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Bondage beginnt dann, wenn man raus möchte

… diesen Spruch haben wir auch schon das eine oder andere Mal verwendet. Doch was ist denn wirklich damit gemeint? Und wenn man eine Vorliebe für BDSM hat, kann es dann überhaupt sein, dass man „raus möchte“?

Was ist Bondage? Bondage ist im Bereich BDSM eine Technik, bei dem ein Spielpartner durch Fesselung in der Bewegungsfreiheit bewusst eingeschränkt wird und dadurch sexuelle Lust empfindet. Doch wenn es sexuelle Lust bei den Beteiligten hervorruft, warum sollte man sich dann selbst befreien wollen?

Bondage kann durchaus unbequem sein. Meist werden zum Erreichen des sexuellen Höhepunktes bewusst die Spielelemente in eine BDSM-Session eingebaut, die beide Spielpartner auch bevorzugen. Warum also Spielvarianten einbauen, die den Lustfaktor wohlmöglich senken könnten?

Der nächste Faktor ist die Zeit. Was in der ersten Stunde im gefesselten Zustand als erotisch empfunden wird, das kann nach „längerer“ Zeit (mehrere Stunden) zu physischen Schmerzen führen. Die Extremitäten schlafen ein, die Muskeln sind verspannt, man verspürt den Drang sein Geschäft zu verrichten. Oder vielleicht wurde der sexuelle Höhepunkt bereits erreicht, doch die Fesseln noch nicht gelöst. Die gefesselte devote Person kommt an die physischen und vielleicht auch psychischen Grenzen. Man will einfach nur noch „raus“.

Doch die Session endet nicht, denn „Bondage beginnt erst dann, wenn man raus möchte“! Es beginnt die Quengelphase, denn die gefesselte Person versucht auf der einen Seite sich selbst aus dieser unbequemen Lage zu befreien und auf der anderen Seite werden meist verbale Versuche unternommen den dominanten Spielpartner dazu zu bewegen die Fesseln gnädigerweise zu lösen.

Gnade ist ausverkauft! Man muss natürlich immer aufpassen, was man sich vor oder während einer Session wünscht. Nehmen wir an, es geht um das Thema Keuschhaltung. Ein Keuschling findet den Gedanken erregend in einem Keuschheitsgürtel oder Keuschheitsschelle verschlossen zu werden. Kaum macht es *Klick* und das Ding ist dran, würden einige Keuschlinge die Keuschheitsvorrichtung am liebsten sofort wieder loswerden. Manchmal ist der Gedanke an eine Sache „geiler“ als die Sache selbst.

Es ist eine Gratwanderung der Gefühle und eine Belastung für den Körper und den Geist. Zieht man die Sachen nun mit einem strengen dominanten Spielpartner gnadenlos durch oder wird man vielleicht weich? Top zu sein ist kein leichter Job! Klar hilft gegen das verbale Jammern kurzfristig ein Knebel. Doch einige devote Personen kommen hier schnell auch an ihre eigenen Grenzen. Es wäre also nicht das erste Mal, wenn hier auch ein paar Tränen fließen.

Wann erkennt man, dass es der devoten Person „wirklich zu viel“ ist und man die Session lieber abbrechen sollte? Und wann sollte man sich über das Gejammer hinwegsetzen und die BDSM-Session weiter vorantreiben? Ein wesentlicher Bestandteil zur Sicherheit von beiden Spielpartnern ist das Safeword! Einmal ausgesprochen muss die Session beendet werden. Es dient also nicht nur zum Schutz des devoten Spielpartners, sondern auch zum Schutz des dominanten Spielpartners. Gerade bei sehr intensiven Sessions kann es schon sein, dass sich der Dominante im Anschluss fragt, ob es nicht doch eine Spur „zu heftig“ war für den Devoten. Aber dafür gibt es das vorher vereinbarte Safeword und die Rahmenbedingungen sollte man vorab besprechen, siehe auch unsere Einverständniserklärung zur BDSM-Session.

Es erfordert ein hohes Maß an Vertrauen eine BDSM-Session über einen gewissen Punkt hinaus zu betreiben. Wenn die Lust langsam abnimmt, dann ist es durchaus eine Herausforderung den Spielpartner in einer Session bei Laune zu halten. Es kann durchaus ein paar Stunden dauern, bis die Lust wieder Fahrt aufnimmt. Vielleicht gibt es ja sogar einen zweiten Höhepunkt oder gar einen dritten… vierten…

„Bondage beginnt dann, wenn man raus möchte.“ Ich selbst habe schon auf beiden Seiten solche Situationen miterlebt. Als devoter Spielpartner schießen einem tausend Gedanken durch den Kopf: Warum habe ich mich darauf eingelassen? Was denkt der Top, wenn ich die Session jetzt lieber abbrechen möchte? Nein ich will das eigentlich nicht und dennoch ist es irgendwie geil. Nein ich halte das nicht aus, aber ich will es aushalten.

Interessant ist, dass bei all unseren Sessions, bei denen dieser „eine Punkt“ überschritten wurde im Nachgang alle die gleiche Aussage getroffen haben. Sie waren froh und dankbar für diese Erfahrung. Es sind Erfahrungen im BDSM, die einem keiner mehr nehmen kann. An dieser Stelle möchten wir aber nochmal betonen, dass der Einsatz eines Safewords sehr wichtig ist! Und jeder Devote sollte sich von dem Gedanken lösen, dass er oder sie durch die Aussprache des vereinbarten Safewords als „Schwächling“ dasteht. Es hat definitiv nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit Verantwortung und Größe.

Stellt euch einmal vor, der Devote traut sich nicht das Safeword auszusprechen und geht über seine Grenzen hinaus. Es ist unverantwortlich dem Dominanten gegenüber, wenn man durch Selbstüberschätzung sich und seinen Spielpartner in Gefahr bringt! Von daher: Kennt eure eigenen Grenzen, kennt die Grenzen von eurem Spielpartner und haltet diese Grenzen auch bedingungslos ein! Ihr braucht niemandem etwas beweisen. Sprecht miteinander! Egal ob die Fesselung unbequem ist, der Knebel Kiefersperre verursacht, die Handschellen einschneiden, das Halsband zu eng ist oder es einfach „weh tut“ und nicht mehr schön ist. Ein gewisser Lustschmerz gehört dazu, aber sollte immer ein einvernehmlicher Lustschmerz sein! Es geht beim BDSM nicht darum euch gegenseitig zu zerstören, ihr sollt Spaß daran haben und gemeinsam in euren Rollen wachsen. Es ist durchaus möglich, dass im Laufe der Zeit die Grenzen neu abgesteckt werden, aber bis dahin gelten immer die alten Grenzen. BDSM ist das, was ihr daraus macht! Und es beginnt und endet genau da, wo ihr es selbst gemeinsam festlegt! Passt aufeinander auf und habt viel Spaß!

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM.

Ein Gedanke zu „Bondage beginnt dann, wenn man raus möchte“

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