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Hilfe, mein Kind steht auf BDSM! – Ratgeber für Eltern

Eltern und Erziehungsberechtige sind nicht nur für die Erziehung von Kindern da, sondern auch für ihren Schutz. Und eben diesen Schutz immer zu garantieren ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Doch was passiert, wenn ein Kind sich zum Thema BDSM hingezogen fühlt? Kein Grund zur Sorge, wir helfen euch!

Jede Person wird im Laufe seiner Pubertät seine eigene sexuelle Identität und seine sexuelle Ausrichtung definieren. Sprich: „Wer bin ich und zu welcher Person fühle ich mich hingezogen“. Oft gibt es eine gewisse Phase des Experimentierens und so werden sexuelle Praktiken durchaus spielerisch ausprobiert.

Es wäre an der Stelle falsch, mit entsprechenden Verboten durch die Eltern zu reagieren. Viel besser ist die gemeinsame Aufklärung. Es ist gut möglich, dass Eltern hier an ihre Grenzen stoßen, da Kinder sich möglicherweise an Themen und Praktiken heranwagen, welche von den Eltern selbst nicht praktiziert wurden/werden.

Eins vorab liebe Eltern: IHR HABT NICHTS FALSCH GEMACHT! Sexuelle Aufklärung ist das „A und O“ und davor braucht man sich nicht schämen. Aus welchem Grund auch immer ist die Hürde seine Kinder sexuell aufzuklären sehr groß. Es geht um eine gewisse Art von Scham. Kinder schämen sich gegenüber ihrer Eltern von ihren sexuellen Gefühlen zu sprechen und Eltern geht es ganz genauso. Doch man kann sich nicht davor verschließen.

Spätestens die digitalen Medien werden ihren Beitrag dazu leisten, um Heranwachsende aufzuklären. Doch gerade das Internet ist ein Schlaraffenland von Fehlinformationen. Das Leben ist eben kein Dauerporno und was man hier teils komplett ungefiltert im Internet findet, erstaunt (und erschreckt) auch unser Team jeden Tag aufs Neue.

Wann Kinder geschlechtsreif sind, das erfährt man sehr schnell. Bei Mädchen ist es mit dem Einsetzen der Periode, bei Jungen mögen es feuchte Träume sein, deren Spuren auch in der Unterwäsche zu finden sind.

Wie erkennt man die Neigung zum BDSM und Fetischismus?

Es mag viele mögliche Indizien dafür geben. Von offensichtlichen Spielsachen bis hin zu erotischen Heften unter dem Bett oder heute wohl eher den Browser-Verlauf. Der Zutritt in Sexshops ist aus Jungendschutzgründen nur volljährigen Personen gestattet, doch es gibt viele Online-Shops, die keine Altersverifizierung durchführen und in denen (meist harmlose) „Drogerieprodukte“ gekauft werden können. Doch darf man einer heranwachsenden Person nicht negativ vorwerfen, welche Produkte oder Medien konsumiert werden. Was sich Kinder nicht selbst besorgen können, das organisieren dann ältere Freunde. Wichtig ist, dass man den Kindern einen sicheren Hafen bietet und ein (auf)klärendes Gespräch anbietet.

Das Interesse an einschlägigen Filmen mit BDSM-Inhalten kann ebenfalls ein Indiz dafür sein. Es müssen nicht die dedizierten BDSM-Filme sein, denn in vielen anderen Filmen gibt es Elemente von Fetischismus und BDSM. Wir haben hier schon einmal eine Beitragsreihe gebracht mit Beispielen zum Thema Fetisch-Momente, fesselnde Momente, folternde Momente und Entmannung. Uns ist durchaus bewusst, dass diverse Filme keine Jugendfreigabe haben, aber das ist im heutigen Zeitalter für Heranwachsende keine Herausforderung an solche Filme zu gelangen.

Und sollte beim Spielen von „Cowboy und Indianer“ oder „Räuber und Gendarm“ das eine Kind sich zu gern und lange fesseln lassen, dann könnte es gut sein, dass hier eine Vorliebe für Bondage vorhanden ist oder sich gerade entwickelt.

Weißt du eigentlich, was BDSM ist?

„Mama, Papa,… ihr seid voll peinlich!“ – könnte eine Reaktion auf diese Frage sein und dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Doch was ist, wenn die Erziehungsberechtigen keine Antwort auf diese Frage haben? Ein Blick über unsere zahlreichen Artikel könnte Licht ins Dunkel bringen. Und genau diese Aufklärung sollte man auch an seine Sprösslinge (in gefilterter Form) weitergeben.

Viele Sexualpraktiken werden Heranwachsende in ihrer Selbstfindungsphase ausprobieren. Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Praktiken dann auch dauerhaft praktiziert werden. Gleitmittel und ein Buttplug müssen bei einem Knaben nicht unbedingt bedeuten, dass er homosexuell ist. Und ein Hundehalsband bedeutet nicht gleich, dass hier Dogplay betrieben wird.

Gerade Mädchen sind was ihre Außenpräsentation angeht etwas weiter (bzw. schneller) entwickelt als Jungen. Sie ziehen sich chic an und schminken sich auch teils. Das bedeutet aber nicht unmittelbar „ich will Sex“, sondern die jungen Damen wollen auf ihre eigene Schönheit aufmerksam machen. Aber was hat das mit BDSM zu tun? Anhand der Außenpräsentation kann man auch Charakterzüge von BDSM erkennen. Die Vorliebe für Leder oder andere Materiale können ein Schritt sein oder die Art der Kleidung. Und manchmal erkennt man an manchem Mode Accessoire auch eine Botschaft. Eine abgeschlossene Kette, welche Tag und Nacht getragen wird, ist hier ebenfalls ein sehr offensichtliches Indiz.

Unabhängig von Kleidung und Spielsachen kann das Verhalten eines Heranwachsenden ein Hinweis auf BDSM sein. Kinder loten gern ihre Grenzen aus und gehen auf Konfrontationskurs. Das kann Teil der sexuellen Entwicklung sein. Aber ein unterwürfiges Verhalten muss nicht unbedingt ein Zeichen für BDSM sein, es kann sich auch einfach um ein höfliches und aufmerksames Kind handeln.

Welchen Rat haben wir für Eltern und Erziehungsberechtigte?

  • Beobachtet eure Kinder genau. Drängt euch nicht auf, aber seid immer an ihrer Entwicklung interessiert.
  • Achtet auf den Umgang zu anderen Personen. Treffen sich die Kinder mit den „üblichen Verdächtigen“ oder sind auf einmal neue Bekannte dabei, über die die Kinder ungern reden?
  • Sollten sich Spuren in Richtung BDSM oder eindeutige sexuelle Spielsachen finden, dann die Kinder nicht bloßstellen, sondern über solche Dinge aufklären.
  • Rechtzeitig über Sexualität und sexuelle Praktiken aufklären. Und das ist kein Dialog für einen Abend, das geht über Wochen und Monate. Und auch Kinder werden bestimmt Fragen haben, auf die Eltern nicht immer direkt eine Antwort haben.

Wie frage ich am besten meine Eltern?

Auch Kinder werden sich die Frage stellen, wie sie so manche Wissenslücke schließen können. Das Internet bietet sehr viele Möglichkeiten, aber die Spreu vom Weizen zu Trennen ist eine Kunst. Manchmal ist die direkte Frage an die Eltern die beste Lösung. Und wenn ihr das Bedürfnis habt, dass ihr mit solchen Fragen „auf gar keinen Fall“ (aus welchen Gründen auch immer) nicht zu euren Erziehungsberechtigten gehen könnt, dann gibt es andere Möglichkeiten.

Wir haben euch hier ein paar Links zusammengestellt, bei denen Kinder und Eltern Informationen über sexuelle Aufklärung (generell, nicht speziell BDSM) erhalten können:

Zudem kann man in der Schule auch auf den Biologie-Lehrer oder den Vertrauenslehrer zugehen, denn auch in der Schule kann im Sexualkundeunterricht auf die Fragen von Schülern eingegangen werden. Zudem gibt es in der Literatur einige Sach- und Fachbücher, die einen großen Teil der Aufklärungsarbeit leisten können.

Doch was ist danach? Austreibung, Exorzismus? Nein! Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn sich junge Erwachsene für das Thema BDSM interessieren. Bei manchen Personen verfliegt das Interesse mit der Zeit wieder, andere begeistert das Thema bis ins hohe Alter. Und auch wenn der ICD-Code immer noch behauptet, dass es sich bei Fetischismus und BDSM um eine „sexuelle Störung“ handelt, so halten wir dagegen und bestätigen euch, dass es nur eine der vielen Arten ist, wie man anderen Personen sexuell begegnen kann.

Was ihr alle auf jeden Fall haben müsst: Geduld! Wir wissen, dass es schwer ist, Geduld auch keine unserer Stärken ist. Doch mancher Heranwachsende sucht die Aufklärung und wünscht die Praxis im gleichen Atemzug. Das geht aber meist leider nicht. Nicht ohne Grund gibt es in den meisten Ländern unabhängig von der staatlich anerkannten Volljährigkeit ein sogenanntes „Schutzalter„. Dieses Schutzalter regelt unter anderem ab welchem Alter Personen straffrei sexuellen Verkehr haben dürfen.

