Geheime Botschaften - Copyright 2026, magnific.com

Geheime Botschaften

Nicht jeder Liebhaber der fesselnden Spielart traut sich, seine Wünsche offen auszusprechen. Zwischen den Zeilen können geheime Botschaften stecken, unabhängig davon, ob die Worte ausgesprochen wurden oder nicht. Sollte man seinen Partner dazu verleiten, Wünsche zu konkretisieren? Oder ist es besser, wenn es unausgesprochen bleibt und einfach ausgelebt wird?

Subtile Fragen

Gerade wenn man sich neu kennenlernt, tastet man sich langsam zu seinem Partner vor – nicht nur mit den Fingern, sondern auch mit seinen Worten. Im Dialog kann es passieren, dass plötzlich in der dritten Person oder sehr verallgemeinert gesprochen wird. Aus einem „ich würde jetzt gern Handschellen angelegt bekommen“ wird ein „Handschellen sind auch recht interessant„. Häufig wird auch sehr oberflächlich über Sexualpraktiken oder Spielsachen gesprochen. Der Dialog verkommt zu einem Sammelsurium an Andeutungen und Anspielungen, ohne konkret zu sagen, was man wirklich möchte. Manche Personen bezeichnen das auch als Rumgeeier und sind von diesen schwammigen Dialogen teils sogar genervt.

Angst vor Forderungen

Um sich von „Wunschzettelsklaven“ abzugrenzen versuchen immer mehr Spielpartner, ihre Wünsche bedeckt zu halten und nur allgemein darüber zu sprechen. Die Hoffnung liegt nahe, dass sich aus dem allgemeinen Dialog ein BDSM-Abenteuer entwickelt. Es ist allerdings kein Garant dafür, wenn man nicht offen über seine Vorstellungen spricht. Schnell kann aus einem ausgesprochenen Wunsch auch eine Forderung werden und genau diese Art der Kommunikation versuchen einige Spielpartner zu vermeiden bzw. zu umgehen. Interessanterweise ist das vorsichtige und teils schon zögerliche Herantasten vorrangig bei devoten Personen zu beobachten. Dominante Personen können mit ihren Anweisungen teils wie eine ungebremste Dampfwalze wirken, die alle Wünsche und Träume von anderen dem Erdboden gleich machen.

Sammelsurium

In Vorbereitung zu diesem Beitrag haben wir ein paar sehr spannende Dialoge mit (devoten) Lesern geführt, die ihr vorsichtiges Anpirschen und ihr eigentliches Vorhaben gegenübergestellt haben. Ein paar Beispiele möchten wir euch hier benennen:

  • Aussage: „Wie stehst du zum Thema Keuschheit?“
    Bedeutung: „Bitte leg mir einen KG an und halte mich keusch.“
  • Aussage: „Gummi würde ich gern probieren.“
    Bedeutung: „Ich habe noch kein Gummi, möchte es aber gern tragen. Wenn du Gummi hast, dann wäre ich dankbar, wenn ich dein Gummi jetzt zur Probe tragen könnte.“
  • Aussage: „Windeln hab ich seit meiner Kindheit nicht mehr getragen.“
    Bedeutung: „Wickel mich bitte jetzt und bring mich dazu die Windel auch zu benutzen.“
  • Aussage: „Das Lecken von Stiefeln sieht schon interessant aus.“
    Bedeutung: „Bitte zwing mich dazu dir jetzt sofort deine Stiefel zu lecken.“
  • Aussage: „Wie fühlt es sich an den Schutzanzug zu tragen?“
    Bedeutung: „Darf ich deinen Schutzanzug jetzt anziehen?“
  • Aussage: „Wie lange kann man diese Zwangsjacke tragen?“
    Bedeutung: „Leg mir die Zwangsjacke bitte an und lass mich etwas schmoren.“
  • Aussage: „Ein Buttplug klingt interessant.“
    Bedeutung: „Schieb mir bitte jetzt einen Buttplug rein.“
  • Bedeutung: „Ein Halseisen habe ich bisher noch nie getragen.“
    Meinung: „Leg mir bitte das Halseisen an.“

Das waren jetzt nur ein paar wenige Beispiele. Doch nicht hinter jedem „das hab ich noch nicht erlebt“ steckt auch ein (in)direkter Wunsch diese Wissenslücke gleich stopfen zu wollen. Auch wurde uns mitgeteilt, dass die indirekten Anspielungen nicht unbedingt von Erfolg gekrönt werden und eine direkte Kommunikation hier besser sei.

Direktere Kommunikation

Die meisten Spielpartner wünschen sich eine klare und direkte Kommunikation. Das beginnt beim Vorgespräch vor einer Session, beim Dialog während der Session und auch beim Nachgespräch und der Nachsorge nach einer Session. Je unklarer die Kommunikation, desto weniger kann man auf den Spielpartner konkret eingehen.

Ein Leser hat uns berichtet, dass seine devote Spielpartnerin während einer Session gefragt wurde, ob es ihr gut geht. Die Antwort war „schwammig“ und so beschloss er zur Sicherheit, die Session ausklingen zu lassen und sie schließlich zu beenden.

  • Sie: „Warum hören wir schon auf?“
  • Er: „Weil deine Rückmeldung nicht eindeutig war und ich zur Sicherheit die Reißleine gezogen habe.“
  • Sie: „Ich hätte es gern noch etwas länger gehabt.“
  • Er: „Dann musst du mir klares Feedback geben, wenn ich dich danach frage.“
  • Sie: „Ok, verstanden.“

Einige devote Spielpartner sind sich nicht bewusst, welche Verantwortung auf den dominanten Spielpartnern lastet. Klare Kommunikation ist hier deutlich zielführender als geheime Botschaften.

