Das “Orthostase Syndrom” in der Bondage Session

Die Situation ist klassisch: Ein drahtiger, junger Kerl, gesund und fit wirkend, wird stramm an einen Marterpfahl gebunden. Wie üblich habe ich ihn vor der Session nach gesundheitlichen Problemen gefragt. Er hat dies verneint. Es gäbe keine Probleme und er sei topfit. Sorgfältig wickle ich Windung um Windung des Hanfseils, bis er wirklich nicht mehr die kleinste Bewegung machen kann. Sichtlich genießt er die Ausweglosigkeit der Situation. Ich will gerade anfangen mich intensiver um seine Nippel zu kümmern, als sich ziemlich abrupt etwas ändert. Sein vorher praller Schwanz fällt in sich zusammen. Er wird seltsam still und gleichzeitig auffällig blass. Schweißperlen treten auf seine Stirn. Wenige Augenblicke später fängt er an die Augen zu verdrehen und sackt schließlich in sich zusammen, wird aber natürlich von den Seilen sicher gehalten.
Das Ganze ist keineswegs etwas Ungewöhnliches was nur ganz selten mal vorkommt. Ich habe jedenfalls einen ähnlichen Ablauf schon häufiger erlebt.

Was ist passiert?

Also zunächst mal nichts wirklich Schlimmes! Es handelt sich um das sogenannte “Orthostase Syndrom”, das in dieser speziellen Situation (bewegungslos fixieren am Pfahl)  wirklich häufig ist. Geschätzt reagieren 20% bis 30% der so gefesselten auf diese Weise und vor allem auch Leute, die sonst keine Kreislaufprobleme haben.

Wie kommt es dazu?

Ursächlich ist in der Regel ein Blutdruckabfall, der dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Problem sind hier meist die Beine. Im Venensystem der Beine kann eine beträchtliche Menge Blut versacken, die für den Kreislauf dann nicht mehr zur Verfügung steht. Bei normalem Stehen ist immer eine Grundaktivität der Beinmuskulatur vorhanden, um bei aufrechtem Stehen das Gleichgewicht halten zu können. Diese Grundaktivität sorgt dafür, dass die Beinvenen regelmäßig komprimiert werden und nicht allzu viel Blut dort versackt. Ist jemand mit Seilen an einen Pfahl gebunden, fährt der Körper die Grundaktivität der Beinmuskulatur automatisch herunter, da die aufrechte Position ja nicht mehr aktiv gehalten werden muss. Die Venen erhalten keine entsprechenden Druckimpulse mehr und nehmen wesentlich mehr Blutvolumen auf als sonst. Nach wenigen Minuten rauscht der Blutdruck in den Keller und es kommt zu den beschriebenen Symptomen.

Was ist zu tun?

Zunächst mal keine Panik, das ganze ist nicht bedrohlich. Wer hektisch mit dem langen Küchenmesser die Seile zu zerschneiden versucht, richtet möglicherweise echten Schaden an!  Eventuelle Knebel, Masken oder ähnliches als erstes entfernen.

Sollte der Gefesselte noch ansprechbar sein, fordere ihn auf die Beinmuskulatur immer wieder gezielt anzuspannen. Löse zuerst alle Seile um die Beine. Sorge dafür dass der Oberkörper noch gehalten wird.

Erst dann die Oberkörperstricke nach und nach lösen. Vor dem Lösen der letzten Windungen (notfalls mit der Schere) mit dem eigenen Körper dafür sorgen, dass der Bewusstlose nicht nach vorne fällt und sich verletzt, sondern möglichst langsam am Pfahl herunter gleitet.

Dann den Bewusstlosen mit dem Oberkörper flach auf den Boden legen und die Beine anheben. Er wird spätestens jetzt nach wenigen Augenblicken wieder zu sich kommen. (Sollte das wirklich einmal nicht der Fall sein, den Bewusstlosen in stabile Seitenlage bringen und den Rettungsdienst verständigen)

Was lernen wir daraus?

Über das Problem Bescheid wissen (z.B. indem man diesen Artikel liest)  ist schon mal die halbe Miete.

Die Neigung zum Orthostasesyndrom ist in der Regel eine personenbezogene Eigenschaft. Während die Mehrzahl der Leute nie solche Probleme hat, kollabieren andere nahezu regelmäßig in einer entsprechenden Situation.

Wir empfehlen daher Folgendes:

Wenn ihr einen neuen Sklaven, den ihr noch nicht kennt in dieser Weise fesseln wollt bitte beim ersten Mal einen Testlauf machen:
Verwendet Fesseln die ihr rasch wieder öffnen könnt. (z.B. Lederriemen)
Besprecht die Sache mit dem Sklaven und fordert ihn auf, aufkommendes Unwohlsein sofort mitzuteilen.

Beobachtet ihn auf die oben aufgeführten Symptome hin. Wenn das ein oder zwei mal gut gegangen ist, ist das Risiko bei weiteren Sessions nur noch gering.

Unabhängig davon gilt: Bei Fixierungen im Stehen keine Poppers! Dies erweitert die Venen zusätzlich. Auch Potenzmittel wie Viagra, Cialis oder ähnliche können den Blutdruck senken.  Sollten diese zum Einsatz kommen: Langes Stillstehen vermeiden! Macht dann lieber was im Liegen oder auf dem Boden.

Wie immer gilt auch hier:
Mit ein bisschen Überlegung und Umsicht lassen sich fast alle Probleme vermeiden und ihr könnt eine Session ohne Sorge vor unangenehmen Folgen genießen.

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