Nighty Berlin

Nighty – Ein kinky Ponyplayer

Berlin, die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, die Hauptstadt der Fetische! Auch in diesem Jahr kommen tausende Fetisch-Freunde und genießen das Beisammensein zu „Folsom Europe“. Höhepunkt ist wie jedes Jahr das Straßenfest am Samstag auf der Kreuzung Fugger- und Welserstraße. Schon im letzten Jahr ist uns dort eine sehr markant aussehende Erscheinung über den Weg gelaufen, dieses Jahr konnten wir ihn für ein Interview für unseren Blog begeistern: Nighty Swifthoof aus Berlin!

Fesselblog: Hallo Nighty, es freut uns sehr, dass du dir Zeit für ein Interview für unseren Blog nimmst. Du bist in der Tat ein wunderschönes Pferd. Ausflüge in die Tierwelt scheinen in Berlin und vor allem in der Fetisch-Szene keine Seltenheit zu sein. Die Auswahl an jungen Welpen ist auch in diesem Jahr wieder sehr groß. Pferde sieht man jedoch sehr selten. Wie hast du diesen Fetisch für dich entdeckt?

Nighty: Es war ein schleichender Prozess, der schon in der Pubertät begonnen hat. Damals fand ich Anthropomorphismus und Mischwesen aus Mensch und Tier, wie zum Beispiel Werwölfe, Minotauren, Centauren und so weiter, schon sehr faszinierend. Die Vorstellung, dass dies möglich sein könnte, hatte immer einen großen Reiz auf mich. Irgendwann haben diese Vorstellungen erotische Gefühle ausgelöst, ich wusste aber damals noch nichts damit anzufangen. Im Zeitalter des bezahlbaren Internets stieß ich dann auf diverse Bilder und auch eben die Tatsache, dass ich mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht allein war. Damals hatte ich noch kein Wort dafür, doch heute weiß ich, dass es Petplay ist, mal mehr mal weniger zum großen Feld des BDSM gehört. Auf der anderen Seite haben mich diverse Fernseh-Dokumentationen eher abgeschreckt, da hier mehr die Perversion vorgeführt und weniger die Menschen und die Leidenschaft dahinter gezeigt wurde, weshalb ich mich lange nicht getraut habe dieser Vorliebe nachzugehen. Der Gedanke reifte aber im Kopf immer weiter und vor ca. zehn Jahren machte sich eine gewisse Unzufriedenheit in meinem Leben breit und dann habe ich aktiv nach Kontakt zu Menschen gesucht, die Petplay ausleben. Schnell habe ich festgestellt, dass es eben keine „seltsamen sexfixierten Typen“ sind, sondern Menschen wie du und ich, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und mit denen man sich über alltägliche Dinge unterhalten kann.

Fesselblog: Dein Outfit sieht grandios aus, es war mit Sicherheit auch nicht billig. Wenn du dich in Nighty „verwandelst“, siehst du dich dann als richtiges Pferd oder dominiert die menschliche Seite in dir?

Nighty: Das kommt auf die Tageslaune und auf meinen Spielpartner gegenüber an. Manchmal bin und bleibe ich Mensch und das Pferd ist nur ein Kostüm. Das ist dann meist auf Partys oder einer Kinky-Disco wenn ich mich nicht so tief in der Rolle fallen lassen kann. Auf der anderen Seite gibt es auch intensive Spiel-Szenarien abseits der Öffentlichkeit, bei denen ich mich tief in der Rolle des Pferdes fallen lassen kann und dann ist meine Ausrüstung auch kein Kostüm mehr, sondern eher ein Teil von mir.

Nighty Berlin - Copyright 2018, fesselblog.de
Nighty Berlin – Copyright 2018, fesselblog.de

Fesselblog: Es gibt bellende menschliche Hunde, und andere, die dann doch eher „normal“ sprechen. Wie ist es bei dir? Sprichst du noch, wenn du in der Rolle von Nighty vertieft bist, oder kommen menschliche Worte erst wieder über deine Lippen, wenn du die Maske abgesetzt hast?

Nighty: Das ist ebenfalls von der Situation abhängig. Auf einer Fetisch-Party spreche ich als normaler Mensch in einem Kostüm. In den intensiven Sessions spreche ich nicht. Interessanterweise habe ich auch hier weniger Ausrüstung an. Die Maske kann die Sicht und die Atmung einschränken und man spürt den Wind nicht, der einem ins Gesicht bläst. Gerade die an der Maske angebrachten Zügel sind zwar schön, aber man spürt die Kommandos nicht so feinfühlig. Wenn man die Trense direkt im Mund hat, dann spürt man diese Dinge deutlich besser. Ein geübter Spielpartner kann auch ohne Maske die Illusion vermittelt bekommen, dass ich tatsächlich ein Pferd bin, obwohl dieser in ein menschliches Gesicht blickt. Die Körpersprache spielt hier eine entscheidende Rolle, denn Pferde sind an sich sehr stille Tiere. Ich habe mich auch erst nach meinem Einstieg ins Pony-Play mit echten Pferden aktiv auseinander gesetzt und sehr viel von diesen wundervollen Tieren gelernt und auch abgeschaut.

Fesselblog: Pferde sind edle Tiere. Viele in der Fetisch-Szene, die einen Ausflug in die Tierwelt unternehmen, wählen entweder knuddelige Haustiere (z.B. Hunde) oder unreine Allesfresser (wie z.B. eine Sau). Pferde hingegen werden seit Jahrhunderten von den Menschen für Transport, Beförderung und auch Sport eingesetzt. Grazile Geschöpfe, welche ihre Besitzer mit Stolz erfüllen. Hast du bzw. Nighty denn einen Besitzer oder Eigentümer?

Nighty: Ich habe meine Partnerin über diese Welt kennengelernt, hier hat sich unsere Beziehung zueinander entwickelt aus der inzwischen eine Familie hervorgegangen ist. Uns verbindet also mehr als nur der Kink. Unseren Alltag leben wir gleichberechtigt auf Augenhöhe, in Spielsituationen sind die Rollen aber immer nach Absprache klar verteilt. Es dürfen auch Freunde mit Nighty spielen, allerdings müssen diese auch meiner Frau sympathisch sein. Vertrauen ist hier eben das wichtigste.

Fesselblog: Kann oder darf man auf dir reiten?

Nighty: Gerade bei Pferden spricht mich das Thema Eleganz und Ästhetik sehr an. Ich gebe mir deshalb auch viel Mühe dem optisch möglichst nahe zu kommen. Doch diese Eleganz geht meiner Meinung nach komplett verloren, wenn man auf allen Vieren über den Boden läuft. Es liegt auch daran, dass die Proportionen auch nicht stimmen. Ein echtes Pferd ist deutlich größer als ein Mensch. Besonders meine Knie danken es mir, dass ich das Reiten auf mir nicht mag.

Fesselblog: Wie wir sehen trägst du auch einen Carrara Keuschheitsgürtel. Wir selbst haben ja auch schon Erfahrungen mit diesem Voll-KG sammeln können. Trägst du ihn um das Gesamtbild von Nighty abzurunden oder ist Keuschheit an sich im BDSM auch ein wichtiger Aspekt für dich und hast du einen Keyholder?

Nighty: Wie die meisten BDSM-Spieler habe ich nicht nur diese eine Seite, sondern viele verschiedene Aspekte die mich interessieren. Pony-Play ist die eine Seite, Bondage und Keuschheit die andere. Das Schöne beim BDSM ist, dass man die verschiedensten Facetten und Spielarten miteinander kombinieren kann. Ästhetik und Funktion fließen hier ineinander über. Den Schlüssel dazu verwalte ich selbst, da es im Alltag doch weniger praktikabel ist, gerade beim Fahrrad fahren. Aktuell ist mein Keuschheitsgürtel allerdings eher Optik als Funktion bedingt durch besagten Alltag.

Fesselblog: Gehört Nighty einer bestimmten Pferderasse an und welche Art von Pferd bist du? Es gibt ja Dressurpferde oder gar auch reine Zugpferde. Wo siehst du dich aktuell?

Nighty: Ich habe mir lange Gedanken gemacht, ob ich einer „Rasse“ angehören möchte. Schließlich habe ich aber bewusst eine „08/15“-Pferderasse gewählt und zwar ein „Mecklenburger Warmblut“. Das ist eine absolut durchschnittliche Rasse. Sie können vieles, stechen in keiner Disziplin besonders hervor und sie sind nicht so bekannt wie z.B. Hannoveraner. Zudem wollte ich niemand anderen kopieren, sondern meine eigene Identität schaffen.

Fesselblog: Ist das Pferdedasein dein „Hauptfetisch“ oder befinden sich in dir noch weitere Seelen?

Nighty: In meiner Anfangsphase im Petplay habe ich mit Hund angefangen. Ich hatte dann auf einem Petplay-Treffen die Gelegenheit „Pferd“ auszuprobieren und dann hat mich das Pferdedasein in seinen Bann gezogen. Das war dieser „wow“-Effekt, bei dem ich mir sicher war, diesen Weg weiter gehen zu wollen. Es war das letzte fehlende Puzzle-Teil zu meiner eigenen Persönlichkeit. Danach fühlte ich mich irgendwie “komplett”.

