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Fragebogen vs. persönliches Gespräch

Vorlieben sind sehr verschieden und vor einem gemeinsamen BDSM-Abenteuer ist es wichtig zu wissen, welche Vorlieben die andere Person denn hat. Es gibt mehrere Möglichkeiten diese Dinge zu erfragen, z.B. einen Fragebogen oder ein persönliches Gespräch. Doch was ist denn nun „besser“? Wir führen eine offene Diskussion mit einem Blogger-Kollegen.

Wir begrüßen an dieser Stelle Michael von „Kinky Flamingo„.

Fesselblog: Wir freuen uns immer sehr mit Gleichgesinnten über Themen aus dem Bereich BDSM und Fetisch zu sprechen (bzw. zu schreiben). Das heutige Thema ist „Fragebogen vs. persönliches Gespräch“. Gerade beim Dating auf Online-Plattformen kann es schon mal sein, dass man von Gesprächspartnern ausgefragt wird, was denn bei einer Session alles möglich wäre. Dann kommen natürlich die Gegenfragen, welche Vorlieben die Person gegenüber denn hat. Das endet dann manchmal in einer tagelangen Diskussion über Vorlieben und Tabus und manchmal hat man den Anschein, als würde allein diese Diskussion der Hauptgrund für die Konversation sein und ein physisches Treffen nicht mehr im Fokus liegen.

Kinky Flamingo: Gerade ein persönliches Gespräch hat ja den Vorteil, dass man die Person auch ein bisschen besser kennenlernen kann, man kommt etwas näher daran, diese Person einschätzen zu können. Besonders, wenn es um so etwas wie persönliche „Chemie“ geht, ist so ein Gespräch wichtig. Aber auch da neigen Chats dazu, dass man sich ein Bild der Person macht, das von der Realität stark abweicht, weil man die Person weder sieht noch hört. Das ist mir schon öfter so gegangen, dass die „Chat-Person“ sich von der „realen“ Person stark unterschied – auch nach einem langen Chat-Gespräch. Weiter kommt es auch auf den Fragebogen an, wie detailliert er ist und welche Antwortmöglichkeiten es gibt. Was mich am meisten an dieser Fragebogen-Technik stört ist, dass es keinen Raum gibt für Dinge, die im vertrauten Miteinander entstehen, die man im Fragebogen nicht abbilden kann. Es kommt immer darauf an, was man sucht: Schnelle Nummer, also wo es rein um die Befriedigung geht oder mindestens doch so etwas wie eine persönlich/intime Komponente dabei. Nicht zuletzt, so hilfreich ein Fragebogen auch ist, denke ich bei so einem Fragebogen auch immer an ein Produkt, dass man sich konfigurieren kann und dessen Eigenschaften man katalogisch ablesen kann…

Fesselblog: Es gibt unzählige Vorlieben, die man bei einem Gespräch gar nicht alle aufzählen kann. Ein kurzer Fragebogen kann nicht nur die Vorlieben und Tabus eindeutig abfragen, sondern auch die Gewichtung der jeweiligen Fetische etwas klarer aufzeigen. Das eine mag man mehr, das andere weniger und manche Dinge möchte man vielleicht ausprobieren, obwohl man in der Vergangenheit noch keine Erfahrungen hatte.

Kinky Flamingo: Sicher, wenn es um die Vielzahl von Vorlieben, oder auch die Kombination von Vorlieben geht, ist der Fragebogen schnell am Ende. Sofern man überhaupt einen noch einigermaßen händelbaren Fragebogen haben möchte. Für unerfahrene Subs ist es ebenso ein Risiko, dass sie entweder den Fragebogen aus Vorsicht viel zu zurückhaltend beantworten, oder aber aus dem Gefühl sexueller Vorfreude sich selbst überschätzen oder falsch einschätzen.

