Folsom Europe 2017

Folsom Europe 2017

Einmal im Jahr, und das inzwischen zum vierzehnten Male, versammeln sich internationale Gäste in der Bundeshaupstadt Berlin. Der Grund: es ist wieder Folsom Europe. Für Außenstehende ein unbekanntes Event, für Fetischisten eine Pflichtveranstaltung, die schon ein Jahr im Voraus groß im Kalender markiert wird. Zentraler Höhepunkt ist zweifelsohne das Straßenfest auf der Kreuzung Fuggerstraße und Welserstraße. Wir waren dabei und haben unzählige Eindrücke gewonnen, von den wir euch einen Teil erzählen möchten.

Es ist Semptember, es wird kalt, die Abende werden kürzer und trotzdem geht es heiß her. Auf offener Straße begegnen einem Menschen, wie man sie meist nur aus Fetish-Kneipen oder Clubs kennt. Ein zwei Meter großer Ledermann führt seinen Sklaven aus und der ein oder andere gummierte Streuner lechzt danach an die Leine genommen zu werden. Schwere Schritte kommen näher, hohe Stiefel wandern mit ihren stolzen Trägern durch die Straßen von Berlin und dabei ist alles, was das Herz begehrt: Cowboys, Soldaten, Lederbiker, Doggys, Gummiträger und auch Diven in Highheels.

Mitten unter Ihnen treffen wir auch “Mr. Rubber Switzerland 2017” und getreu dem Motto “Have fun and enjoy” werden wir symbolisch an der Hand genommen und werden Teil eines der größten internationalen Fetish-Events. In diesem Zuge lernen wir auch weitere Schärpenträger kennen, die ihren jeweiligen Fetish in ihrem Heimatland mit größtem Stolz vertreten. Und auch wir konnten uns davon überzeugen, dass diese Repräsentanten ihren Fetish nicht nur vorführen, sondern auch leben. Das gemeinsam Fotoshooting war schon mal ein kleiner Vorgeschmack, doch uns war nicht bewusst, welche Überraschungen noch auf uns warteten.

Folsom Europe 2017 - "Mister"-Fotoshooting vom 08.09.2017
Folsom Europe 2017 – “Mister”-Fotoshooting vom 08.09.2017

Am Vorabend des Staßenfests treffen sich die Ledermänner. Hunderte Männer in den schicksten Uniformen schmücken die Straßen. Würde man all den heißen Kerlen die Kleider vom Leib reißen und auf einen Haufen werfen, könnte man damit vermutlich die Titanic aufwiegen. Ok, vielleicht etwas übertrieben, aber so viel Leder auf einem Haufen, das mit so viel Freude und Stolz getragen wird ist eine Schau. Fleißige Bienchen bauen Stände auf, die Straße verwandelt sich in ein Festgelände. Überall sieht man fröhliche Gesichter, die Alltagssorgen sind im Moment vollkommen ausgeblendet und alle sind im Hier und Jetzt und feiern.

Endlich ist es soweit, das Straßenfest hat begonnen. Wie durch einen unsichtbaren Magneten angezogen strömen tausende farbenfroh gekleidete Männer (und auch Frauen) auf das Festgelände. Es ist kein Betreten, es ist eher ein Eintauchen in eine neue Welt. Jeder präsentiert sich von seiner persönlich begehrenswertesten Seite, jeder will sehen und jeder will gesehen werden. Und manche, die gesehen aber vielleicht nicht gleich erkannt werden wollen, ziehen sich eine Maske über. Gasmasken, Hundemasken, Leder, Gummi, Neopren, alles was verfügbar ist, gab es auch zu sehen. Das ein oder andere Halsband oder auch Halseisen zierte so manchen Hals, und das geschulte Auge konnte auch den ein oder anderen Keuschheitsgürtel erkennen. Zwangsjacken sicherten so manchen Sklaven und die Leinen und Ketten wurden meist kurz gehalten.  Kurz angebunden (im übertragenen Sinne) war niemand (im wörtlichen Sinne schon eher) es wurde gefeiert und man nimmt sich die Zeit gemeinsam unter Gleichgesinnten zu sein.

Selbst der Regen und der frische Wind konnte die Stimmung nicht trüben, denn plötzlich steht er vor dir: der schönste und geilste Mensch, den du jemals in deinem Leben gesehen hast, zumindest für die nächsten fünf Meter. Es geht heiß her, die Regentropfen verdampfen auf den Körpern wie  Tropfen auf einem heißen Stein. Ein paar Verkaufsstände gibt es auch und die Läden haben geöffnet. Kurzentschlossene kaufen sich hier noch ein Accessoire, sei es nun eine Lederkrawatte, eine Gummihosen oder einen Knebel um seinen Liebsten elegant zum Schweigen zu bringen. Unübersehbar waren ein paar stark vertretene Marken. Dieses Phänomen werden wir demnächst genauer betrachten.

Wir konnten mit vielen Gästen aus aller Welt (darunter Deuschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Polen, Niederlande, Spanien, Frankreich, USA und sogar Australien) interessante ungeknebelte Gespräche führen. Die meisten sind Wiederholungstäter bei diesem Event und jeder Frischling, den wir getroffen haben, versicherte uns ein erneutes Wiederersehen zur Folsom Europe 2018 und folgende. Die Zeit vergeht wie im Fluge und man kann und will sich nicht sattsehen. Könnte man die Zeit anhalten und in eine Glaskugel sperren, so würden viele bestimmt diesen Moment wählen. Diese Vergänglichkeit ist aber leider nicht aufzuhalten und so freuen wir uns selbst auf nächstes Jahr. Vielleicht ist es aber auch deshalb nur etwas Besonderes, da dieses Event nur einmal im Jahr stattfindet. Es wurden einige Grundsteine gelegt und ich hoffe, dass dies der Beginn der ein oder anderen Freundschaft ist. Die Leidenschaft teilen wir ja schon, man kann diesen Weg viel schöner gestalten, in dem man ihn gemeinsam geht.

“Have fun and enjoy”, den hatten wir, den haben wir und den werden wir weiterhin haben. Danke euch allen für diese wunderschöne gemeinsame Zeit.

Wir kommen auch wieder!

8 Gedanken zu „Folsom Europe 2017“

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