Schützt eure Kinder, indem ihr für sie da seid und sie mit allen Fragen offen mit euch sprechen können. Aufklärung ist der beste Schutz, den Kinder und junge Erwachsene im Bereich „Sexualität“ haben können. Und so können aus den „richtig peinlichen“ Eltern die „richtig coolen“ Eltern werden.

Solltet ihr Fragen zum Thema BDSM und Fetischismus haben, dann könnt ihr euch auch gern direkt an uns wenden. Schreibt uns eine E-Mail an kontakt@fesselblog.de oder füllt das Kontaktformular aus (bitte auch hier eure korrekte E-Mail-Adresse angeben, damit wir euch auch antworten können).

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

4 Gedanken zu „Hilfe, mein Kind steht auf BDSM! – Ratgeber für Eltern“

  1. Ich habe nach langem beobachten meiner Tochter (15) festgestellt, das sie sich auch zur devoten Seite hingezogen fühlt, habe mich aber lange nicht getraut sie darauf anzusprechen.
    Nach einigen vorsichtigen Gesprächen hat sie mir „gestanden“, das sie gerne die Kontrolle abgibt und ein Metall Halsband als Alltagsschmuck tragen würde, aber Angst vor der Reaktion meiner Freundin und Meiner hat. Wir haben dann zusammen im Internet recherchiert, und ihr ein passendes hochwertiges Schmuckstück auf Massenfertigung mit integriertem Schloss bestellt. Nach ca 3 wöchigem tragen kam SIE zu mir, hat mir die Schlüssel auf dem Tisch gelegt und gesagt, „den Brauch ich nicht, das schloss kann zu bleiben“…… Jetzt habe ich etwas Angst davor, wie ich reagieren soll, wenn sie kommt und den Schlüssel zurück will, da sie sehr sprunghaft ist, und nicht immer sagt was sie wirklich will….. Geb ich ihr den Schlüssel, ist sie beleidigt, das ich ihr die Kontrolle zurück gebe (die sie ja nicht gerne hat) – wenn ich die Herausgabe verzögerte ist sie beleidigt, weil sie keine Kontrolle hat…..

    P.s. Abmachung ist, das am Tag von Schulsport das Halsband morgens geöffnet wird, und sie es erst nach dem Sport wieder verschließen darf.

    Wie soll ich da reagieren? ich habe absolut kein Problem damit, und bin froh, das sie zu mir kommt, und nicht versucht mit fremden ihre Vorlieben auszuleben, denn so kann ich es einfach etwas im Auge behalten

    1. Hallo Dirk,
      vielen Dank für deine offenen Worte. Da bekommt der Begriff „Erziehungsberechtigter“ eine ganz neue Wertigkeit. Wir finden es sehr gut, dass du deine Tochter in ihrem Vorhaben unterstützt. Uns ist sehr wohl bekannt, dass Kinder und Jugendliche sehr schnell dabei sind ihre Meinung zu ändern. Zudem testen sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden einige Dinge aus. Es kann sein, dass es bei deiner Tochter „nur eine Phase“ ist oder dass sie den Weg ihrer persönlichen Erfüllung gefunden hat. Die Zeit wird es zeigen.

      Was können wir dir raten? Schwierig… wirklich sehr schwierig, aber wir versuchen es:
      Deine Tochter braucht klare Regeln! Wenn sie bereit ist das Halsband zu tragen und die Schlüssel abzugeben, dann kannst du sie als Erziehungsberechtigter dabei unterstützen. Ihr sollte jedenfalls klar sein, dass ihr Handeln und ihre Entscheidung Konsequenzen hat. Wenn das Schloss zu ist, dann bleibt es zu (mit Ausnahme vom Sportunterricht oder medizinische Notfälle).

      Empfehlung: Macht einen „Vertrag“. Das kann handschriftlich auf einem Stück Papier sein und muss nicht sehr lange sein. Auf diesem Dokument sollte geschrieben stehen, dass deine Tochter ihr Halsband freiwillig anzieht und verschließt und du als Erziehungsberechtigter der Keyholder bist. Es sollte geregelt sein, welche Rechte und Pflichten sie hat. Zudem sollte darin stehen, wie sie (z.B. aufgrund einer Meinungsänderung) den Vertrag einseitig kündigen kann und somit die Schlüssel zurückfordern kann. Ob sie dann das Halsband ablegt oder die Schlüssel nur selbst verwaltet, das sollte ihr selbst überlassen werden.