Fesselblog: Mit unserer „Einverständniserklärung zur BDSM-Session“ haben wir auch schon einen kleinen Fragebogen ins Spiel gebracht. Der Unterschied dabei ist, dass die Spielpartner ihn gemeinsam ausfüllen. Bei einem Fragebogen im Kontext mit diesem Beitrag wäre es eher ein Formular, welches vorrangig vom devoten Spielpartner vorab allein ausgefüllt werden sollte. Dies bietet einem vielleicht unerfahrenen BDSM-Liebhaber die Möglichkeit in Ruhe in sich zu gehen und sieht sich auch nicht im Zugzwang beim gemeinsamen Ausfüllen mit dem dominanten Spielpartner falsche Angaben zu machen und dadurch mögliche falsche Erwartungen zu fördern.

Kinky Flamingo: Es ist vor allem ja auch ein Spaß, mit einem Spielpartner Techniken langsam zu erkunden, die man vielleicht bei einem Fragebogen vorher schon ausgeschlossen hätte. Und wo du die Einverständniserklärung ansprichst: Es ist sowieso mindestens ebenso wichtig, in einem persönlichen Gespräch oder Chat, nicht nur verschiedene Praktiken abzusprechen, sondern auch zu testen, inwieweit vor allem der Dom überhaupt vertrauenswürdig ist. Herauszufinden, wie er seine Rolle sieht. Ist der Sub für ihn nur ein Spielzeug (nicht im sexuellen Sinne) oder weiß er ihn in der jeweiligen Spielsituation auch wertzuschätzen; ist es eine „gemeinsame“ Session oder ist es aus Sicht des Doms nur eine für sich selbst?

Fesselblog: Natürlich müssen wir auch zugeben, dass weniger manchmal mehr ist. Kürzlich sind wir auf einen Fragebogen gestoßen, der sage und schreibe 41 DinA4-Seiten lang war. Das Ausfüllen würde mir Sicherheit mehrere Stunden dauern. Das wäre uns selbst dann doch zu viel. Aber ein „kleiner“ Fragebogen wäre schon gut oder was meinst du Michael?

Kinky Flamingo: Es hilft sicherlich, da wir aktuell eh mehr über Chat-Gespräche reden als über persönliche vor Ort, wenn man im jeweiligen Profil schon einiges an Informationen hineinschreibt. So lassen sich bestimmte Fragen bereits vorher klären. Und es hat einen weiteren Vorteil: Man erfährt, ob der andere mindestens so viel Interesse an einem aufbringt, dass er wenigstens das eigene Profil zu Ende gelesen hat.

Fesselblog: Das stimmt allerdings. Wir haben auch schon gemerkt, dass viele Chatpartner beim Online-Dating nur auf eine schnelle Nummer aus sind. Es werden Fragen gestellt, dessen Antworten bereits im Profil stehen. Klar kann man diese Fragen auch im persönlichen Gespräch klären, aber manchmal hilft genaues Lesen schon sehr. Wir können deshalb durchaus Spielpartner verstehen, die einen (kleinen) ausgefüllten Fragebogen als eine gewisse Hürde einbauen. Nur wer wirklich Interesse an einer Session hat, der wird den Fragebogen auch ausfüllen. Und wenn jemandem diese „Arbeit zu viel“ ist, dann stellt sich die Frage, wie es dann bei einer Session wäre. Geht es dabei auch nur um die eigene sexuelle Befriedigung oder steht die gemeinsame Lust im Vordergrund? Gerade als Neueinsteiger ist ein kleiner Fragebogen manchmal recht hilfreich, um sich selbst darüber Gedanken zu machen, was man denn eigentlich selbst möchte. Welche Fetisch hat man, welche möchte man vielleicht noch kennenlernen und wo sind die Grenzen. Und in einem gemeinsamen Gespräch lassen sich dann im Anschluss die Details vertiefen.


Wir bedanken uns bei Michael von „Kinky Flamingo“ für die Diskussion über das Thema Fragebogen (der Beitrag wurde analog auch auf dessen Blog veröffentlicht, welchen ihr hier nachlesen könnt). Was denkt ihr denn? Lieber einen Fragebogen und Ruhe ausfüllen, damit alle Unklarheiten beseitigt sind oder doch lieber ein persönliches Gespräch? Schreibt uns gern einen Kommentar oder eine E-Mail an kontakt@fesselblog.de, wir freuen uns auf eure Zuschriften.

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM.

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