Wenn die eigene Frau eine Domina ist, dann gehen Menschen davon aus, dass man selbst ebenfalls im Bereich Fetisch und BDSM unterwegs ist. Doch was ist, wenn man selbst damit gar nichts am Hut hat? Kann eine Beziehung funktionieren, wenn eine Frau beruflich andere Menschen unterwirft? Wir haben mit einem besonderen Paar aus Ulm gesprochen.
Fesselblog: „Vielen Dank, dass ihr euch für das Interview Zeit genommen habt. Wir haben erfahren, dass Simone* einen besonderen Beruf hat. Wie kommst du, Tom* [*Anmerkung: Namen aus Datenschutzgründen geändert] damit klar?“
Tom: „Als ich Simone kennengelernt habe, waren wir beide noch sehr jung. Doch haben wir schnell festgestellt, dass wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen wollen. Nach ein paar Jahren Beziehung und der Gründung einer kleinen Familie (wir haben zwei Söhne) sagte mir Simone, dass ihr irgendetwas fehlt.“
Im Leben fehlt etwas
Simone: „Ich konnte aber nicht sagen, was genau mir fehlte. Ich war an sich glücklich, doch in mir schlummerte noch etwas. Wir haben dann ein paar Dinge im sexuellen Bereich ausprobiert und da merkte ich, dass ich hier einen gewissen Drang verspüre. Tom half mir dabei, diese Seite zu entfesseln, doch selbst konnte er damit wenig anfangen. Tom fragte mich kurzerhand, ob ich mir vorstellen könnte, dies beruflich auszuüben. Ich war zunächst irritiert, da ich meinen Mann sexuell nicht betrügen wollte.“
Tom: „Wir haben sehr lange darüber gesprochen. Und damit meine ich nicht nur an einem Abend, sondern über mehrere Wochen. Über das Internet haben wir dann zu einer Agentur Kontakt aufgenommen und so brachten wir den Stein ins Rollen.“
Simone: „In der Agentur konnte ich mit anderen Frauen sprechen, die den Beruf der Domina ausüben. Ich hatte davon tatsächlich ein falsches Weltbild. Dem Hollywood-Klischee entsprechend dachte ich, dass eine Domina immer Lack und Leder trägt und dann ihre Sklaven mit der Peitsche behandelt. Doch es ist so viel mehr! Und das bedeutete zunächst sehr viel Lernen und üben. Ich musste viel über die Anatomie des menschlichen Körpers lernen und auch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Als Proband half mir mein Mann und wir kauften uns privat auch ein paar Spielsachen.“
Trockenübungen
Tom: „Wenn meine Frau mir sagt, dass sie Arbeit mit nach Hause gebracht hat, dann weiß ich genau, dass wir, sobald unsere Jungs im Bett sind, ein paar Übungen im Schlafzimmer machen. Fesselungen mit Seilen, Ledermanschetten oder auch Ketten. Für mich sind diese Erfahrungen reizvoll, doch lasse ich mich davon nicht beherrschen. Ich genieße es, wenn meine Frau an mir übt und ich in den Genuss einer Fesselung komme, doch ändert das nichts an unserer Beziehung. Also wir haben nach wie vor eine Ehe auf Augenhöhe und ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass sie dauerhaft meine Domina ist. Es ging bei unseren Trockenübungen sogar so weit, dass sie sich von mir auch hat fesseln lassen. Sie wollte wissen, wie sich diverse Fesselstellungen anfühlen. Natürlich habe ich sie auch hier unterstützt.“
Simone: „Manche Dinge kann man schlecht erklären, die muss man selbst erleben und dafür bin ich Tom sehr dankbar. Mir war schnell klar, dass jeder Mensch auf Fesselungen anders reagiert. Die Tagesform ist auch ein entscheidender Faktor. Übung macht eben den Meister oder in meinem Fall die Domina. Was es bedeutet eine Person zu schlagen, das war eine größere Herausforderung. Der Pazifist in mir sträubt sich mit der Peitsche zuzuschlagen, die Domina in mir genießt es auf eine gewisse Art. Hier haben wir bei der Übung eine klare Grenze gezogen, sprich ich habe meinen Mann nie geschlagen.“
Fesselblog: „Fühlt es sich bei einer Session mit einem Kunden dann manchmal doch nach Betrug an deiner Beziehung bzw. Ehe an?“
Simone: „Da ich bei meinen Kunden den klassischen Geschlechtsverkehr ausschließe und meine Kunden ausschließlich BDSM-Dienstleistungen erhalten, ist es grundlegend etwas, was ich mit meinem Mann nicht betreibe und von daher fühlt es sich auch nicht nach Betrug an. Mein Hormonhaushalt ist seit der Ausübung meines Berufs viel ausgeglichener. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass ich meinen Alltagsfrust an den Kunden auslasse, aber wenn es stressig ist, dann hat das durchaus schon mal ein Kunde zu spüren bekommen, ohne den Hintergrund zu kennen.
Zudem muss man erwähnen, dass ich hauptberuflich Hausfrau und Mutter bin. Es ist mir auch wichtig, dass ich für die Kinder da bin, wenn sie aus der Schule kommen und meinen Beruf als Domina übe ich in Teilzeit an den Abenden aus. Es ist ein nettes Zubrot, dass unserer kleinen Familie gut tut, aber wir sind auf das Geld nicht angewiesen. Ich habe meinen Spaß und fühle mich dabei wohl.“
Fesselblog: „Wie siehst du das, Tom?“
Tom: „Seit meine Frau diesen speziellen Beruf ausübt, ist sie ausgeglichener. Ich habe das Gefühl, dass es uns sogar weiter zusammengeschweißt hat, da wir uns gegenseitig vollkommen vertrauen können. Diskretion ist uns dabei sehr wichtig und wir halten diese Welt von unseren Kindern fern. Sollten Sie nach Erreichen ihrer sexuellen Reife Interesse an BDSM zeigen, so werden wir sie nach bestem Wissen aufklären können.“
Fesselblog: „Vielen Dank, dass ihr eure Erfahrungen mit uns teilt! Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute!“
Für uns ein wirklich spannendes Thema. Könntet ihr euch vorstellen als Domina zu arbeiten, auch wenn diese Welt in eurer Beziehung (oder Ehe) keine Rolle spielt? Wäre das möglicherweise ein Vertrauensbruch in eurer Beziehung? Es dürfen sich natürlich auch andere Dominas melden und ihre Erfahrungen schildern, wie sie es meistern Berufliches und Privates zu trennen. Wir freuen uns auf eure Zuschriften.