Fazit

Auch wir bevorzugen eine klare und direkte Kommunikation. So können wir auf einen möglichen Spielpartner viel intensiver eingehen und entsprechend seiner Bedürfnisse die Session lenken. Feedback innerhalb einer Session ist extrem wichtig. Manche Personen wollen eine Session eher nonverbal halten, so gibt es auch andere Möglichkeiten einen Spielpartner nach seinem Zustand zu fragen. Wir erinnern uns an einen Spielpartner, der hat darum gebeten, dass wir ihm die Hand reichen, wenn wir ein Feedback wünschen. Wenn es ihm gut geht, dann drückt er zweimal kräftig zu. Sollte er das nicht tun, so geht es ihm nicht gut. Für uns war das damals sehr praktikabel und haben es in andere Sessions übertragen, sofern der Spielpartner nicht reden wollte oder möglicherweise nicht sprechen konnten (z.B. aufgrund eines Knebels).

Seid ihr ein Freund direkter Kommunikation oder nutzt ihr dann doch ab und zu gern eher gemeine Botschaften über indirekte Anspielungen? Schreibt uns gern eure Meinung zu diesem Thema. Wir freuen uns auf eure Zusendungen.

Veröffentlicht von

Dennis vom Fesselblog

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profi, ich unterstütze dich gern!

3 Kommentare zu „Geheime Botschaften“

  1. Bei mir hängt es an der Situation. Kenne ich jemanden nicht so gut, fällt es schwer mit der Tür ins Haus zu fallen. Dazu kommt der Punkt mit dem Wunschzettel…

    Ich denke vor einer guten Session haben beide Seiten Kopfkino, und den Film zu teilen ohne den Schluss zu verraten und ohne zum Wunschzettel zu verkommen ist ganz schwierig.
    Wenn man sich besser kennt ist es mehr die Frage wie man es anfängt diese besondere Spielart einzubringen. Direkt mit ‚Du lass uns mal Leder probieren ich glaube das wäre toll!‘
    Oder indirekt ‚neulich der Typ in den Lederklamotten im Film, der hat mich echt beeindruckt!‘ Das ist unter vertrauten Partnern glaube ich individuell und wenn einer angekekst ist, weil der andere Partner rumeiert, dann werden irgendwann klare Worte fallen.

    Am Anfang fände ich das auch schwer. Ich erwähne normalerweise, dass ich Handschellen sammle und alles Weitere ergibt sich dann. Aber wenn jemand relativ direkt sagen würde ‚leg mich in Eisen!‘ wäre mir das wahrscheinlich zu viel. Für ein erstes Gespräch auf jeden Fall.

  2. Hi
    Bei meiner ersten festen SM Beziehung wurde ich im Szeneladen beim ersten Kennenlernen schon ausführlich befragt. Es passierte am ersten Abend noch Nichts und ich bekam Tage später die Anweisung komplett in Leder bei Jan vorstellig zu werden. Er machte direkt Nägel mit Köpfen und teilte mir mit,das ich das gesamte Wochenende bei Ihm verbringen müsse und mich auch damit abfinden müsse reichlich Schläge zu beziehen. Ich würde auch vorher nicht freigelassen. Er sondierte damit,ob ich für Ihn als Sklave geeignet bin. Ich war dauerhaft gefesselt und fixiert und bezog hunderte Hiebe. Da ich merkte,das ich genau Das in Zukunft brauche,habe ich schnell wieder Kontakt zu Ihm aufgenommen. Ich musste dann einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen in dem ich angab,welche Vorstellungen ich habe. Jan bemerkte,das ich ganz genau nachdenken sollte,Was mir vorschwebt weil Es danach auch nicht mehr verhandelbar wäre. Er hat die Antworten Stück für Stück mit mir abgearbeitet und mich dann zu seinem Eigentum erklärt.
    Für mich als Neuling war das damals sehr hilfreich und gab mir trotz der absoluten Beherrschung durch Ihn eine gewisse Sicherheit. Zu späteren Zeitpunkten wurde ich regelmässig Nachgemustert und befragt. Man braucht als Jungsklave ja auch eine entsprechende Erziehungszeit und entsprechenden Zwang und Nachdruck um in die richtige Richtung geleitet zu werden.
    Mir war Es damals absolut untersagt,irgendwelche Geheimnisse zu haben und ich musste meinem Master alles mitteilen. Er konnte mich regelrecht lesen und bestrafte mich sehr hart mit entsprechenden Züchtigungen,falls ich mich nicht daran gehalten habe.
    Mein Ehemaster,mein Zweitmaster und Ich sind jetzt ja schon lange zusammen und haben mittlerweile keine Notwendigkeit mehr Einzelheiten abklären zu müssen. Externe Spielpartner sind zwei gute Freunde mit Denen wir uns auch ausführlich ausgetauscht haben. Ich persönlich brauche klare Anweisungen und Befehle die ich dann bedingungslos zu befolgen habe. Das ist für Alle das Einfachste und führt nicht zu Missverständnissen.
    Alles Gute.

    1. Wenn man lange zusammen ist und quasi ein „eingespieltes Team“ ist, dann gibt es vermutlich auch keine geheimen Botschaften mehr.
      Aber anders gefragt: Vermisst du manchmal die Zeit, in der du ein ungeschliffener Diamant warst und von deinem Master erst geformt und geschult werden musstest? Man sagt zwar, dass man bekanntlich niemals auslernt, aber denkst du, dass du als Sklave heute noch etwas „Neues“ dazu lernen könntest und vielleicht wieder in die Lage kommst, dass es von deinem Gegenüber wieder „geheime Botschaften“ gibt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert