November - copyright 2018, mit freundlicher Genehmigung von "ChasteSubMuc"

Keyholder – Der Kick der Fremdbestimmung

Eine der Kernkomponenten im Bereich BDSM ist wohl die Fremdbestimmung. Auch beim Thema Keuschheit ist das Zusammenspiel zwischen dominanten und devoten Partner eine spannende Herausforderung für beide Parteien. Unabhängig vom direkten Spiel genießen einige Dominante die Position des Keyholders. Wobei nicht immer ein Schlüssel physisch übergeben wird.

Was ist ein Keyholder? Wie der Name schon sagt hält dieser einen oder mehrere Schlüssel. Doch nicht immer ist es auch der Schlüssel zum Herzen des anderen, sondern eher der Schlüssel zur sexuellen Luststeigerung.

Wenn man im Internet unterwegs ist, so wird fast immer ein Keyholder mit einer Person gleichgesetzt, die einen anderen Spielpartner in einen Keuschheitsgürtel einsperrt und über die Dauer des Einschlusses bestimmt.

Interessanterweise muss ein Keyholder nicht zwangsläufig der dominanten Partner sein. Es kann auch gut sein, dass zwei Keuschlinge sich gegenseitig verschließen und hier die Schlüssel des anderen sicher verwahren. Es ist auch eine gute Gelegenheit sich gegenseitig zu motivieren. Und genau diese Motivation kommt durch die Fremdbestimmung.

Der Wunsch eines jeden devoten Spielpartners ist es dominiert zu werden. Doch der nächste Dominante ist oft nicht gerade in der direkten Nachbarschaft. Über die digitalen Medien kann ein Keyholder auch eine Fernerziehung betreiben. Tägliche Kontrollen mit Bildbeweisen stellen sicher, dass der Keuschheitsgürtel noch dran ist. Eine Überwachungskamera in der Wohnung zeigt ein Livebild, ob der Sklave auch wirklich nackt in der Wohnung ist und diverse GPS-Tracker geben eine Sofortauskunft über den aktuellen Aufenthaltsort.

Aber manchmal ist die ganze digitale Welt zwar ganz nett, aber immer noch zu wenig für den „letzten“ entscheidenden Kick. Wenn ein Schloss angebracht wird, der Top den Schlüssel in die Tasche steckt und dieser dann einfach nicht mehr greifbar ist. Sollte der Top dann nach der Session die Wohnung verlassen und die Schlüssel mitnehmen, dann sind sie „weg“! Keine Chance zum Schummeln, keine Möglichkeit das Schloss zu öffnen, kein Entkommen, keine Gnade! Und es muss an dieser Stelle nicht nur ein Keuschheitsgürtel sein. Es kann auch eine Kette um den Hals oder ein Halsband sein.

Zurück zur Bezeichnung „Keyholder“. Ein Keyholder ist also ein BDSM-Spieler, welcher über den physischen Verschluss eines devoten Mitspielers entscheidet. Der Verschluss ist unabhängig von der Dauer des Verschlusses und auch der Tatsache, ob die Schlüssel physisch abgegeben wurden oder eine Überwachung per Remote erfolgt.

Das Fesselblog-Team verwaltet aktuell ebenfalls diverse Schlüssel von Keuschlingen und diversen devoten Spielpartnern. Manche Schlüssel sind physisch in unserem Besitz, andere Spieler werden über die Ferne überwacht.

Wichtig bei der physischen Abgabe der Schlüssel ist, dass man sich regelmäßig treffen kann. Es macht keinen Sinn alle Schlüssel abzugeben und der Keyholder ist dann erst einmal vier Wochen auf Dienstreise unterwegs. Ein Keyholder sollte für den Notfall täglich erreichbar und verfügbar sein. Eine Alternative ist ein Notschlüssel (z.B. versiegelt in einem Kuvert), welcher beim Devoten verbleibt. Gerade beim Thema Keuschheit sollte man medizinische Notfälle auch nicht unberücksichtigt lassen.

Der Optimalfall ist natürlich, wenn man dieses BDSM-Spiel in einer festen Partnerschaft betreiben kann. Der Dominante verschließt den Devoten und da man sich im Normalfall täglich sieht kann je nach Tageslaune interagiert werden, sei es jetzt ein Aufschluss oder nicht. Zudem kann der Verschlossene durch seine Handlungen vor Ort entsprechende Verschlussbedingungen „nachverhandeln„. Was aber auch bedeutet, dass bei Ungehorsam auch eine direkte Bestrafung erfolgen kann.

Wir wünschen euch viel Spaß und passt bitte aufeinander auf!

P.S. Das Vorschaubild dieses Artikels wurde uns von einem treuen Leser („ChasteSubMuc“) aus München freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er hat sehr brav und vorbildlich den Locktober und auch den November verschlossen verbracht. Das Fesselblog-Team sagt an dieser Stelle noch einmal ein ganz großes DANKESCHÖN!

 

10 Gedanken zu „Keyholder – Der Kick der Fremdbestimmung“

  1. Hier von mir ein vielleicht etwas anderer Beitrag. Ich bin absoluter Bondagefan. Hier gehe es mir dann nicht um Handschellen und gut. Es hat wirklich was mit Abgabe der Selbstkontrolle zu tun und das zu spüren und zu genießen. Sowas geht in meinen Augen im Alltag nur sehr bedingt. Also welche Alternativen für täglich? Hier kommt dann auch immer der KG mit ins gedankliche Spiel. Es geht mir hier wohl gar nicht um das „nicht können“, sondern eher um das Gefühl etwas am Körper zu haben, was man selbst nicht abnehmen kann, über das ein anderer die „Gewalt“ hat. Klar, der KG ist hier noch mit mehrere einschränkenden Funktionen verbunden 🙂 Leider fällt es mir sehr schwer etwas passendes und tragbares zu finden. Das Teil sollte schon wirklich sicher sitzen und auch im Alltag nicht allzu sehr einschränken. Das beginnt ja schon damit, dass bei mir, denr im Käfig verschlossene „Kleine“ schon eine heftige Beule in der Hose zeigt. Liegt daran, dass ich da etwas größer gebaut bin und auch in KGs „von der Stange“ nicht rein passe. So musste die Sonderanfertigung eben entsprechend größer ausgefallen. Das mit der Alltagshose ist mal noch zu verkraften, aber zum Beispiel in einer Motorradkombi ist das Teil gar nicht unterzubringen oder es drückt derart, dass man sich nicht auf den Bock setzen kann oder es verursacht derartige Schmerzen, die weder dem Bottom noch dem Top recht sein können…….Zurück zum Thema. Da es mir also nicht grundsätzlich um das Tragen eines KGs sondern eher um irgendwelche am Körper unlösbar und „fest montierte Teile“ geht, trage ich eben auch ganz gern einen absperrbaren Cockring oder ein absperrbares PA-Schloss. So wie andere eben die Kette mit Schloss um den Hals, nur eben subtiler.
    Da mein Mann allerdings nicht auf sowas steht und ich in der Beziehung eher der Top bin und doch auf derartige Erlebnisse nicht ganz verzichten möchte, muss ich mir Leute suchen, denen es vielleicht etwas gibt, jemanden wie mich auf die Entfernung mit virtueller Kontrolle wie auch immer „zu verschließen“, Vorgaben zu machen und zu kontrollieren. Gibt es mehr von meiner Sorte?
    So, ich hoffe ich bin nicht ganz am Thema vorbei 🙂 und, was ich noch sagen wollte – Danke Dennis!!! 🙂

    1. Lieber Jürgen, vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich hoffe du findest deinen Weg und hast viel Spaß. Auch wenn man allein vielleicht keinen KG tragen würde, einen kleinen Anstoß können wir dir sehr sehr gern geben 🙂
      Liebe Grüße vom gesamten Fesselblog-Team

  2. Ich trage seit 9 Jahren einen KG und habe auch keinen GV mehr. Meine Penis ist von 17 cm auf 4 cm geschrumpft und bei schlaffer Erektion 7-8cm, nicht mehr fürn GV zu gebrauchen.

    1. Hallo Uwe, bei einer BDSM-Beziehung kann das durchaus vorkommen, dass der devote Partner dauerhaft keusch gehalten wird (egal ob mit oder ohne Keuschheitsgürtel). Da der männliche Penis viele Muskeln hat, können diese auch „verkümmern“. Ein Muskel, der nicht trainiert wird, bildet sich zurück. Man kann diese Muskeln aber wieder trainieren, was im Fall einer gewollten Keuschheit aber kontraproduktiv wäre.
      Wir hoffen, dass deine Keuschheit auch das ist, was du dir in deiner BDSM-Beziehung gewünscht hast und wünschen weiterhin viel Spaß, auch beim Lesen unseres Blogs.

  3. Mut geht immer bissel einher mit Furcht. Bissel… Und was dann so der Eine oder Andere tatsächlich schon einmal gesehen hat oder auch nicht, macht mich immer wieder staunen. War unlängst bei meinem Hausarzt – immerhin ist der schon gut in den 50ern und der war ganz angetan von meinem PA – hatte aber so etwas noch nie live gesehen und er wollte – oh Wunder oh Wunder – mit einem Mal ganz genau wissen, wie denn das so ist mit so einem PA. Und erkundigte sich in der Folge ebenso nach meinem Geschlechtsverkehr, denn man könne daran erkennen, ob mit dem Herzen alles in Ordnung ist. Staun. Gelungenes Ablenkungsmanöver. Und bei einer Mopedkontrolle mit so 7-8 Bullenjunx wollte doch tatsächlich einer nach einer besonders genauen Inspektion meiner BMW wissen, was denn in der Handschellentasche drin sei, die ich seitlich am Helmschloss angebracht habe. Na was wohl. Um uns rum mit einem Mal der Rest der grinsenden Bande. Einsatzleiter mit Strahlefratzlachen: „Man kann ja nie wissen, wann man die braucht, gell?“ Recht hat er, Keyholder der.

  4. Nun, ich seh es mal nicht so „akademisch“ – in meinen Augen gehts da um eine unausweichlich kompromisslos strikte positive Kontrolle und vor allem darum, dass man sich dessen bewusst ist und/oder Stück um Stück mehr bewusst wird. Und wo sich das „Wehren“ dagegen gar nicht als Option anbietet. Die eigene Erlebniswelt bekommt auf einem Mal eine „Beule“ oder sie zeigt einem eine Tür auf, von der man vorher gar nicht wusste, dass sie da war. Und ein neues Abenteuer, weil man nicht wirklich genau weiss, auf was man sich einlässt. Mental. Wer weiss es denn vorher, wie sich das anfühlt, nach einer Stunde, gefesselt in Canvas oder Leder oder mit so einem ungewohnten Stück Metall zwischen den Beinen? Oder nach einem Tag, oder nach zwanzig? Ist das etwa immer gleich? Speziell dann, wenn man den Security-Mann am Franz-Josef-Strauss einigermassen schnörkelos informieren möchte, was denn da unter der Jeans den Piepser auslöst – das Rahmenprogramm spielt mit! Kopfkino, die unbekannte Größe, unterworfen der Notwendigkeit und kruder Realität und: der Fantasie, der rattigen! Hatte so etwas unlängst und das wissende Grinsen der Securiteuse zwei Meter weiter und das tief-hoch-knalldunkelrot anlaufende Gesicht des Security-Mannes mit seinem Handscanner vor mir entschädigte für den Stress. Und ich hatte ganz plötzlich unverhofft eine ganze Menge Lacher auf meiner Seite, als ich fragte, ob ich auch blank ziehen sollte. Wollte er nicht. Feigling, der.
    Aber klar, egal wie, Du bist gefordert, da musst Du dann durch. Ich glaub, solange man das alles nicht so ernst nimmt, hat man ’ne gute Chance auf äusserst vergnügliche Momente.

    1. Lieber Martin, vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar. Ja das Thema „Kontrolle am Flughafen“ sorgt bei einigen Keuschlingen für schweißnasse Hände und teils sogar Panikattacken. Den „Mut“ das ganze Prozedere durchzuziehen benötigt einen starken Willen, vorrangig den des Keyholders (der sich dann eben nicht erweichen lässt den Keuschheitsgürtel aufzuschließen). Ist man deshalb ein „Unmensch“ oder ist der Keyholder dann nur konsequent und streng? Die Frage ist auch, in wie weit man die „Öffentlichkeit“ mit in dieses Spiel mit einbezieht. Wobei die Kontrolleure am Flughafen mit Sicherheit schon diversen Intimschmuck (egal ob mit oder ohne Schloss) gesehen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + drei =