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Aufstieg und Fall einer Community

Fetische können sich entwickeln und Fetische können sich verändern. Gerade beim Tragen von Masken enthemmt das die meisten Fetischisten in ihrem Handeln und auch in ihrem Benehmen. Und so kann eine Community, die gerade auf dem Weg zu ihrem Höhepunkt ist, sich auf einen möglichen steilen Fall vorbereiten.

Wie ihr sicher bemerkt habt, haben wir im Fesselblog schon in diversen Beiträgen das Thema Dogplay behandelt. Sei es nun bei einem Selbstversuch, oder Dogs wie Aspen oder “ChasteSubMuc“, die uns auf unserem Weg ein Stück begleitet haben (und vielleicht noch begleiten werden). Auf Folsom Europe waren wir beim Puppy-Walk dabei, wir haben über das “Partywochenende auf vier Pfoten” in Wien berichtet und auch letztes Jahr (2019) auf Folsom Europe hatten wir einen ganz lieben Pup an der Kette.

Es geht ein Raunen und Grummeln durch die Community

Gerade junge Fetischisten und BDSM-Spieler finden beim Dogplay die Möglichkeit ungehemmt die Sau, bzw. den Hund, rauszulassen. Maske auf, runter auf vier Pfoten und man ist ein Hund. Ganz besonders bei jungen Spielpartnern scheint dieser Fetisch wie die Faust aufs Auge zu passen,… doch es kommt ein “aber”.

Gerade alteingesessene Fetischisten können sich nur schwer mit dieser jungen und wilden Bewegung anfreunden. Teils liegt es daran, dass junge Spielpartner noch in ihrem Fetisch und vielleicht sogar allgemein sexuell noch nicht ganz gefestigt sind. Im Schutz der Gemeinschaft sind sie dann auf der Suche nach einem Weg sich die Hörner abzustoßen.

Das ist wohl auch der Grund, warum manche Puppies abwertend und mit Ablehnung behandelt werden. Doch wie erkennt man jetzt einen unerfahrenen oder einen erfahrenen Dogplayer? Der eine geht seiner inneren Bestimmung vielleicht schon viele Jahre nach und der andere hat sich vor einer Stunde im Sexshop um die Ecke eine Hundemaske gekauft.

Die Spreu vom Weizen zu trennen ist hier eine Lebensaufgabe, wenn man sich ihr stellen möchte. Aber es ist doch viel einfacher die komplette Community rund um die Vierbeiner zu verstoßen. Hunde sind nervig, Hunde sind zu verspielt, Hunde sind keine “richtigen” Fetischisten, wir wollen mit Hunden nichts zu tun haben!

Traurige Parolen, wenn man bedenkt, dass hier eine Minderheitsgesellschaft eine andere verpönt. Und eigentlich wollen wir doch zusammenhalten und predigen das auch offen… aber halten wir uns auch daran?

Unsere Welt ist bunt, was nicht bedeutet, dass jeder Fetischist auch unter dem Regenbogen wandert. Auch unter Heterosexuellen ist die Fetisch-Gemeinde stark vertreten und so manche dominante Frau hält sich ihr männliches (menschliches) Hündchen zuhause oder auch umgekehrt…

Dogplay ist in der Szene recht speziell geworden. Vor einigen Jahren waren es noch vereinzelte Wuffel unter vielen Fetischisten. Heute ist der Anteil an Fetisch-Vierbeinern deutlich höher, es bilden sich sogar Rudel und andere Gruppierungen. Und wie jede Minderheitsgesellschaft wollen sie akzeptiert und respektiert werden.

Doch wie bei vielen Gesellschaften gibt es immer einzelne wenige, die es “übertreiben”. Nehmen wir als Beispiel (komplett unabhängig von BDSM und Fetisch) die Motorradfahrer. Ein paar wenige sind echte Höllenfahrer und Raser und per Definition sind Motorradfahrer für die meisten Autofahrer alles verrückte Raser. Genauso wie jede Blondine dumm und jeder Priester pädophil ist, zumindest ist das der weitverbreitete Irrglaube der Allgemeinheit.

Irren ist menschlich,… oder tierisch?

Und so sind in der Fetischszene Doggies verspielte und nervige Vierbeiner, die durch das Tragen von Masken und dem Schutz der Anonymität ohne Rücksicht auf Verluste ihren Willen durchsetzen und sich nicht an den “Fetisch-Knigge” halten. Traurig, wahr oder doch nur frei erfunden?

