Hauptsache es macht Spaß. Ich selbst stehe eher so auf Gummi und da besonders auf Schutzanzüge wie dem Zodiak. Bei 2 oder 3 Gelegenheiten habe ich das auch in der Öffentlichkeit getragen. Zuletzt bin ich im Zodiak mit Splitterschutzweste in einem Technoclub tanzen gewesen (kleinen Bericht dazu gibt es im Schutzanzugforum) .
    Jetzt das Aber:
    Angenommen Fetischkleidung aller Art wäre überall 100 % akzeptiert und alltäglich. Würde nicht zumindest einem Teil der Fetischgemeinde das leicht Verruchte, Abgründige und auch der Nervenkitzel beim Tragen fehlen ?
    Mir persönlich schon. Darum bin ich da eher etwas sparsamer mit dem Nutzen solcher Gelegenheiten.
    Dennoch viel Spaß und Freude euch !
    Gruenmann

    1. Hallo Gruenmann,
      herzlichen Dank für deine Eindrücke. Es ist in der Tat ein gewisser Nervenkitzel in der Öffentlichkeit in Fetischkleidung aufzutauchen. Doch warum ist das so? Für viele ist es die Tatsache, dass sie in dem Moment nicht der Norm entsprechen. Sie heben sich optisch von der Menge ab und genießen das.

      Doch warum trägt man denn Fetischkleidung überhaupt? Es erregt die Träger. Man trägt Leder, Gummi oder in deinem Fall einen Schutzanzug, weil man selbst daran Freude hat und vielleicht sogar sexuelle Erregung spürt. Es ist gut möglich, dass Außenstehende genau diesen Aspekt der sexuellen Erregung in den Fokus rücken und deshalb ist das abnorme Verhalten Fetischkleidung in der Öffentlichkeit zu tragen wie Sex in der Öffentlichkeit. Und weil Sex etwas sehr Intimes ist, sorgt es für Unverständnis solche Intimitäten mit wildfremden Personen in der Öffentlichkeit zu teilen.

      Drehen wir den Spieß um: Fetischkleidung ist zu 100 % in der Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Ist man dann noch besonders? Sticht man dann noch aus der Menge hervor? Eigentlich nicht, denn es ist ja nicht mehr abnorm, sondern alltagstauglich. Aber warum sollte die eigene Freude darunter leiden, wenn man das problemlos in der Öffentlichkeit tragen kann.

      Da stellt sich die Frage bei einem Gearwalk: Ist es die Freude Fetischkleidung in der Öffentlichkeit zu tragen und mit seinen Freunden Spaß zu haben oder ist es eher der Kick öffentlich sichtbar nicht der (optischen) Norm zu entsprechen?

      Und in Zodiak und Splitterschutzweste in einem Technoclub zu sein ist doch wunderbar. Warum also nicht auch so in den Supermarkt gehen? Es ist ja „nur“ Kleidung. Oder ist es mehr? Vielleicht sogar die bewusste (dosierte) Provokation der Mitmenschen?

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