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Quälende Erinnerungen – Kann man BDSM „verlernen“?

Die meisten Praktiken gewinnen an Routine, wenn man sie entsprechend häufig ausübt und somit Erfahrungen sammelt. Theoretisch lernt man nie aus und so ist jede Interaktion mit einer anderen Person eine persönliche und individuelle Herausforderung. Gerade im BDSM wollen wir meist viel Praxiserfahrung sammeln. Doch was ist, wenn die letzte Session schon lange zurückliegt? Kann man BDSM und die Lust darauf etwa „verlernen“?

Wir leben in einer Welt voller Menschen und Möglichkeiten. Doch unser Handlungsspielraum ist sehr klein geworden. Die aktuell anhaltenden Beschränkungen sorgen auch im Bereich BDSM dafür, dass Sessions ausgesetzt werden, die Interaktion mit anderen Personen nicht stattfindet und die eigenen „Skills“ im Bereich BDSM etwas einrosten.

Als aktiver Motorradfahrer ist in jedem Frühjahr ein gewisses Kribbeln im Bauch. Auf der einen Seite freut man sich auf die schönen Touren, welche man vielleicht während der Saison fahren wird. Auf der anderen Seite ist vielleicht auch ein bisschen Nervosität dabei. Man ist jetzt den ganzen Winter nicht gefahren, die erste Ausfahrt im Jahr wird deshalb immer eine besondere Tour sein.

Genau solch ein Kribbeln mag vielleicht die eine oder andere Person im Bauch haben, wenn die nächste BDSM-Session anstehen mag. Unsicherheit, Nervosität und vor allem natürlich auch Vorfreude. Doch auch hier wird so manche Person merken, dass die letzte Session vielleicht doch etwas „länger“ her ist und deshalb so manche Praktik nicht so routiniert wirkt wie vielleicht vor ein paar Jahren.

Kann man vielleicht sogar die Lust darauf verlieren, wenn man lange keine BDSM-Session mehr hatte? Möglich ist das durchaus. Gerade in den letzten Monaten häufen sich die Angebote an BDSM-Spielsachen auf diversen Online-Auktionshäusern. Auf der einen Seite haben die Menschen viel Zeit um von Zuhause aus Online-Shopping zu betreiben und auf der anderen Seite gab es (leider) die eine oder andere Auflösung eines BDSM-Studios. Meist sind es private Spielzimmerauflösungen, aber es sind/waren auch ein paar kommerzielle Studios dabei, welche aus Kostengründen schließen mussten.

Irgendwann können wir uns wieder frei bewegen. Frei genug um uns in dunkle Keller in Ketten legen zu lassen. Jeder empfindet bei dem Gedanken etwas anderes. Die einen freuen sich darauf und würden am liebsten sofort in den Kerker einziehen, andere sind froh endlich wieder frei draußen unterwegs sein zu können und eben nicht in dunklen Kellern hausen zu müssen. Ähnlich wird es in so mancher BDSM-Session sein. Fetische können sich verlagert haben. Was man letztes Jahr noch als unverzichtbare Praktik in einer Session hielt, das könnte jetzt ein Stimmungskiller sein. BDSM fühl sich jedes Mal „anders“ an. Selbst wenn man jeden Tag die gleiche Praktik ausübt, so wird sie jeden Tag ein Stückchen anders und einzigartig sein. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass man selbst nicht jeden Tag gleich gut gelaunt ist. Das persönliche Stimmungsbild hat eine direkte Auswirkung auf unser Handeln und auch auf die Lust für BDSM und Fetisch.

Doch kommen wir zu der eigentlichen Kernfrage dieses Beitrags: Kann man die Lust auf BDSM verlieren? Ja! Man kann ja auch generell die Lust auf Geschlechtsverkehr verlieren, warum also auch nicht die Lust auf BDSM? Wir haben in den letzten Monaten viele Zuschriften von Lesern erhalten, die danach drängen „endlich wieder“ ein Abenteuer zu erleben. Manchmal hat man zwischen den Zeilen ein wenig Angst gelesen. Angst die Lust auf BDSM zu verlieren. Angst, dass die Erfahrungen eingerostet sind und man den Spielpartner enttäuschen wird…

Doch ihr braucht keine Angst zu haben! Bereitet euch mental auf die nächste BDSM-Session vor. Widmet eure Zeit euch selbst. Geht in euch (also mental… nicht mit einem Dildo *grins*). Seid euch immer sicher, was ihr selbst wollt. Wenn ihr euch im Klaren darüber seid, was euer persönliches Ziel ist, dann könnt ihr euch auch mit anderen Spielpartnern einlassen. Und dann werdet ihr erfahren, dass der Weg das Ziel ist. BDSM ist kein Marathonlauf, bei dem man als Erster durch das Ziel rennen muss. Eine BDSM-Session ist wie eine Achterbahn. Man kann einsteigen und dann geht es hoch und runter, nach links und nach rechts, mal langsamer und mal schneller. Und man muss selbst entscheiden, ob man lachend und vor Freude brüllend in der Achterbahn umhergeschleudert wird oder ob man sich dabei übergibt. Und ihr werdet auch bei einer Achterbahn nach zehn Runden feststellen, dass jede Runde zwar vorhersehbar und dennoch ein Stückchen anders war. Am besten vorher nicht zu viel essen.

Also auch wenn eure letzte BDSM-Session schon etwas länger zurück liegt, dann freut euch auf die nächste Session. Findet eure innere Mitte und begegnet euren Mitmenschen mit voller Freude auf ein gemeinsames Abenteuer. Aber denkt immer daran, dass BDSM ein Geben und Nehmen ist. Also überlegt euch gut, wie ihr euren Spielpartner verwöhnen könnt und lasst euch überraschen, mit was ihr verwöhnt werdet. Wir wünschen euch viel Spaß!

Veröffentlicht von

Dennis

Mentor und Berater im Bereich Fetisch und BDSM. Du möchtest dich über Fetisch und BDSM unterhalten? Kommt gern auf mich zu. Egal ob Einsteiger oder Profis, ich unterstütze dich gern!

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