Fesselblog: Wenn du die Wahl hättest nochmal auf die Welt zu kommen, würdest du dann lieber als Pferd geboren werden oder doch wieder als Mann, der sich als eben solches kleidet und verwandelt?

Nighty: Mal ganz ehrlich… Pferde haben ein furchtbar langweiliges Leben. Ich wollte einmal drei Tage am Stück diese Rolle austesten und hatte auch die Möglichkeit diese „27/4“-Erfahrung mit Pferdestall und allem was dazu gehört auszuprobieren. Ganze acht Stunden habe ich durchgehalten, danach habe ich von mir aus aufgegeben. Ich bin lieber Mensch, da habe ich deutlich mehr Abwechslung und wenn ich Pferd sein möchte, dann schlüpfe ich in die Rolle von Nighty.

Fesselblog: Gibt es Conventions oder andere Feste, auf denen auch andere Pferde wie du zusammenkommen und gemeinsam Spaß haben?

Nighty: Es gibt diverse privat organisierte SM-Veranstaltungen, die nicht den reinen Petplay oder Pony-Play Kontext haben. Bei diesen ist aber genug Raum um diese Seite auch ausleben zu können. Hier gibt es viele Interessierte, sodass man das zusammen ausleben kann. Schön ist es auch andere zu inspirieren und in diese Welt einzuführen. Es gibt auch Workshops dazu oder gemeinsame Treffen im Park.

Nighty Berlin - Copyright 2018, fesselblog.de
Nighty Berlin – Copyright 2018, fesselblog.de

Fesselblog: Was würdest du jemandem raten, der in diese Welt hineinschnuppern möchte? Gibt es Gruppen, denen man sich als Außenstehender für den Erfahrungstausch anschließen kann?

Nighty: Ich kann es nur jedem raten es auszuprobieren, der Interesse daran hat. Es ist keine große Szene. Als sympathischer Mensch findet man aber Anschluss zu Gleichgesinnten. Wenn man einfach freundlich und aufgeschlossen ist, dann bieten sich auch Möglichkeiten in diese Welt hineinzuschnuppern und seine ersten eigenen Erfahrungen zu sammeln. Anders funktioniert es auch nicht im “normalen” Leben. Manchmal muss man nur ein bisschen Geduld haben und sich auf den Menschen konzentrieren und nicht den Kink oder Fetisch.

Fesselblog: Würdest du eine außenstehende Person deine Maske aufsetzen lassen, sodass diese dann einmal durch Nightys Augen sehen kann, oder wäre die Maske dann „entweiht“ und die Magie von Nighty dahin?

Nighty: Als ich in diese Welt eingetaucht bin haben mir viele Menschen die Möglichkeit gegeben Sachen auszuprobieren. Ich durfte von anderen Masken und Outfits tragen. Nightys Identität wird nicht durch die Maske definiert. Ich kann auch ohne Maske Nighty sein, deshalb hat diese nicht so diesen Stellenwert wie bei anderen. Ich würde sie nicht über mehrere Tage verleihen, aber auf einer Veranstaltung oder zur Anprobe gern. Bei anderen kann die Maske eben ein Teil der Persönlichkeit sein und diese Petplayer kann ich dann auch verstehen, dass sie ihre Ausrüstung dann nicht oder nur ungern aus der Hand geben. Das muss man dann als Außenstehender respektieren.

Fesselblog: Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Nighty: Habt keine Angst das auszuprobieren, was ihr ausprobieren wollt. Wenn ihr ein Thema habt, das euch interessiert, dann steht dazu und versucht es im Rahmen eurer Möglichkeiten auszuleben. Ich verstehe jeden, der wegen Familie oder Beruf Angst hat sich als Fetischist zu outen und respektiere wenn man es aus diesem Grund nicht tut. Jeder der offen zu seinen Vorlieben steht (ohne den Leuten damit ins Gesicht zu springen) hilft aber dabei, dass die Gesellschaft feststellt, wie vielfältig unsere verschiedenen Persönlichkeiten und Leidenschaften sind. Ich denke große Teile der Gesellschaft machen sich hier etwas vor und wissen gar nicht, welche Wünsche und Fantasien die Menschen eigentlich haben und dadurch entsteht eine falsche Wahrnehmung von “Normalität”. Ich wünsche mir, dass sich mehr Leute trauen dazu zu stehen, wie sie sind und sein möchten. Seid euch bewusst: Ihr seid nicht allein! Geht euren Weg mit Stolz, solange ihr keinem anderen damit schadet!

Fesselblog: Wir bedanken und vielmals für das sehr nette Interview und wünschen dir auf Folsom Europe noch ganz viel Spaß. Wir hoffen sehr, dass wir uns bald wieder treffen. Und sollte dich der Weg einmal in einen bayerischen Pferdestell bringen, dann lass es uns wissen.

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