Das erste Zeichen für den Rückgang des Zuspruchs in der Dogplay-Welt ist, dass diverse Fetisch-Clubs ihre Mottopartys in diesem Bereich eingeschränkt oder gar abgeschafft haben. Auf der anderen Seite werden gerade mehrere eigene Vereine für Dogplay gegründet, was die Abspaltung von der “allgemeinen” Fetisch-Gemeinde nochmals unterstreicht. Denn warum sollte man einen eigenen Verein gründen, wenn man seinen Fetisch auch in bestehenden Clubs ausleben könnte?

Ob diese Neugründungen allerdings von Dauer sind, das können wir nur abwarten. Wahrscheinlich hat man vor 40-50 Jahren auch noch nicht damit gerechnet, dass damals gegründete Lederclubs bis heute noch die Zeit überdauern und sich dem Wandel der Zeit immer wieder angepasst haben. Der “Grundfetisch” Leder wird aber wohl auch noch in vielen Jahren präsent sein.

Unser Appell an dieser Stelle ist jedenfalls, dass jede Person egal welchen Geschlechts ein Recht darauf hat seinen persönlichen Fetisch auch auszuleben. Und der Wunsch ist natürlich immer dahingehend, dass sich auch immer ein entsprechender Spielpartner findet, damit man den eigenen Fetisch auch mit Gleichgesinnten ausleben kann. Gerade wir Fetischisten bilden eine Minderheit in der Gesellschaft (welche aber jährlich am Wachsen ist) und als solche bunte Minderheit ist es unsere Pflicht auch zusammenzuhalten. Jeder ist einzigartig und das macht unsere Community umso vielfältiger. Passt aufeinander auf und respektiert euch gegenseitig. Wir sind eine Community!

2 Gedanken zu „Aufstieg und Fall einer Community“

  1. Liebes Team von Fesselblog,

    ich habe euren Bericht gelesen und war positiv überrascht trotz der Überschrift so realistisch geschrieben wurde.

    Eure Beobachtungen sind sehr zutreffend und spiegeln die momentanen Ansichten der Puppys in der Gemeinschaft wider.

    Wir haben einen sehr großen Anteil von jungen Puppys in der Gemeinschaft.
    Die sich klar austoben wollen und dadurch die Puppys, die spielen wollen, zum Teil die Möglichkeiten nehmen dies auch zu erreichen.
    In unserem Teil der LGBTQ Community lassen wir den Puppys ihre Entfaltungsmöglichkeiten frei gestalten.
    Jeder soll sich ausleben, wie er es möchte in seinem Outfit.
    Ich weiß, dass dadurch Pupplayer, die es dann genauer ausleben möchten, kaum Möglichkeiten haben es zu zeigen und so mit den anderen Teilen der Community besser zu agieren.
    Das wir von z.b. der Leder-Fraktion abgelehnt werden kann ich zum großen Teil verstehen, aber es ist auch daran geschuldet, dass das Bild das man von einem Dog hat mehr in Richtung Sklave geht als zu einen Puppy, der die Welt entdecken tut.
    Nichtsdestotrotz habe ich einige Lederkerle kennengelernt und auch aus anderen Teilen der LGBTQ Community die von ihrem alten Denken abgegangen sind und sich auf diesen neuen Teil der LGBTQ Community eingelassen haben.
    Es gibt mittlerweile in Deutschland weit kleinere Projekte und auch größere Projekte, die den Pupplayern die Möglichkeiten gibt das Pupplay auszuleben.
    Es ist schwer solche Projekte für alle Geschlechter aufzubauen, da es leider zuviel “for men only” gibt.
    Dennoch haben wir es geschafft hier und da es aufzubauen und werden weiter daran arbeiten ein gutes Verhältnis zu schaffen zu den anderen Teilen der LGBTQ Community.

    P.S. Manches Verhalten von so machen Menschen mit einer Puppy Maske haben nichts mit der Puppy Community zu tun, sondern wie schon beschrieben in eurem Text: man ist unter der Maske anonym und kann sich dann benehmen wie ein Asoziales A…..loch.

    Mit freundlichem Wuff Wuff

    Pup Squall

    1. Hallo lieber Pup Squall,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, über den wir uns sehr gefreut haben. Jeder muss seinen persönlichen Weg finden und es ist wichtig, dass durch das Tragen einer Maske und die damit verbundene “Enthemmung durch Anonymität” nicht zur sehr überhand nimmt.
      Ja ich denke auch, dass es möglich ist eine Symbiose zwischen allen Feitsch-Gruppierungen geben kann. Und auch wenn der Beitrag “Aufstieg und Fall einer Community” lautet… was lernen wir darauf? Nach einem Fall kann es auch wieder bergauf gehen.

      In diesem Sinne einen schönen Abend
      Viele Grüße
      Dennis vom Fesselblog

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