      Wichtig: Du als Erziehungsberechtigter kommst nicht in die Rolle eines Doms oder Meisters. Du bist lediglich der Schlüsselverwalter (Keyholder). Von Vertragsstrafen würde ich absehen, außer du möchtest sie mehr im Haushalt einspannen, sofern sie gegen die Regeln des Vertrags verstößt.

      Wenn deine Tochter mehr Interesse an BDSM hat, dann wird der nächste Schritt sein, dass sie sich für solche „Spiele“ einen Partner oder Partnerin sucht. Im Zeitalter des Internets ist es einfacher geworden entsprechende Spielpartner zu finden. Natürlich wissen wir, dass deine Tochter erst 15 Jahre jung ist. Doch die Zeit bis sie 18 Jahre alt ist wird sehr schnell vergehen. Wenn sie volljährig ist, dann steht ihr die Welt (rein rechtlich gesehen) offen.

      Wichtig dabei ist: Sei für sie da. Zeige ihr, dass du sie liebst. Unterstütze sie und kläre sie auf.
      Und wenn du an den Punkt kommst, an dem du selbst an deine Wissensgrenzen stößt und der Wissensdurst deiner Tochter nicht zu stillen ist, dann komm bitte gern direkt auf uns zu.

      Viele Grüße
      Dennis

  2. Hallo Dennis. Die Idee mit dem Vertrag ist mir / uns noch nicht gekommen, und ich werde ihr einen schreiben und ja, es werden Regeln eingearbeitet, wie z.b. „wenn sie den Vertrag einseitig kündigt, wird sie als Vertragsstrafe bevor der Schlüssel übergeben wird, zwei Wochen Küchendienst machen“.
    So lernt sie gleichzeitig, dass jede Aktion eine Reaktion hervorruft.

    Ich als ihr Vater werde mit Sicherheit nur der Keyholder bleiben, wobei meine Freundin schon angedeutet hat (sie ist 27> also alterstechnisch zwischen mir und meiner Tochter) auch kein Problem damit hätte, der Kleinen am Abend Fesseln anzulegen solange sie vor dem Fernseher sitzt (mir wäre es auch lieber, wenn meine Freundin das tut, ich bin auch nicht gewillt die Kleine dann zu befreien). Vorraussetzung natürlich, das Lea von sich aus damit kommt. (Das Equipment hat sie in ihrem Schrank versteckt wissen wir)
    Mir ist einfach wichtig, das sie im geschützten Rahmen Handlungen vornehmen lässt, und nicht in irgendeiner Wohnung mit einem Typen, bei dem die Absicht eventuell etwas unschön enden kann.

    Zuhause passiert alles in gegenseitigem Einvernehmen und ist damit „sicher“, da ich niemals zulassen werde, das Lea etwas passiert.

    1. Hallo Dirk,
      das mit dem Küchendienst finden wir klasse!

      Bitte respektiert die Privatsphäre eurer Tochter. Ich erinnere mich an den Moment, als meine ersten Spielsachen von meinen Eltern entdeckt und ich darauf angesprochen wurde. Die Situation war damals sehr unangenehm, doch inzwischen wissen und verstehen sie, welchen Stellenwert diese Dinge in meinem Leben eingenommen haben. Es war auch ein seltsames Gefühl herauszufinden, dass die eigenen Eltern den Fesselblog lesen.

      Was euren sicheren Rahmen im eigenen Haus angeht, geben wir dir Recht. Dennoch sollte die Initiative von deiner Tochter aus kommen. Was in ihrem Schrank ist, ist und bleibt für euch eine Unbekannte in der Gleichung. Wir würden davon abraten, dass deine Tochter in einen intensiveren Kontakt im Bereich BDSM mit euch kommt. Das sollte einem Spielpartner vorbehalten sein, dem sie vertraut.

      Es gibt eine Möglichkeit, wie deine Tochter in Kontakt mit Gleichgesinnten treten kann. Ein Verein veranstaltet entsprechende Stammtische für Jugendliche und junge Erwachsene bis maximal 27 Jahren.

      SMJG e.V.

      Vielleicht würde es deiner Tochter gut tun, an einem solchen Stammtisch mal teilzunehmen und ihre Erfahrungen und Wünsche mit anderen jungen Gleichgesinnten auszutauschen.
      Ihr könnt euch auch jederzeit per Mail an uns wenden unten:
      kontakt@fesselblog.de

      Viele Grüße
      Dennis

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